Lieber ADAC, musst Du so klammern?

HandschellenNein, der ADAC macht sicher nicht alles falsch. Sonst wären nicht um die 18 Millionen Bürger dieses Landes Mitglied dieses Vereins geworden, der sich manchmal wie ein Konzern benimmt. Sonst wäre auch ich nicht seit 18 Jahren drin. Beispielhaft möchte ich die Fahrsicherheitstrainings auf seinen Übungsplätzen nennen. Die sind Klasse.

Aber der Club hat auch das Talent, sich unnötig unbeliebt zu machen. Er behandelt mich objektiv schlechter als einen Trunkenheitsfahrer, ja sogar schlechter als einen Verbrecher. „Lieber ADAC, musst Du so klammern?“ weiterlesen

Staatsanwälte als Verfassungsfeinde

Das ist ja der Hammer! Künftig werden Pressefotografen auf Demos wohl vorsorglich verprügelt oder ihre Kameras zerstört. Sie gelten dann ja als potenzielles Auge des Gesetzes, äh, Auge der gesetzlosen Verfassungsfeinde im Staatsdienst, die sich für Juristen halten, aber weder das Grundgesetz kennen noch denken können.

Kress meldet heute:

Zeitungsverleger kritisieren Polizeieinsatz:
Razzien bei Pressefotografen „völlig inakzeptabel“

Zehn Monate nach der Attacke auf einen Polizisten bei der Blockupy-Demonstration in Frankfurt sind an diesem Mittwoch bundesweit Pressefotografen-Wohnungen durchsucht worden. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ist nach eigenen Angaben auf der Suche nach Beweismaterial gegen die unbekannten Angreifer. Je eine Wohnung in Frankfurt, Baden-Württemberg, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sowie sechs Wohnungen in Berlin wurden durchsucht. Die betroffenen Fotografen habe man dabei als unverdächtig eingestuft, sie könnten aber eine Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Einsatzkräften im Bild festgehalten haben.

Made in the World? Vorsicht!

Die OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) hat sich mit der Welt(frei)handelsorganisation WTO zusammengetan, um die klassischen Außenhandelsbilanzen der Staaten transparenter zu machen. An sich ein löbliches Ziel: Zur Wertschöpfung vieler (technischer) Produkte tragen mehrere Volkswirtschaften bei. Nach außen hin tritt aber meist nur ein Land aus der Kette in Erscheinung – entweder das, in dem das Unternehmen sitzt, oder das, in dem die Endmontage stattfindet. Die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit herauszustellen, könnte also die im Schatten stehenden Länder ins gebührende Licht rücken und der Völkerverständigung dienen.

Das Motto „Made in the World“ ist sicherlich gut gemeint, aber es ist gefährlich. Das lehrt das Beispiel von „Made in the EU“: Das Label diente der Industrie nur dazu, zu kaschieren, dass sie die Produktion in Niedriglohnländer im Osten ausgelagert hatte. Der Verbraucher hat dann nicht mehr, sondern weniger Transparenz. Seine Entscheidungsfreiheit wird eingeschränkt, ohne dass die Arbeiter in den bisher benachteiligten Volkswirtschaften davon etwas hätten (und sei es nur Aufmerksamkeit).

Wenn wir ein Bewusstsein dafür entwickeln wollen, dass alle Nationen sich eine Welt teilen und dass gemeinschaftliches Handeln besser ist als nationalistisches, darf „Made in the World“ nicht als pseudo-politischkorrektes Herkunftsetikett missbraucht werden. Auf die Ware gehören klare Angaben – auch wenn die Labels dadurch länger werden. Die Käufer sollen sehen, wie wenig Reisbauern, Kaffeepflücker, pakistanische Näherinnen oder chinesische Fabrikarbeiterinnen an der Gesamtwertschöpfung partizipieren und in welchen Ländern das Gros des Kaufpreises landet.

Akkordcontent

Werden Studentenjobs auch heute noch in Papierform ans Schwarze Brett gepinnt? Scheint so. Und der Stundenlohn ist kaufkraftbereinigt auch bestenfalls frühe Achtziger: 8 Euro.

Moment mal: Stundenlohn? Stimmt gar nicht. Es ist ja ein Stücklohn für Leute, die es schaffen, Stunde für Stunde 300 Wörter rauszuwürgen. Mit Cut&Paste geht deutlich mehr, ohne Cut&Paste ist das unmöglich, jedenfalls wenn man selbst recherchieren und diesen Ausstoß kontinuierlich erbringen muss, um auf das avisierte studentische Zubrot von 400 Euro zu kommen.

Natürlich geht es nicht um Journalismus, nur um Content-Massenproduktion im Akkord. Leider verstopft der Infomüll, der bei so prekären Produktionsbedingungen zwangsläufig entsteht, die Suchmaschinen, und er verführt die Dumpfnasen, die auf solche Jobangebote hereinfallen, dazu, sich das Zeug im Web zusammenzuklauen, vielleicht bei Bloggern, womöglich auch bei Profi-Journalistinnen.

Das Gute ist: Man braucht den Jungunternehmer, der sich mit so einer antisozialen Geschäftsidee unter dem poststalinistischen Namen „Kombinat für digitale Medien UG“ selbständig gemacht hat… „Akkordcontent“ weiterlesen

Abschied von der Froitzelei

Die neue Technology Review ist draußen – und damit die letzte Folge meiner seit November 2006 laufenden Kolumne „Froitzeleien“. Ab März wird es am alten Platz im Heft ein neues Format geben, auf das ich sehr gespannt bin. Wer weiß, vielleicht kann ich dazu auch mal etwas beitragen. Im Moment zweifle ich da noch etwas an meinem Talent.

Wer alte Kolumnen nachlesen möchte: Hier sind sie. Die noch fehlenden Ausgaben der letzten Monate stelle ich in den nächsten Tagen online. (Die Abschiedsnummer folgt natürlich erst dann, wenn das Februar-Heft nicht mehr am Kiosk liegt.)

P.S.: Ich möchte nicht versäumen, mich bei meinem kongenialen Illustrator Matthias Hütter für die gute Zusammenarbeit zu bedanken.