Hajos Mainzer Medien-Mullah

Hajo Schumacher, zu ernsthaften Editorials neigender Herausgeber des manchmal zur Oberflächlichkeit neigenden Branchennewsletters ViSdP, fordert eine Art neues Cluetrain Manifesto, das den "gedanklichen Rahmen" für das Miteinander von "Menschen und Medien" legen soll. Begründung:

Unsere Bran­che ist zu kostbar, irgendeinem selbsternannten Wächterrat oder dem Mainzer Medien-Mullah die Deutungshoheit zu überlassen. Vielleicht macht carta.info ja den Anfang.

Hajo Schumacher in V.i.S.d.P 125

Auch wenn mir rund um den Lerchenberg und am Wohnsitz des obersten Recherchenetzwerkers mehrere Mediendisputanten einfielen, die einem freiheitsliebenden Menschen auf fast persische Weise unheimlich vorkommen könnten, will ich die Schumacher-Idee gerne fördern.

Mein erster (nur chronologisch, nicht prioritär gesehen) Beitrag:

Journalisten, die noch eine Antenne für den zeiträuberisch-unproduktiven Geist von Alibiveranstaltungen à la NRW-Medienforum haben, fahren diese auch dann aus, wenn das eigene Haus zu solchen Terminen ruft. Sie machen auch einen großen Bogen um so genannte Politik-Kongresse, auf denen Politiker, Spindoktoren, Public-Affairisten und Redaktionshierarchen sich nur aufhalten, damit sie dort gewesen sind.

Alles klar?

Hilfe! Fatale Sache! RSS-Macke!

Liebe Mit-Wortpresser,

weiß jemand, was an diesem Error in Zeile 539 von includes/rss.php so fatal ist?

Da sehe ich nur eine Schweifklammer.

Danke für guten Rat!

Jurassic Park im Lindenkeller

Zwei am Abgrund stehende Dinosaurier projizierte Stephan Russ-Mohl, gelernter Journalist und Professor für Kommunikationswissenschaft in Lugano, bei der Mitgliederversammlung des BJV an die Wand. Der Kleinere, wohl der Gattung Beratosaurus minor angehörig, belehrte den großen, behäbigen Klientosaurus rex: „Um zu überleben, musst Du schlanker und schneller werden.“ Dessen Antwort: „Soso, aber ich bin doch dann immer noch im Sauriergewerbe, oder?“

Die Karikatur, eigentlich gemünzt auf US-amerikanische Zeitungsverlage, hätte sehr gut auch auf das Gros der Anwesenden gepasst. Wenn es nämlich eine Gruppe von Mitgliedern gab, die im Freisinger Lindenkeller wirklich eifrig von ihrem basisdemokratischen Mitspracherecht Gebrauch machte, so war es die der amtierenden und ehemaligen Redakteure regionaler Tageszeitungen – mit einem überproportionalen Anteil an Betriebsräten.

Niemand wird den Mitarbeitern der Dinosaurierbranche einen Vorwurf daraus machen, dass sie sich mit dem prognostizierten Aussterben der Gattung nicht abfinden wollen. Es ist ihr gutes Recht, die näher kommenden Kometeneinschläge, die ihre Nahrungsgrundlage bedrohen, als bittere Ungerechtigkeit zu beklagen und in der Herde Schutz zu suchen.   „Jurassic Park im Lindenkeller“ weiterlesen

Griff zum Wegwerfen

Die Nasa fängt endlich an, hinter sich aufzuräumen. Ausgerechnet Hubble soll es als Erstes treffen.

