Es war einmal ein Fachredakteur

Früher hatte ich kein Problem damit, von anderen als Fachjournalist gesehen zu werden. Als Fachjournalist galt man als Experte, nicht als Fachidiot. In meiner Zeit als Wirtschaftsredakteur eines Branchenblatts wusste ich im allgemeinen besser Bescheid über die Unternehmen „meiner“ Branche als die Allrounder aus den Wirtschaftsredaktionen der Tagespresse, die von den Pressereferenten der Industrie allerdings stets ernster genommen wurden.

In Zeiten, in denen angebliche Fachredakteure Anzeigen verkaufen und jeder als Fach-„Journalist“ rumläuft, der schon mal — und sei es aufgrund tätiger Mithilfe eines Ghostwriters — seinen Namen in der Autorenzeile eines überhaupt nicht journalistisch gemachten Nischenobjekts platzieren konnte, sehe ich das leider nun etwas anders.

Dass ich auf meiner Website überhaupt noch auf die Fachpresse eingehe, hat allein damit zu tun, dass dieses Metier eine entscheidende Rolle in meiner beruflichen Sozialisation gespielt hat: In meinen Jahren in der Fachpresse habe ich viel gelernt — vor allem von meinem früheren Boss Dieter „Ecki“ Eckbauer. Meinen früheren Kolleginnen und Kollegen, die heute noch die Fahne des Qualitäts-Fachjournalismus hochhalten, drücke ich die Daumen, dass ihre Ressourcen nicht noch knapper werden.

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Neulich im Tragikomödienstadl

Es ist einfach nur traurig, was Hass aus Menschen macht: Die einen erfinden und streuen bösartige Gerüchte über ihre Feinde. Die anderen denken sich Verbalinjurien aus. Dritte entwickeln sich zu Prozesshanseln, die wegen jeder Petitesse vor Gericht ziehen — zum Beispiel um sich von dem Verdacht reinzuwaschen, sie hätten ihre Gedanken auf mädchenhaft roséfarbenem Papier ausgedruckt, obwohl nachweislich andere schuldig waren an dem für jeden aufrechten Macho unerträglichen Fauxpas. Manchen Typen reicht eines dieser drei Werkzeuge nicht: Sie wechseln nach gusto zwischen Ehrabschneiderei, Mobbing und Hanseltum. Andere niederzumachen, wird ihnen zum Lebensinhalt, das Internet zum Lebensraum, die Camouflage zur Lebensart. Gegen ihre so miesen wie billigen Tricks hilft kein Reputation Defender.

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Wirtschaftsmagazine, Publikumspresse, Special Interest, Corporate Publishing…

…sind seit langem mein Metier und bleiben es auch in crossmedialen Zeiten. Um Hörfunk und Fernsehen sollen sich die kümmern, die das besser können. Meine monatliche Kolumne mit Lästereien über den technischen Fortschritt ist zwar mittlerweile von den gedruckten Seiten der Technology Review ins Web umgezogen, und ich blogge schon ziemlich lange hier in meiner Wortpresse. Trotz unbestreitbarer Vorzüge des Online-Journalismus schlägt mein Herz immer noch für die Printkultur – und da wiederum reizt mich nicht das hektische (aus Freiberuflersicht auch brotarme) Nachrichtengeschäft. Ich bin & bleibe Spezialist für Zeitschriften, denn ich bin von dieser Mediengattung überzeugt und glaube, dass gut gemachte Magazine — also ein Bruchteil des heutigen Angebots — durchaus eine Zukunft haben, wenn…

…ja, wenn es ihnen denn gelingt, sich aus ihrer übermäßigen Abhängigkeit von Werbeeinnahmen zu lösen und der jeweilige Verlag nicht die Media-Agentin, sondern die Leserin als Königin Kundin betrachtet. (Gender-Disclaimer: Jede Schreibweise steht jeweils für sämtliche realen und gefühlten Geschlechter, und werx meint, Lesx und Kundx sei derdiedas einzig Wahrx, mag es sich vor seinem geistigen Ohr halt so anhören.)

Und worüber schreibe ich? Im Prinzip über alles, was interessant ist, aber es sollte schon irgendetwas mit meinem Motto Das Beste aus Wirtschaft und Technik zu tun haben.

