Squids: Frostige Fühler

In der Nach-Wende-Zeit gab es die WirtschaftsWoche eine Weile in zwei Versionen – der dicken, 4,50 Mark teuren Westausgabe und dem dünnen Ost-Ableger für 2 Mark. Diese Story über supraleitende Materialien in der Sensorik erschien im Januar 1993 beiderseits des Grünstreifens, an dem man nun den Ex-Zonenrand erkannte.

 

Sensible Sensoren empfangen selbst extrem schwache Magnetfelder aus dem Gehirn.

Mit einer bösen Überraschung endete für zwei Teilnehmer das Statusseminar Supraleitung. Sie erwiesen sich als reif für den Internisten. Die beiden hatten, wie 60 andere, bei einem medizinischen Test mitgemacht, und dabei war herausgekommen, daß sie an bis dahin unentdeckten Herzrhythmusstörungen litten.

Ein eindrucksvolleres Resultat hätte sich Professor Christoph Heiden, Physiker am Forschungszentrum Jülich (KFA), beim ersten Einsatz seines mobilen Magnetokardiographen (MKG) auf dem Seminar in Potsdam nicht wünschen können. Vor der Fachwelt hatten die Jülicher Sensoren, mit denen das MKG ausgestattet ist, ihre Praxisreife unter Beweis gestellt. Dabei handelt es sich um keramische Supraleiter-Quanteninterferenz-Detektoren (Squids), die bei einer Temperatur von minus 196 Grad Celsius arbeiten. „Squids: Frostige Fühler“ weiterlesen

Strom vom Dach

Nach der Einstellung des Magazins highTech Ende 1991 liefen die Technik-Specials der Wirtschaftswoche unter der Marke highTech. Die erste solche Technikstrecke in Heft 3/1992 widmete sich dem Thema „Alternative Energien“.

Photovoltaik: Billigere Solarzellen in Sicht

Häuser, deren Strom- und Wärmebedarf das Sonnenlicht deckt, sind heute keine Utopie mehr.

WirtschaftsWoche 3/1992

Bedrohlich dunkle Wolken sieht Professor Adolf Goetzberger aus Richtung Bonn heraufziehen. Die Ernte seiner jahrelangen Forschungsarbeit können sie ihm allerdings nicht mehr verhageln, denn der Freiburger Wissenschaftler hat sich und seinem Team gerade noch rechtzeitig einen Platz an der Sonne gesichert. Im kommenden Herbst darf der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme nach einjähriger Bauzeit endlich den Beweis antreten, daß eine Familie selbst im eher unfreundlichen Klima Mitteleuropas auch ohne Stromanschluß und Heizungskeller recht komfortabel leben kann. „Strom vom Dach“ weiterlesen

highTech: Die Zukunft der Vergangenheit

Es war einmal ein Wirtschaftsmagazin mit Schwerpunkt Technik – oder war es ein Technikmagazin mit Schwerpunkt Wirtschaft? Egal: Dieses Zwitterwesen namens highTech war von Oktober 1989 bis zu seinem Ableben Ende 1991 meine berufliche Heimat.

Leider wussten zu wenige Leser und Anzeigenkunden das Blatt zu würdigen, so dass die Verlagsgruppe Handelsblatt uns die Mittel entzog und sie in andere Verlustbringer investierte.

Wer heute seine Nase in die alten Hefte steckt, merkt schnell, dass entweder wir unserer Zeit um Jahre voraus waren – oder dass vieles, was sich heute als letzter Schrei ausgibt, schon eine fast zwanzigjährige Geschichte hinter sich hat. Es stimmt wohl beides.

Ein Blick in dieses Archiv verrät auch, welch bescheidene prognostische Fähigkeiten das damalige Management der High-Tech-Industrien auszeichneten: Bis zum Jahr 2000, so war 1991 in der highTech zu lesen, rechnete die Telekom mit drei Millionen Handybesitzern in Deutschland. Die Realität übertraf die Vorhersage um schlappe 1500 Prozent.

Hier ist er: Der Rückblick in die Zukunft der Vergangenheit.

Wie PC-Chips die Großrechnerwelt auf den Kopf stellten

Der langsame Tod der Datosaurier

aus highTech 12/1991

Ulf J. Froitzheim und Winfried Rauscheder über Parallel Computing

Klassische Großcomputer haben ihre Zukunft bereits hinter sich. Parallelrechner mit Myriaden billiger Mikrochips übernehmen immer öfter ihre Jobs. Die neuen Parallelrechner bringen nach Spezialisten wie Cray selbst die mächtige IBM in Zugzwang.

Als frecher Herausforderer arrivierter Konzerne hat sich Falk-Dieter Kübler in der Computerindustrie mittlerweile einen Namen gemacht. In letzter Zeit riskiert der Chef der Aachener 150-Mann-Firma Parsytec allerdings eine besonders dicke Lippe – maßt er sich doch an, gleich ein neues Zeitalter auszurufen: die Ära des Parallelrechners „jenseits des Supercomputers“ à la Cray Research. Kübler traut sich sogar, allen Ernstes ein gigantisches Computermonstrum feilzubieten, von dem er nicht einmal einen Prototypen vorweisen kann: Das Topmodell GC-5 soll knapp 15 Tonnen wiegen, mit mehr als 16000 Mikroprozessoren über 400 Kilowatt Strom verbrauchen und natürlich die großen Probleme der Menschheit lösen – in Form der in den USA definierten „Grand Challenges“. Solch einen Moloch ohne Kundenauftrag zu bauen, könnte sich die kleine Parsytec (24 Millionen Mark Jahresumsatz) gar nicht leisten. Denn GC-5 hätte beste Chancen, als teuerster Computer der Welt im Guinness-Buch der Rekorde verewigt zu werden. „Wie PC-Chips die Großrechnerwelt auf den Kopf stellten“ weiterlesen

Wie zwei Bayern mit Solarzellen gegen Bootslärm antraten

Die Sunnyboys vom Starnberger See

aus highTech 9/1991

Jahrelang widmeten zwei oberbayerische Unternehmer fast ihre gesamte Freizeit einem ausgefallenen Hobby: dem Bau von Solarzellenbooten. Heute fahren sie mit ihrer Sonnenyacht klammheimlich allen davon.

Wenn der Computergroßhändler Karl-Heinz Mirwald von den möglichen Absatzmärkten seines Lieblingsprodukts spricht, hat das etwas regelrecht Romantisches. Die Postboten von Venedig würde er gern damit ausrüsten, ja, das wäre ein Auftrag nach seinem Geschmack. Die Idee ist tatsächlich nicht dumm: In der Lagunenstadt scheint ziemlich oft die Sonne, und weniger Lärm und Abgase täten den geplagten Anwohnern der engen Kanäle auch recht gut. Nur den venezianischen Fremdenverkehrsdirettore hat der Münchner noch nicht konsultiert: Welche Folgen könnte es für das touristische Image der Città Vecchia haben, wenn plötzlich Scharen von Briefzustellern mit ihren schnittigen Solarbooten den Gondolieri die Schau stählen? „Wie zwei Bayern mit Solarzellen gegen Bootslärm antraten“ weiterlesen