Zu einer Zeit, als Raumfahrt noch richtig populär war, Werbesprüche eine beeindruckende Halbwertszeit hatten und die Deutschen sich unter einem Energieriegel einen Karamelzuckermampf im Vollmilchschokolademantel vorstellten, kursierte im Lande eine Scherzfrage: „Warum schießen wir unseren Atommüll nicht einfach auf den Mars?“ Die korrekte Antwort: „Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück.“

Über Orbit hat nie jemand solche Witze gerissen – was wohl weniger daran liegt, dass es sich dabei um den ersten Markenkaugummi handelte, der „ohne Zucker“ angeboten wurde, sondern eher daran, dass es keiner milliardenteuren Missionen bedurfte, die Menschheit davon zu überzeugen, dass der Orbit so schnell nichts wieder hergibt von dem Schrott, den Nasa, Esa, Roskosmos & Co. in ihm deponiert haben.

Wer wieder etwas herunterholen will von all der Hightech früherer Dekaden, die unseren Astro- und Kosmonauten bei ihren Außenbordeinsätzen um die Ohren fliegt – wie zuletzt Bruchstücke eines chinesischen Satelliten während der jüngsten Atlantis-Mission -, kann kaum darauf hoffen, dass Captain Kirks guter alter Bordingenieur Scotty noch einmal auf Zeitreise geht und das Zeugs aus der Umlaufbahn beamt. Und es wird sich auch kein schwarzes Loch auftun, in dem wir den Kram geregelt entsorgen können. Wobei ich zugeben muss: So ein schwarzer Staubsauger, der den Orbit putzt, wäre schon faszinierend. Schließlich kreisen über unseren Köpfen nicht nur 18.500 künstliche Himmelskörper herum, sondern auch noch Hunderttausende zentimetergroßer Fragmente. Und ganz entgegen unserem in vielen TV-Stunden erworbenen Raumfahrtwissen haben die Satelliten, die unsere geliebten Fernsehkanäle mit Programm füllen, bislang keine Schilde, die man im Müllgürtel des blauen Planeten hochfahren könnte. Die um den Erdball zirkulierenden Geschosse, die früher mal Teile wertvoller Gerätschaften waren, reißen im Zweifelsfall fiese Löcher in unsere Eutelsats und Astras.

Damit sich nicht noch mehr gefährliche Brösel in Bewegung setzen, kümmern sich Houston und Cape Canaveral jetzt selbst ums Aufräumen. Als das 19 Jahre alte Weltraumteleskop
Hubble kürzlich eine modernere Kamera, frische Batterien und einen neuen Hitzeschutz bekam, montierten ihm die Orbitaltechniker John Grunsfeld und Drew Feustel gleich auch einen „Soft Capture Mechanism“ (SCM) ans Heck. Das ist ein wichtig klingender Name für einen der teuersten Griffe zum Wegwerfen, die die Welt je gesehen hat. In fünf bis zehn Jahren wird ein unbemannter Astroschlepper Hubble an den Haken nehmen und das gute Stück mit einem wohldosierten Schubs so in den Pazifik befördern, dass es niemandem auf den Kopf fällt.

So schade es auch ist um das berühmte „Auge der Menschheit ins Universum“: Die Idee entspricht dem guten alten Verursacherprinzip und ist daher zu loben. Eigentlich müsste man nur ein magnetisches SCM erfinden, das man nicht mehr festzuschrauben braucht, und es in Großserie herstellen. Und dann nix wie abwärts mit Kopernikus, Iridium, Globalstar. Warum sollen die alten Schätzchen im „Friedhofsorbit“ herumgeistern? Im Meer sterben die Korallen, da können die Fische künstliche Riffe gut gebrauchen.

ULF J. FROITZHEIM ist freier Journalist und wartet sehnlichst auf außerirdische Technik, die ihm mal seinen Schreibtisch entrümpelt.

Aus der Technology Review 7/2009, Kolumne FROITZELEIEN

Zukunft des Journalistenverbandes

Ist das nicht komisch? Diese Frage, ob der Journalistenverband nun eine Gewerkschaft ist oder nicht sein soll oder doch… Irgendwie geht es immer um Fragen von gestern. „Zukunft des Journalistenverbandes“ weiterlesen