BJV vs. Staatskanzlei: Besser nie als so spät

Ja, natürlich ist es eine Instinktlosigkeit sondergleichen von Staatsminister Thomas Kreuzer, dass er einen „Runden Tisch mit Vertretern führender deutscher Medien- und Internetunternehmen sowie Vertretern der Netz- und der Medienpolitik aus Land und Bund“ einberufen hat, ohne dass Journalistenvertreter mit dabei saßen. Es wäre auch okay gewesen, wenn der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) die Stimme derer gewesen wäre, ohne deren Arbeit die beteiligten Unternehmen gar keine Inhalte hätten, über die sie mit Kreuzer palavern können.

Nicht okay ist, dass der BJV eine ganze Arbeitswoche braucht, um gegen diese Frechheit zu protestieren. Vorigen Montag ging die Pressemitteilung der Staatskanzlei raus, die BJV-Reaktion am Freitag. Allerdings erwarte ich vom Vorstand meines Berufsverbandes eigentlich, dass er sich gar nicht erst zu empören braucht, weil er gute Kontakte zum „Medienminister“ pflegt. Für Kreuzer müsste der BJV so relevant sein, dass er ihn gar nicht vergessen kann. Wenn aber passiert, was passiert ist, hält man wohl besser die Klappe – und nimmt sich den Büroleiter des Staatsministers so zur Brust, dass er einen kein zweites Mal vergisst.

Nicht okay ist aber wohl auch, dass der BJV nichts von den Vorbereitungen mitbekommen hat, obwohl der Entschluss, dieses Treffen abzuhalten, bereits auf den Medientagen 2012 gefallen war. Was ist das denn für eine Lobbyarbeit?

Her mit dem Geldbörsenhandy, aber dalli!

Seit wann macht ein Branchenverband neue Technik schlecht? Der eco e.V. behauptet: „Handy-Bezahlen zum Scheitern verurteilt.“ Laut eco-Funktionärin Bettina Horster mangelt es den Anbietern an „phantasievollen Ideen für sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten“. Zugleich entmutigt Horster aber Gründer, die solche Ideen vielleicht doch hätten: „Kunden und Handel werden keine Mehrkosten akzeptieren.“ Die Transaktionskosten dürften nicht höher liegen als bei einer Kreditkartenzahlung.

Welch eine Geiz-ist-geil-Denke, welch ein Blödsinn! Ein iPhone darf auch nicht mehr kosten als ein Huawei, ein T-Mobile-Vertrag nicht mehr als einer von e-Plus, oder was? „Her mit dem Geldbörsenhandy, aber dalli!“ weiterlesen

Finger weg von Scopevisio, Kollegen!

Buchhaltung macht keinen Spaß, auch wenn die Haufe-Lexware-Gruppe das in ihrer Werbung für das Cloud-Programm Lexoffice behauptet. Sie hat auch mit dem Lexware-Programm Quickbooks Plus keinen Spaß gemacht, aber sie war von ein paar Bugs der Software abgesehen kein Problem. Jetzt haben die Freiburger das Produkt vom Markt genommen; der Support läuft aus, es wird zwar bis auf weiteres noch so weit gepflegt, dass man damit buchen und elstern kann, letzteres aber nur, solange man Updates einer Software kauft, in die schon länger nicht mehr nennenswert investiert worden ist. Für Elster-Aktualisierungen sind die Updates aber zu teuer.

Da ich eh nicht mehr mit einem Windows-Programm arbeiten wollte, habe ich mir zwei Cloud-Lösungen angeschaut: besagtes Lexoffice, das sich als vorerst untermotorisiert erwies (man kann u.a. noch keinen Datev-Kontenrahmen nutzen und die Daten somit nicht einfach, wie gehabt, dem Steuerberater übergeben) sowie Scopevisio aus Bonn in der Smart Edition. Letzteres ist teurer, kann aber alles. In der Einführung versprach der Anbieter, ich könne meine Buchhaltung „einfach und sicher selbst erledigen – auch ohne Buchhaltungskenntnisse“.

Scopev1
Schön wär’s gewesen. Dumm nur: Das stimmt nicht. „Finger weg von Scopevisio, Kollegen!“ weiterlesen

Wer Freunde hat wie die C3S, braucht keine Feinde

Mal schauen, ob Beckedahl das stehen lässt (in einem Kommentar zu einem Kommentar zu einem Pro-C3S-Anti-Gema-Agitationsfilm):

…Irgendwie scheint es langweilig zu sein, sachlich oder gar konstruktiv zu kritisieren (zum Beispiel sollten alle Radiosender maschinenlesbare Playlists an die Gema schicken müssen, damit auch seltener gespielte Stücke fair vergütet werden). Es muss aber offenbar immer eine Anstaltspackung Demagogie mit rein. Wer so pubertär polemisiert und die Wirklichkeit verzerrt wie die anonymen CC-Urheber dieses Videos, der zeigt nur, für wie blöd und manipulierbar er seine Fans hält.

Ich stelle jetzt nur mal eine einzige, wirklich ernst gemeinte Frage:
Wie will es die C3S als Sammelbecken kleiner, kommerziell eher minder erfolgreicher Indie-Musiker denn anstellen, für ihre Mitglieder (über die ZPÜ oder in direkten Verhandlungen) bei den Geräte- und Speichermedienherstellern auch nur einen Cent mehr herauszuschlagen als die Gema heute?
Wenn mir jemand das plausibel erklären kann, bin ich ja vielleicht auch dafür. Ich seh’s nur nicht. Die Gema mag unbeliebt sein, aber sie ist so groß, dass sie von der zahlungspflichtigen Industrie (und den Sendern) ernst genommen wird. Wenn die Bitkoms dieser Welt etwas von Anti-Gema hören, klirren bei denen die Sektgläser. Divide et impera – spalte die Urheber und spare dir die Abgaben. Künstler leben doch von Luft und Liebe.

Feuerfuchs, ick hör dir trapsen

Welch ein Pathos, welch großes Kino steckt in der heutigen Pressemitteilung der Mozilla-Stiftung:

„Die Non-Profit-Organisation Mozilla legt die Macht des Web zurück in die Hände der Benutzer und verkündet heute die Einführung von Firefox OS und Firefox Marketplace.“

Wie passt das aber zusammen mit folgenden Aussagen?

„Wir geben mit unseren Mobiltelefon-Produkten Mobilfunkbetreibern, Telefonherstellern und Entwicklern die Möglichkeit, die Beziehung zu ihren Kunden direkt zu verwalten, anzupassen und zu besitzen.“

„Stärken Sie Kundenbeziehungen

Schaffen Sie Ihre eigenen, einzigartigen, auf Marken angepasste Bereiche von Firefox für Android und Firefox-Marketplace für ein einnehmenderes Benutzererlebnis und um die Sichtbarkeit Ihrer Marke zu erhöhen.“

 

„Schaffen Sie neue Werte für sich und Ihre Anwender

Nutzen Sie Dienstangebote wie Firefox-Marketplace und WebRTC, um neue, plattformunabhängige Angebote zu erschaffen und direkte Abrechnung der Kunden einzurichten.“

Feuerfux-Telekom

Das heißt doch: Mozilla nimmt Apple und Google die Macht über den Kunden aus der Hand und gibt sie Telefonica und der Telekom zurück.