Mediale Ehecpidemie des Unsinns

Gurken sind mit Keimen verseucht. Das Robert-Koch-Institut hat pauschal vor Rohkost gewarnt. Ja, aber müssen Redakteure deshalb das eigene Gehirn ausschalten? Wenn Gurken aus Spanien die Quelle sein sollen, dann muss ich (zum Beispiel) meine Leser doch nicht ermahnen, Blattsalat – egal, woher er kommt – nicht roh zu verzehren (auch wenn das Verbraucherschutzministerium die Quelle dieses ungemein schlauen Ratschlags ist)! Noch üblerer – weil im Falle eines tatsächlichen Kontamination wirklich gefährlicher – Unsinn ist der jetzt oft gehörte und gelesene Rat, Gurken zu schälen. Wenn Ehecs an der Schale haften, hat der Schäler sie bald an den Fingern und am Messer. Am Ende hat man einen Gurkensalat, der keine Schale, aber Colibakterien enthält.

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Vorsicht, Raumfähre nicht zu heiß bügeln!

„Nasa untersucht beschädigtes Hitzeschild“

aus dem Handelsblatt; seit dem 21. Mai hat’s keiner bemerkt.

Experteria

Das Expertentum im Fernsehen nervt die Zuschauer – aber wie.

E.T. in der Warteschleife

500 Millionen Erden rotieren im All, doch die USA knausern bei der Alien-Forschung.

Unser Mitgefühl gilt diesen Monat Professor Jill Tarter, der Frau, die Vorbild war für Ellie Arroway, Hauptfigur von Carl Sagans Science-Fiction-Epos „Contact“. Anders als ihrer literarisch-fiktiven Schwester war der echten Professorin bis heute kein Kontakt mit unbekannten Lebensformen vergönnt. Zeit ihres Berufslebens konnte die 67-jährige „Alien-Forscherin“ am kalifornischen SETI-Institut nichts tun, als in einem Gewirr hochfrequenter Wellen zu stöbern. Dummerweise war alles unbelebtes Rauschen, keine Spur einer noch so schüchternen Botschaft (Hallo?) außerirdischer Intelligenzen. Dabei kann doch jeder Erdling im Internet nachlesen, dass es am Himmel über Amerika nur so wimmelt von UFOs. Telefonieren die denn nie nach Hause?

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Rechnung an den Steuerzahler

Wenn’s drauf ankommt, verlassen sich die Entwickler neuer Technologien jedoch sehr gern auf die Politik – als ultimative Versicherung gegen unternehmerische Risiken. Das kann üble Folgen haben – nicht nur für die Steuerzahler, auch für die Firmen selbst.

George W. Bush hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass man ihn einmal in die linke Ecke stellen würde. „Lemon Socialism“ sei es, wie die US-Regierung auf die 2007 ins Rollen geratene Finanz- und Wirtschaftskrise reagiert habe, ätzten Kommentatoren – also eine vermurkste quasi-sozialistische Politik, mit der die Kosten unternehmerischen Übermuts der Gesellschaft aufgehalst werden. Bushs Finanzminister Henry Paulson und die US-Notenbank retteten Banken, Hypothekenkassen und Versicherungen, weil sie ihnen zu wichtig schienen, um sie kaputtgehen zu lassen. Die Europäer verfuhren nach dem gleichen Muster, etwa Deutschland mit seinem Rettungspaket im Wert einer halben Billion Euro für Hypo Real Estate und Co. „Rechnung an den Steuerzahler“ weiterlesen