Facebook als Urheberunrechtshehler?

Endlich mal ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich das angelsächsische Copyright vom kontinentaleuropäischen Urheberrecht unterscheidet: Die Daily Mail weist für dieses Foto eines Londoner Plünderers, der seine Beute stolz im Internet zeigt, ein Copyright von Facebook aus – so, als habe das Social Network ein Bild, das ihm nicht gehört (Facebook hat sich lediglich die Nutzungsrechte gesichert), an die Zeitung verkauft.

Bei einer deutschen Zeitung stünde da „Foto: privat/oh“ – oh wie „ohne Honorar“.

Black Berry macht Gefangene

„Blackberry kündigt an, Londoner Plünderer auszuliefern“

 auf Netzpolitik.org 

Demnach hätte eine Handy-Marke des kanadischen Herstellers Research In Motion (RIM) Straftäter in Gewahrsam genommen. Nur jemand, der Gefangene gemacht hat, kann schließlich welche ausliefern. Das ist selbstverständlich höherer Unsinn. Selbst wenn man dem Autor dichterische Freiheit zugesteht, gibt allerdings die Quelle nicht einmal im übertragenen Sinne das her, was er hier insinuiert. Hier das Zitat der britischen Blackberry-Vertriebsniederlassung:

„We have engaged with the authorities to assist in any way we can.“

Zu Deutsch: „Wir haben den Behörden angeboten, ihnen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen.“ Die Fragen von Twiterranern, was mit dieser PR-Floskel wohl konkret gemeint sei, blieben unbeantwortet.

Unterirdische Krisen-PR entschuldigt aber nicht, Locken auf der Glatze zu drehen. Auch – und gerade – wenn man netzpolitik.org heißt.

Leibeigene bei Hermes

Erstaunlich, was es in Deutschland so alles gibt. Beim Hermes. Laut Handelsblatt.

In der Praxis verlassen sich die meisten Dienstleister für den Transport eines Pakets zum Empfänger weitgehend auf Subunternehmer. Die besitzen in der Regel 20 bis 50 Mitarbeiter, die meist als Einzelfahrer rechtlich selbstständig sind.

Immerhin kriegen die Sklaven Lohn: „Leibeigene bei Hermes“ weiterlesen

Irgendwas mit Fotos

Bildunterschriften hatten früher mal was damit zu tun, was auf dem Foto zu sehen war.

Das Foto zum Interview mit Hermes-Paketdienst-Boss Schneider im Handelsblatt Online ist weder ein Screenshot noch kommt es von Lancome.

Was die Berliner Zeitung uns unter die Fotos zur „Kanzler-U-Bahn“ U55 schreibt, ist reiner Dadaismus.

„Irgendwas mit Fotos“ weiterlesen

Gleitzeichig

Wenn die Staatsanwaltschaft die Polizei zwecks Razzia zu mehreren Verdächtigen an mehreren Orten schickt, was ist dann wichtig, damit kein Halunke einen anderen warnen kann? Dass die Durchsuchung überall exakt gleich lange dauert, egal wann sie begonnen hat? Also so, wie es das Handelsblatt schreibt?

Am Dienstag durchsuchten die Wettbewerbshüter zeitgleich neun Hersteller und Händler von Matratzen.

Oder  legen die Fahnder nicht vielleicht doch Wert darauf, dass die einzelnen Razzien alle zur gleichen Zeit stattfinden, also simultan?

Okay, Latein ist unzumutbar. Aber auch die deutsche Sprache hatte für solche Fälle mal ein Wort. Es hieß

gleichzeitig.

Leider steht es in praktisch allen deutschen Redaktionen auf dem Index. Die Kollegen DÜRFEN es nicht mehr benutzen. Wahrschweinlich gilt es als Schweinkram. Nach langjähriger empirischer Beobachtung und detektivischer Kleinarbeit bin ich jedenfalls zu dem Schluss gelangt, dass die Rechtschreibkorrekturprogramme alle so eingestellt sind:

Für den Fall, dass Sie das Wort genauso sehr vermissen wie ich, habe Ihnen ein paar Exemplare gerettet. Sie dürfen sich gerne eines davon kostenlos ausleihen. Bitte sehr:

Gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig