Klimaschutz Landsberger Art (Blaue Tonne I)

Es war einmal eine Firma Remondis, die stellte allen Bürgern, die das wollten, eine große Mülltonne mit blauem Deckel gratis vors Haus. Die konnte man mit alten Zeitungen, zerlegten Pappkartons und Reißwolfschnitzeln vollstopfen und gratis leeren lassen. Das aber missfiel dem Kreistag von Landsberg am Lech, und so beschlossen die Volksvertreter, damit müsse wieder Schluss sein. Das Altpapier und die Pappe der Bürger sind nach Auffassung des Landkreises dessen Eigentum, welches der Bürger an einem der dafür bereit gehaltenen Wertstoffhöfe abzuliefern hat. Statt eines einsamen Lastwagens, der sich nur alle paar Wochen in den Gemeinden blicken ließ, fahren jetzt wieder Tausende Privatautos durch die Gegend, machen Lärm und Abgas, Bürger vertun Zeit und verpulvern Geld für Sprit.

So ist das hier bei uns: Die Firma, die mir kostenlos eine umweltfreundliche und ausdrücklich erwünschte Dienstleistung erbrachte, wird verjagt, während die Behörden tatenlos zusehen, wie uns irgendwelche dubiosen Lumpensammler regelmäßig grässliche Plastikwaschkörbe vor die Haustür schmeißen, in die wir aber bitte nur gut erhaltene Schuhe oder Textilien legen sollen.

Und jetzt frage bitte niemand, wer in unserem Kreistag die Mehrheit stellt. Wir leben in Bayern.

Pfusch am Satzbau

Die Frage, ob der Wirtschaftsjournalismus in der Krise versagt hat , ist zu wichtig, um sie teils in der Fachsprache Soziologisch zu verhandeln und ansonsten mit schiefen Bildern um sich zu werfen. Dies tun leider der Kommunikationswissenschaftler Hans-Jürgen Arlt und der Ex-FR-Chefredakteur Wolfgang Storz in einer Studie für die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung, die jetzt unter dem Titel “Wirtschaftsjournalismus in der Krise: Zum massenmedialen Umgang mit Finanzmarktpolitik” erschienen ist.

Kernthese: Was die Medien rund um die Finanzkrise abgeliefert haben, war Pfusch am Bau. Vor allem ARD aktuell und dpa bekommen ihr Fett weg. Die dpa keilte gleich zurück und hielt den Autoren methodische Fehler vor: Arlt und Storz hätten willkürlich die Erklärstücke der Agentur außer Acht gelassen und sich auf die oberflächlicheren Zusammenfassungen gestützt.

Um auf carta.info über die Studie diskutieren zu können, muss man sich zwar durch manchen Pfusch am Satzbau quälen… „Pfusch am Satzbau“ weiterlesen

Soziologisch als 3. Fremdsprache

Sie interessieren sich für Medien und Journalismus, sonst wäre Sie wahrscheinlich nicht hier. Dann wissen Sie bestimmt auch, was Öffentlichkeit ist. Oder vielleicht doch nicht? Ich habe es als Student gelernt, mir aber nie komplett und korrekt merken können – bis ich das Zitat jetzt per Gugelbuchsuch wiederfand.

Bei mir war vor allem hängengeblieben, dass Soziologisch eine Fremdsprache ist, die sehr viele Worte macht, so viele, dass man am Ende selbst einen scheinbar klaren deutschen Begriff nicht mehr begreift. Noch skurriler wird die Sache dadurch, dass bei der Übersetzung des Wortes „Öffentlichkeit“ ins Soziologische ein Text entsteht, der für den Laien wie normales Deutsch aussieht, nur eben in einer schier dadaistischen Aneinanderreihung von Wörtern ohne den Unterhaltungswert einer bundespostalischen Versackbeutelung. Oder kapieren Sie etwa beim ersten Lesen, was der frühere Verwaltungsbeamte Luhmann aus Oerlinghausen mir damals sagen wollte?

„Ins Soziologische übersetzt, besagt Öffentlichkeit soviel wie Neutralisierung von Rollenanforderungen, die aus engeren Teilsystemen der Gesellschaft stammen, damit auch eine Lockerung, wenn nicht Aufhebung der Selbstbindungen, die der Einzelne durch Verhalten in engeren Systemen eingegangen ist.“

 

Niklas Luhmann, Politische Planung: Aufsätze zur Soziologie von Politik und Verwaltung, Westdeutscher Verlag 1971

Dann, so fürchte ich, Sie sind Soziologe oder Soziologin aus Leidenschaft.

Nein, ich möchte jetzt in Ihrem Kommentar nicht lesen, wie „Öffentlichkeitsarbeit“ in der soziologischen Übersetzung heißt. Ich verabscheue Leute, die sich Mühe geben, unverständlich zu schreiben. Und wie Sie am Beispiel des Niklas Luhmann sehen, trage ich das dem Urheber selbst dann noch nach, wenn er längst nicht mehr unter uns weilt. „Soziologisch als 3. Fremdsprache“ weiterlesen

Ulrike Simon fühlt Bodo Hombach auf den Zahn

Man muss als Journalist einen Bodo Hombach wirklich nicht lieben. Aber was in seinem Kopf vorgeht, hat in unserer Branche meist Nachrichtenwert (außer wenn er als Keynotespeaker bzw. Podiumsteilnehmer sein Repertoire an altbewährten Pointen rezykliert).

Kollegin Ulrike Simon hat dem OberWAZzer in einem Interview für die FR auf den Zahn gefühlt. Das verlegerische Schwergewicht versteigt sich darin unter anderem zu der Behauptung, sein personell stark verdünnisiertes Unternehmen sei eine „Journalismus-Manufaktur“.

Lesenswert.

Nur 42 ct./min. aus dem Mobilnetz

Kaum vergehen ein paar Jahre, schon reagiert die Bundesschneckenpostnetzagentur auf die Realität. Seit heute heißen die so genannten "Geteilte-Kosten-Dienste", die unter 0180er-Vorwahlen angeboten werden, "Service-Dienste". Das ist zwar auch nicht unbedingt immer wahr, aber längst nicht mehr so verlogen wie der alte Name, so dass das immerhin ein Fortschritt ist. „Nur 42 ct./min. aus dem Mobilnetz“ weiterlesen