Ich muss unbedingt…

…meinen URL auf meinen AB sprechen!

Otti Fischer, die Moral und die Medien

Damit das klar ist: Die Methoden der Bild-Zeitung, Prominente zu Interviews zu bewegen, sind indiskutabel. Und wenn ein Prominenter ins Freudenhaus geht, ist das so lange seine Privatsache, wie er nicht öffentlich eheliche Treue oder gar den Zölibat predigt.

Aber deshalb muss man mit Ottfried Fischer, dem Darsteller des modernen Pater-Brown-Remakes, noch lange kein Mitleid bekommen. Der XXXL-Bayer hat nämlich wirklich etwas zu büßen und beichten: seine jahrelangen Werbe-Auftritte für die Möbelkette, die nach dem Ableben des Herrn Hiendl endgültig den Boden des kaufmännischen Anstands verlassen hat.

Die österreichischen Marktschreier posaunten nämlich unlängst heraus, sie gäben 19 Prozent Rabatt – angeblich die Mehrwertsteuer, was in jeder Hinsicht, auch und gerade in mathematischer, Quatsch ist – auf „Möbel, Küchen, Matratzen und Teppiche“.

Die mit dem roten Stuhl? Im Zeitalter von EHEC und Denglisch eine etwas makabre Aufforderung...

Im Kleinstgedruckten (6-Punkt-Schrift) folgt eine Liste mit fast 140 Marken, die davon ausgenommen sind, plus weitere Einschränkungen. Ich weiß nicht, wie viele nennenswerte Marken in so einem ottifischerhaft überdimensionierten XXXL-Möbelhaus Platz haben. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es weniger Platz in der Anzeige verschlungen hätte, die Marken aufzuzählen, auf die es tatsächlich Rabatt gibt.

 

Das Internet als Agentur

„Das damalige als Defense Advanced Research Projects Agency* bezeichnet Vorhaben entstand maßgeblich unter Federführung des amerikanischen Verteidigungsministeriums.“

Silicon.de blamiert sich nach Kräften

* Die DARPA, die ursprünglich den zivilen Namen ARPA trug, war die Rüstungsforschungsagentur, aus deren Projekt ARPAnet das Internet hervorging.

Cut&Paste-Journalismus

Was ein Guttenberg kann, können Journalisten schon lange: aus Zeitungen abschreiben. So riss sich der frühere Handelsblatt-Onliner Sven S. das geistige Eigentum des geschätzten Kollegen Michael Bauchmüller unter den Nagel. Weil man nicht alles lesen kann, bemerkte der zunächst nichts davon.

Jetzt hätte der Text-Räuber fast in Hamburg Karriere gemacht. Doch die Tat kam auf. Marc Felix Serrao berichtet hier über den Abschreiber.

Mann im Spiegel

11.631 Zeichen, einschließlich reichlich Zitaten, widmete Stefan Niggemeier der Titelgeschichte des Spiegel über Dominique Strauss-Kahn. Fast die sechsfache Zeichenmenge schund daraufhin Niggemeiers Kommentarvolk, einschließlich Konstantin Neven-Dumont.

Auf diesen rund 80.000 Zeichen oder 2.222 Standard-Druckzeilen fehlt leider jeder Hinweis darauf, dass vor dem Spiegel bereits „Time“ aus der Frage, was mächtige Männer zu Schweinen macht, eine Titelstory gestrickt hatte. Am 19. Mai 2011, dem Donnerstag vor dem Hamburger Redaktionsschluss, machte dieses Stück schon Furore.  Wer Time gelesen hatte, dem kam so manches im Spiegel bekannt vor (besonders die Beispiele für triebgesteuerte Prominente). Den Trüffel-Burger, dem im Niggemeierblog eine zentrale Rolle zukommt, erwähnt Autorin Nancy Gibbs mit keinem Wort.

Dass diese dekadente Fast-Food-Kreation den Text würzen durfte, hat offensichtlich nichts mit den kulinarischen Vorlieben des nackten Franzosen zu tun, sondern damit, dass der Spiegel seine Redakteure zu gut bezahlt:

106. Lieber Herr Niggemeier,

Polemiken müssen nicht stimmen, aber zünden, insofern hat Ihre wütende Abrechnung sogar mich amüsiert, obwohl ich der Autor des Stückes bin. Hätten Sie Recht, und wären Sie konsequent, dann müssten Sie die Abschaffung des erzählenden Journalismus fordern, die Einstellung aller Magazine, das Ende der Wochenend-Beilagen, den Tod der Reportage.
Vor der Kritik, wie Sie sie vortragen, hätte am Ende nur ein Telegramm Bestand. Oder eine dpa-Eil-Meldung. Kann man haben, diese Haltung. Muss man aber nicht.
Mit freundlichen Grüßen,
Ullrich Fichtner
PS: Wenn Sie mal in New York sind, lade ich Sie gerne zu einem Trüffel-Hamburger ins „db Bistro Moderne” ein, wo ich erst kürzlich gegessen habe. Auch als kleines Dankeschön für unser Gespräch über die „Bild”-Zeitung, das leider so unergiebig war, dass wir es für die spätere Titelgeschichte nicht gebrauchen konnten.

Ullrich Fichtner — 25. Mai 2011, 18:30