Wer hat’s (zuerst) gefunden?

Gestern (11. August) meldete die Online-Süddeutsche um 15:08 Uhr:

„Krawalle in London

Baseballschläger werden in Großbritannien zum Verkaufsschlager“

Dabei beruft sich die Autorin auf Angebot und Nachfrage bei amazon.co.uk.

Bereits um 8:52 Uhr hatte der Guardian gemeldet:

„UK riots: Amazon withdraws truncheons after bumper sales

Sales of baseball bats, Kubotans and other self-defence items soar inaftermath of rioting in English cities“

Wie SZon-Leser(in) snoook schreibt, war aber Felix von Leitner früher dran, nämlich schon am 10. August:

„Da wird Fefe sich aber freuen, dass er von Euch zitiert wird „Wer hat’s (zuerst) gefunden?“ weiterlesen

BJV-Website gehackt?

Eine Delegation ist eigentlich – so steht es in meinem Fremdwörter-Duden – eine Abordnung von Bevollmächtigten, die zu Tagungen oder Konferenzen entsandt wird. Teilnehmer sind hauptamtliche und/oder ehrenamtliche Mitarbeiter der entsendenden Organisation, sie bezahlt normalerweise auch deren Reisekosten.

Der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) nimmt das nicht (mehr) ganz so genau – jedenfalls wenn man seiner Website noch vertrauen darf. Anders als zu meiner aktiven Zeit als Funktionsträger kann demnach jetzt jedes BJV-Mitglied, das gerne auch einmal zu etwas delegiert werden möchte, Mitglied einer Delegation des Verbandes werden, die Ende September nach Montenegro reist. Allerdings für Geld:

„Im Preis von € 620,– sind folgende Leistungen eingeschlossen:
Linienflug mit der Montenegro-Airlines Frankfurt – Podgorica – Frankfurt
Übernachtung/Frühstück im Hotel Crna Gora im Centrum von Podgorica
Transfers Flughafen – Hotel, zum Skutariesee und zum Naturreservat Zabljak“

Weil sich das liest wie Werbung für eine, sagen wir mal, Leserreise des Nürnberger Antim-Verlags, „BJV-Website gehackt?“ weiterlesen

Psychopathenfaktor ≥ 50 Prozent

Ich weiß nicht, ob ich dem Mann widersprechen soll, der da den „Psychopathenfaktor“ im Web erklärt.

„Mindestens die Hälfte aller Leute, die sich im Internet zu Wort melden, sind frustrierte, gelangweilte, zu verbaler Gewalt neigende Soziopathen, die vereinsamt sind und einfach nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen.“

Henryk M. Broder auf Detektor.FM

„Ich finde, so etwas muss man doch dokumentieren. Das sind teilweise wirklich extrem aggressive, wirklich soziopathische/psychopathische Äußerungen – aber auch von einer wahnsinningen Originalität.“

ebenda

Einschreitungen

Da ich aus aktuellem Anlass wieder ständig mit dem Wort „Ausschreitungen“ konfrontiert werde, muss ich jetzt doch mal dagegen einschreiten. Dieser Begriff ist nicht nur furchtbar altertümelnd. Er impliziert auch die Prämisse, es sei Pflicht des Bürgers, wie ein braver Soldat in Reih‘ und Glied voranzuschreiten.  Wehe dem, der aus der Reihe tanzt, der aus ihr herausschreitet!

Wer als Journalist von „Ausschreitungen“ schreibt oder spricht, denkt zu wenig über den Sinn seines Berufs nach. Unsere Maßstäbe sind nicht die des Obrigkeitsstaats, unsere Sprache ist nicht das Amtsdeutsche!

Also nennen wir das, was in England passiert, beim Namen! Es sind Krawalle, Plünderungen, Brandstiftungen, Randale, Gewalttaten.

„Soziale“ Blackberrynetze

„Die Londoner Polizei beklagte, dass die Lage auch deshalb außer Kontrolle geraten sei, weil sich viele Randalierer in sozialen Netzwerken abgesprochen hätten, vor allem mit Hilfe des sogenannten Black Berry Messengers.“

Süddeutsche Zeitung, 10.8.2011, Seite 1

Wie war das noch? Journalisten sind Leute, die anderen einleuchtend Dinge erklären, die sie selber nicht verstanden haben? Zum Glück gibt es die zweite Seite, und dort wurde dann zumindest halbwegs klar, was wirklich los war: Der „Messenger“ alias BBM ist keine Zugangsplattform für Facebook, Myspace oder Google Plus. Der Kurznachrichtenservice BBM ist das „soziale Netzwerk“, das hier gemeint ist. Tatsächlich sind die Blackberry-Smartphones, die bei uns als Manager-Spielzeuge gelten, bei britischen Jugendlichen äußerst populär, weil der BBM günstiger ist als SMS und ganze Gruppen von Empfängern auf einmal erreicht.

Der britische Mobilfunkmarkt unterscheidet sich also erheblich vom deutschen. Wenn man das nicht richtig erklärt, führt man insbesondere die Leser, die sich unter einem „Blackberry“ etwas vorstellen können, in die Irre.