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Spaß am Alten

Ob Auto, Computer oder Handy: Die Technik ist einfach viel zu langlebig geworden.

Die Japaner, stand neulich in der Zeitung, hätten keinen Spaß mehr am Auto. Diese gewagte Diagnose stützte der Korrespondent auf die Nachricht, die Zahl der Neuzulassungen habe sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten halbiert. Ähnliche Sorgen wie Toyota & Co. plagen auch die Computerindustrie, und das nicht nur in Japan. Wenn sich die Menschen noch für neue PCs begeistern, dann für stromsparende Netbooks. Die sind klein und leicht – und billig. Auch Handy-Anbieter jammern. Im Prepaid-Zeitalter bezahlen die Menschen ihr Telefon selbst, also behalten sie es, bis es verschlissen ist. Das sollte eigentlich nach exakt 25 Monaten der Fall sein, da die Garantie nach zwei Jahren endet. In der Praxis halten die Dinger aber meist viel länger.

So betrüblich diese Trends für die Aktionäre auch sein mögen, stehen sie aus Verbrauchersicht doch für eine erfreuliche Folge des Fortschritts: Heute muss niemand mehr ständig neue Autos und Elektronik kaufen, um sich wenigstens für kurze Zeit daran erfreuen zu können. Wer noch einen bärenschweren Schreibtischboliden daheim hat, verschrottet ihn nicht, nur weil er älter als drei Jahre ist. Jedenfalls nicht, wenn auf dem Teil eh nur Office, Firefox und dergleichen laufen.

Wundern darf man sich allerdings darüber, dass ausgerechnet die Autoindustrie die Folgen ihrer Bemühungen unterschätzt hat, ihre Produkte zu perfektionieren und jedem Kunden sein individuelles Wunschvehikel vor die Tür zu stellen. Vor 20 Jahren war es – nicht nur in Japan – wichtig, sich rasch wieder von der Karre zu trennen, bevor der Rost den Restwert fraß. Wer heute seinen maßgeschneiderten Mittelklassewagen Baujahr 2000 nach weniger als 200.000 Kilometern für läppische 2500 Euro Subvention in die Schrottpresse schickt, ist selbst schuld. Selbst zwölf Jahre alte VWs und Toyotas stehen oft noch gut im Lack.

Das ist der Preis der guten Tat: Um in einem gesättigten Markt zu wachsen, haben sich die Hersteller in den Neunzigern auf einen Qualitätswettbewerb eingelassen. Sie wollten an Extras verdienen, die ihren stolzen Preis nur in einem langlebigen Produkt wert sind. Jetzt haben sie den Salat: Wir bösen Konsumenten hängen an den Dingen und sind so unfair, die Qualität schamlos auszunutzen.

Aus der Technology Review 4/2009, Kolumne FROITZELEIEN

Ein Selbstverteidigungskurs

Beim Kampf gegen die Rezession muss sich jeder Einzelne bewegen.

Kollegenschelte kann verdienstvoll sein und Erbsenzählerei erhellend. Der BerlinerJournalist Oliver Gehrs, Erfinder eines Magazins mit dem ironisch-tiefstaplerischen Titel „Dummy“, hat sich den morbiden Spaß gemacht, in Deutschlands Intelligenzblättern die Referenzen auf den bevorstehenden wirtschaftlichen Untergang zu zählen. „Von Mitte Juli bis Mitte November“, zog Gehrs im Medium-Magazin seine Zwischenbilanz eines publizistischen Höllenritts, „erschien das Wort Rezession allein in der Süddeutschen Zeitung in 399 (verschiedenen!) Artikeln, bei der Welt sah es mit rund 300-maliger Nennung des Wortes Rezession ähnlich schlimm aus, den Vogel schoss die FAZ mit über 500 Rezessionen ab.“ Des leidenschaftlichen Nestbeschmutzers genüsslich ausgewalzte Diagnose lässt sich zu einem Satz komprimieren: Im Glauben, beim Löschen zu helfen, gossen die Kollegen aller Ressorts barrelweise Öl ins Feuer.

 

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