Ich lerne nicht programmieren

„Wenn wir die Digitalisierung wirklich begreifen wollten, dann müssten wir Programmieren lernen. Das werde bald so wichtig sein wie Lesen, Schreiben und Rechnen.“

Niklas Hofmann zitiert in der Süddeutschen Markus Beckedahl

Um Auto zu fahren, brauche ich nicht in der Lage zu sein, selbst ein Auto zu konstruieren. Ich muss es nur sicher beherrschen und die Verkehrsregeln kennen. Der Irrglaube, man lerne das Richtige über IT, wenn man sich mit Programmiersprachen befasst, zieht sich auch durch die Curricula für den Informatikunterricht an Schulen. Der produziert reihenweise digital-na(t)ive Analphabeten.

Was ist eine Freundschaft wert? 0,075 €!

Heute auf eBay gefunden - nicht von mir, sondern von jemand anderem, der aber keinen Wert darauf legt, für die Entdeckung namentlich gewürdigt zu werden.

Wann arbeiten die Amerikaner eigentlich…

…oder wann gehen sie zur Schule, wenn sie, wie die Süddeutsche sinngemäß schreibt, täglich mehr als 11 Stunden und 27 Minuten mit Facebook verbringen und 2 Stunden und 52 Minuten googlen?

„Allein in den USA verbringen die Internetnutzer monatlich mehr als 53,5 Milliarden Stunden bei Facebook – vier Mal so viel wie bei Google.“

SZ, 24.9.2011, „Das ganze Leben auf einer Seite“

Diese elfeinhalb Stunden sind wohlgemerkt der Durchschnittswert für die angeblich 156 Millionen Amerikaner, die Facebook als aktive Mitglieder führt.

Aber bei Facebook wundert mich eh nix mehr:

„In der vorigen Woche waren erstmals 500 Millionen Menschen gleichzeitig in dem sozialen Netzwerk unterwegs.“

Schreibt unter anderem der Stern.

Weltweit soll es 800 Millionen Facebooker geben, über alle Zeitzonen verteilt. 62,5 Prozent davon sollen zum selben Zeitpunkt online gewesen sein. Ohne sich abgesprochen zu haben, ohne dass ein Guinnessbuch-Redakteur einen Termin vorgegeben hätte.

Kennt jemand zufällig den aktuellen Rabattsatz, den man auf solche Zahlen geben muss?

Facebook als Urheberunrechtshehler?

Endlich mal ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich das angelsächsische Copyright vom kontinentaleuropäischen Urheberrecht unterscheidet: Die Daily Mail weist für dieses Foto eines Londoner Plünderers, der seine Beute stolz im Internet zeigt, ein Copyright von Facebook aus – so, als habe das Social Network ein Bild, das ihm nicht gehört (Facebook hat sich lediglich die Nutzungsrechte gesichert), an die Zeitung verkauft.

Bei einer deutschen Zeitung stünde da „Foto: privat/oh“ – oh wie „ohne Honorar“.

Mir gefällt nicht, was mir „gefällt“

Sascha Lobo, dessen haariges Markenzeichen mir ähnlich gut gefällt wie das von Atze Schröder, nämlich gar nicht, hat mal etwas geschrieben, das mir gefällt: So genannte soziale Netzwerke wie Facebook bringen Menschen dazu, Meinungsäußerungen anderer mit „gefällt mir“ zu bewerten. Man müsse aber, so Lobo, bei Zustimmung unterscheiden zwischen „gefällt mir“ und „ist richtig“. Falsches kann einem ebensogut gefallen wie Richtiges mal nicht gefällt. Wer aber diskutieren wolle – ich sag’s mit meinen Worten – mache es sich zu leicht, wenn er andere Meinungen mit „gefällt mir nicht“ abtut und damit seine eigene Meinung zur richtigen, die fremde zur falschen deklariert.

Aus Google+

Die Diskussion, die der Rotschopf damit auslöste, zeitigte binnen Stunden Hunderte Kommentare (nicht öffentliche mitgezählt), viel mehr, als ich das aus Debatten des Niggemeier-Fanpools kenne.

Da ich in Google+ noch keine Möglichkeit entdeckt habe, einzelne öffentliche Beiträge via Permalink zu verlinken, gibt es hier nur einen Link auf Lobos Google+-Seite. Der Beitrag hat die Überschrift „BNF“ und datiert vom 16. Juli 2011, 13:33 Uhr.

Ein hübsch bösartiger Kommentar zu diesem Thema ist dieser Cartoon, auf den ich via Sarah E. Foster gestoßen bin.

Da ich jetzt auch einen Like-Button verwende, um nicht ganz fossil zu wirken (wenn man denn schon meinen Namen bei Facebook vergeblich sucht), werde ich mich bemühen, meine Überschriften so zu wählen, dass sie einem gefahrlos gefallen können (also nicht mehr „Nudelsieb-Journalismus gefällt mir“). Vorsorglich schließe ich aber jeden Regress aus: Wer dem Zuckerberg-Server mitteilt, ihm gefalle etwas bei mir, tut dies stets auf eigenes Risiko.