Bürosoftware: Digitale Nostalgie

„Maßstab Mensch“ nannte sich einmal eine Fernseh-Sendereihe, die sich kritisch mit der verbesserungswürdigen Ergonomie von Computern auseinandersetzte. Inzwischen gibt es Softwareentwickler, die diesen Maßstab wirklich anlegen. Statt die Arbeit so umzuorganisieren, daß der Mensch mittels gegebener Technik produktiver arbeitet, bilden sie die traditionelle Arbeit im Büro bis ins kleinste Detail im Computer nach.

Neuestes Beispiel dafür ist die elektronische Umlaufmappe, die zum Eckstein für Bürosysteme der Zukunft werden soll. „Bürosoftware: Digitale Nostalgie“ weiterlesen

Büroautomatisierung: Großer Wurf

Die Verbindung von Computer und Telekommunikation soll die Verwaltung revolutionieren.

Dem Hamburger Unternehmer Gottfried Neuhaus ist die Sache sonnenklar. Mit dem Cocktailglas in der Hand wird er entspannt auf der Terrasse seines Sylter Feriendomizils sitzen und nebenbei ein wenig arbeiten. Das Telefon wird läuten, und der Anrufer wird glauben, Neuhaus in dessen Büro nahe dem Hamburger Flughafen erreicht zu haben. Damit diese Vision Wirklichkeit werden kann, fehlt nur noch eine Kleinigkeit: eine ISDN-Leitung zum Haus auf der Insel. „Mit ISDN“, erklärt der Inhaber der Dr. Neuhaus Mikroelektronik GmbH die Vorzüge des neuen digitalen Telefonnetzes der Telekom, „kann ich Kunden, die mich im Büro anrufen, zu jedem beliebigen Anschluß weiterleiten.“

Das digitale Telefonnetz wird allerdings nicht nur der persönlichen Bequemlichkeit dienen. „Büroautomatisierung: Großer Wurf“ weiterlesen

Amerika investiert, Europa diskutiert

Damit es keine Mißverständnisse gibt: Den Nobelpreis hat Professor Carlo Rubbia sicherlich nicht unverdient bekommen. Auch gehört der italienische Kernphysiker, dessen wissenschaftliche Arbeit am Genfer Hochenergieforschungszentrum CERN in der Fachwelt hohes Ansehen genießt, ganz gewiß zu den versiertesten Anwendern von Höchstleistungscomputern.

Das Problem besteht darin, daß ihn die Kommission der Europäischen Gemeinschaft vor einiger Zeit mit einem bedeutenden Projekt betraut hat, bei dem ökonomische Kompetenz wesentlich wichtiger wäre als naturwissenschaftlicher Genius. So sitzt der Renommierwissenschaftler seit zwei Jahren an der Spitze eines Gremiums, dessen Arbeitsergebnisse im wesentlichen darüber entscheiden werden, ob es zur Jahrtausendwende noch eine eigenständige europäische Computerindustrie gibt – die internationale „Rubbia-Kommission“ soll die europäische Antwort auf das milliardenschwere High Performance Computing and Communications (HPCC) Program der amerikanischen Regierung formulieren. Bis heute freilich ist außer der Produktion von immer neuen Papieren, die nicht einmal einen Minimalkonsens aller Teilnehmer wiedergeben, nicht dabei herausgekommen.

Vordergründig geht es beim laufenden amerikanischen wie beim geplanten europäischen Förderprogramm darum, einen Ausweg aus der technologischen Sackgasse zu finden, in die die klassische Datenverarbeitung geraten ist. In Wirklichkeit geht es darum, ob Europa seine endgültig letzte Chance verpaßt, in der DV-Technik Standards zu setzen, nachdem die Großen der Branche wie Siemens-Nixdorf oder Bull längst zu bloßen Technologie-Importeuren verkümmert sind. Europas Chance liegt in der Innovationskraft
von kleinen Chip- und Hardwareherstellern wie Inmos und Parsytec.

Hier kommt das Problem Rubbia ins Spiel. Als Wortführer der Liga von Allwendern, denen es um nichts als reine PS-Stärke der Computer geht, egal ob amerikanischen oder japanischen Ursprungs, kümmert ihn die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Produzenten wenig. Er will nur endlich gute parallele Software, mit der er schnell seine physikalischen Berechnungen durchziehen kann. Andere Mitglieder seiner Kommission, die weiter denken, suchen inzwischen Verbündete in der Politik, um das Schlimmste zu verhindern. So warnt Hans-Martin Wacker von der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR), die HPCC-Initiative drohe die noch vor kurzem sehr leistungsfähige europäische Parallelrechnerindustrie völlig auszurotten. Er versucht nun im Schulterschluß mit dem BMFT „das Ruder herumzureißen, bevor wir von der amerikanischen Walze plattgemacht werden“.

Und daß heißt: Solange die US-Regierung Hersteller wie Thinking Machines und Intel durch massive Investitionsbeihilfen für Anwender subventioniert, dürfen ähnliche Hilfen für die Handvoll europäischer Produzenten nicht tabu sein.

EDITORIAL FÜR EDV ASPEKTE JULI 1992

Kleine Prozessoren für große Probleme

Voll im Bild: Multimedia zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Im Mittelpunkt des zweiten highTech-Specials der WiWo vor der Cebit 1992 stand das Hype-Thema Multimedia. Eigentlich wusste jeder, dass die Technik noch lange nicht dafür reif war, die ehrgeizigen Konzepte in die Praxis umzusetzen, aber die Marketiers mussten schon zur großen Posaune greifen. Hier ist der Aufmacher des mehr als 80 Seiten dicken Specials._

WirtschaftsWoche 11/1992

Mit Schwung drängt die Computerindustrie ins multimediale Zeitalter. Doch der Durchbruch in den Massenmarkt läßt noch auf sich warten.

Die Begriffsverwirrung ist so komplett, daß jeder Blick ins Lexikon unausweichlich in die Irre führt. Die Definitionen rücken Multimedia bis in die Nähe von Gesamtkunstwerken, die ihre Wurzeln im Dadaismus haben und deren Interpreten mit allen möglichen visuellen und akustischen Medien arbeiten. Auch der Duden-Redaktion fiel bei der neuesten Überarbeitung ihres Fremdwörterbuchs zum fraglichen Schlagwort nicht mehr ein als die lapidare Umschreibung „Informations- und Unterrichtssysteme“, die mehrere Medien wie „Fernsehen, Dias und Bücher“ simultan verwenden.

Selbst die Industrie mag sich mit dem schwammigen Gattungsbegriff Multimedia nicht recht anfreunden. Beim Computerhersteller Apple steht er längst auf dem Index. „Voll im Bild: Multimedia zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ weiterlesen