Handygebühren: Mobilfunker verbreiten PR-Unsinn

Mobilfunk-Netzbetreiber verdienen nicht nur, wenn ihre Kunden jemanden anrufen, sondern auch, wenn diese angerufen werden. Je nach Tarif, den der Kunde (aus-)nutzt, verdienen sie daran sogar viel mehr als an Gesprächen ihrer Kunden, die sie an andere Netze vermitteln müssen.

Jetzt halbiert die Bundesnetzagentur den Betrag, den sie der Konkurrenz für die Weiterleitung eines aus einem Fremdnetz ankommenden Telefonats in Rechnung stellen dürfen. Statt 6,6 Cent sollen künftig 3,3 Cent pro Minute genügen. Begründung der staatlichen Aufpasser: Die neuen Sätze spiegeln die angesichts besser ausgelasteter Netze sinkenden Kosten wider.

Da aber jeder Handynetzbetreiber mit jedem anderen Gespräche austauscht und ergo sowohl bezahlt als auch kassiert, sollte man eigentlich meinen, dass es sich im Großen und Ganzen um ein Nullsummenspiel handelt. Dennoch protestierten Vodafone D2, Telekom und O2 (nicht aber eplus) gegen die Senkung. „Das ist eine dramatische Absenkung, mit der erneut Geld aus dem Markt gezogen wird“, verkündet zum Beispiel D2. Dieses Geld sei nötig für den Netzausbau, also das LTE-Datennetz.

Geld würde aber nur dann aus dem Markt gezogen, wenn die Endkundenpreise durch die Entscheidung des Regulierers ins Rutschen kämen. Wenn Preise weiter sinken sollten, dann werden dafür allein Mobilfunkfirmen verantwortlich sein. Spielraum hat aber nur ein Anbieter, bei dem ein überdurchschnittlicher Teil der ausgehenden Gespräche netzintern geführt wird. Das wäre demnach E-Plus: In diesem Netz funken alle marktstarken Discount-Marken. Auch E-Plus (Base, blau, simyo, Aldi etc.) kann sich aber nicht leisten, die Einsparungen bei Outbound Calls komplett an die Kunden weiterzugeben, da aus den Inbound Calls künftig ja auch weniger Deckungsbeitrag hängenbleibt. Zudem hat E-Plus gerade erst eine aggressive Preisrunde bei den Flatrates gedreht; um die Neukunden zu binden, müssen die Düsseldorfer selbst weiter in den Netzausbau investieren.

Vielleicht trauen die Wettbewerber E-Plus ja weitere Preisaktionen am Rande des Wahnsinns zu. Aber im Grunde stört sie, dass sie dem Enfant terrible nicht mehr den Löwenanteil des Minutenpreises abknöpfen können, für den dessen Kunden sogar Fremdnetz-Teilnehmer anrufen dürfen. Im üblichen Allnet-Prepaid-Tarif von 9 Cent brutto (7,5 Cent plus MwSt.) war nämlich bisher jedes Telefonat nach „draußen“ ein Verlustgeschäft, das durch netzinterne Anrufe subventioniert wurde.

Vielleicht stört es die drei mehr oder weniger im Festnetzgeschäft engagierten Protestanten aber auch, dass die Bundesnetzagentur die Terminierungsentgelte hinausposaunt hat. Damit kapiert selbst der dümmste Verbraucher, wie überteuert die Gebühren für ein Telefonat vom Festnetz zum Handy sind. Hierfür werden heute noch zwischen 15 und 22 Cent fällig, selbst wenn der Kunde für das Festnetz (über das ja das Gespräch an den Übergabepunkt des Mobilnetzbetreibers vermittelt wird) eine Flatrate bezahlt hat. Das Terminierungsentgelt von 3,3 Cent ist also gleichzusetzen mit dem „Einkaufspreis“ der Weitervermittlung (bzw. entspricht den Grenzkosten).

Der Verkaufspreis liegt um mehrere Hundert Prozent darüber. Wer schlau ist, entzieht freilich schon längst dieses Geld dem Markt – indem er Handys nur noch vom Handy aus anruft.

 

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Eine Antwort auf „Handygebühren: Mobilfunker verbreiten PR-Unsinn“

  1. LTE als Vorwand zu nehmen ist ein bisschen billig, da es auch meiner Meinung nach niemand so wirklich braucht. Leider funktioniert der Wettbewerb im Telekommunikationsnetz immer noch nicht so gut wie der sehr dynamische der Smartphone-Markt, was aber für Netzspezifische – natürliche Monopolstrukturen typisch ist. Das hängt aber auch damit zusammen, dass die Nachfrage noch nicht so „gewaltig“ ist, d.h. Preise für Auslandsgespräche (viel höher) >>>> als eigentliche Grenzkosten des Mobilfunkanbieters (innerhalb der EU z.B.) ….insgesamt: Abzocke pur, da auch die rasch sinkenden Preise der Smartphones, die im Vertrag integriert sind, erst sehr verspätet weiter gegeben werden.

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