Gutjahr steht zu Amazon und Telekom

Richard Gutjahr, Nachrichten-Anchorman im Bayerischen Fernsehen und Blogger, empfiehlt „gerne und guten Gewissens“ zwei „G!Friends“, also Sponsoren. Er findet diese direkte Finanzierung durch nur zwei Geldgeber offenbar nicht nur lukrativer, sondern auch irgendwie besser oder sauberer als durch Googles computergesteuerten Werbedienst, der ihm mal einen Epostbrief-kritischen Blogpost mit einer Epost-Anzeige der DHLBundespost garnierte.

Um zu lesen, dass Scout24 eine Telekom-Tochter ist und Audible Amazon gehört, muss man freilich recht weit runterscrollen.

Also nicht Apple.

Deshalb erinnert der Blogpost, in dem Richard G! seine Friends vorstellt, an einen typischen PR-Waschzettel. Kursiv steht am unteren Ende zum Beispiel dies:

…Als starker Partner unterstützt Scout24 seine Kunden bei wichtigen Entscheidungen, insbesondere in den Lebensbereichen Wohnen, Mobilität, Partnerschaft und Finanzen. Die Scout24-Gruppe ist Teil des Deutsche Telekom Konzerns…

Da bin ich jetzt mal gespannt, ob und wie der Hausherr schreibt, wenn es eines Tages gilt, die Mütter seiner beiden starken Partner  zu kritisieren.

Übrigens: Am linken Rand der G!-Seite bannerte vorhin der Werbevermarkter Groupon herum. Also ein Unternehmen, das auch verdient hätte, mal sehr kritisch betrachtet zu werden.

Hingucker gesucht (II)

Entdecker hat die Süddeutsche Zeitung doch immer gesucht. Was dem Blatt wirklich fehlt, sind Hingucker. Da gibt sich eine Mitarbeiterin Mühe mit einem interessanten Thema, liefert ein Foto mit, das die Redaktion schön groß aufmacht – und dann hudelt irgendein übermüdeter leitender Alleinpraktikant eine peinliche Unterzeile hin. Früher galt bei Qualitätsblättern mal die Devise, dass selbst bei größtem Zeitdruck – den man sich bei den Vorlaufzeiten einer Beilagenredaktion gar nicht vorstellen kann – wenigstens die Überschriften und Bildtexte aufmerksam gelesen werden. Dass dieses Gebäude keine 25 Etagen hat, sieht selbst jemand, der nicht bis fünf zählen kann.

Hingucker gesucht (I)

Vorgestern in Düsseldorf: Um 16:14 Uhr speist die Online-Redaktion des Handelsblattes eine dpa-Meldung über Karstadt ins System ein: Karstadt startet seinen Expansionskurs. Um 16:27 Uhr geht eine Neufassung online – zusätzlich. Aber nicht nur das: Als um 18.1 Uhr (Originalschreibweise)…

…die Schlagzeilen an Mail-Abonnenten vertickert werden, macht sich der Doppelmoppel richtig wichtig:

Sehen wir uns am Samstag in Bonn?

 

Auf der DJV-Tagung Besser online reden wir am kommenden Samstag darüber, was Online-Autoren tun müssen, um von der VG Wort Geld zu bekommen.

Außer mir (als Journalistenvertreter im Verwaltungsrat der VG Wort) sind dabei: Vladimir Simovic a.k.a. Perun, einer der führenden WordPress-Experten in Deutschland, c’t-Redakteur Mirko Dölle und DJV-Vorstandsmitglied Andreas K. Bittner als Moderator.

Tote Meere schwappen nicht

„Ein Salzsee schwappt über“

Headline in der SZ vom 12. September, Panorama

Das Tote Meer wird gemeinhin ebensowenig zu den Weltmeeren gezählt wie das Steinhuder Meer. Es ist zwar salzig und hatte in vorbiblischen Zeiten mal Verbindung zum richtigen Meer, aber „Salzsee“ ist schon die korrekte Bezeichnung. Ergo lagen die dortigen Hotels noch nie – wie im Lauftext behauptet wird – „am Meer“, und das schiefe Bild am Schluss, in dem der Autor Menschen und Meere mehrzahlig-metaphorisch vergleicht, ist auch nur mit dem unbedingten Willen zur Alliteration zu erklären.

Ein besonderer Schlag ins Salzwasser ist die tsunamihafte Überschrift: Das Problem liegt laut Autor darin, dass der Pegel im Südbecken des Salzsees zwar ständig, aber nahezu unmerklich steigt und dass die Anrainer mangels Dramatik nichts gegen die Entwicklung unternommen haben. Demnach schwappt da überhaupt nichts – es sei denn, eines Tages bebt mal die Erde.

Dem Vorgang des Schwappens ist jene Dynamik zu eigen, die in En Bokek ausdrücklich fehlt.