Wie viel ist 1000-mal weniger?

Diese Frage richtet sich stellvertretend an Dr. med. Werner Bartens vom Wissenschaftsressort der Süddeutschen. Der Kollege sollte es wissen, er schreibt von Phänomenen wie der Senkung des Krankheitsrisikos um das 1000-fache.

Ich mit meinen bescheidenen Mathematikkenntnissen steige beim Anblick solcher Formulierungen regelmäßig aus. Für mich ist das 10-fache eine Steigerung um 900 Prozent, das 100-fache eine solche um 9900 Prozent, das 1000-fache gar eine um 99900 Prozent. Bei einer Steigerung um das 1000-fache wiederum bekomme ich 1+1000=1001 mal 100 Prozent, also 100100 Prozent des Ausgangswerts. Soweit noch alles klar?

Wenn ich nun einen Wert um sein 1000-faches, mithin um 100000 Prozent senke, lande ich bei 100000-100 = 99900 Prozent. Wenn das möglich ist, gibt es offensichtlich etwas besseres als das so genannte Nullrisiko, welches man bei bereits einer unspektakulären Senkung des Risikos um das Einfache alias 100 Prozent erreicht: ein Negativrisiko, also eine Chance. Um ein 100-prozentiges Risiko in eine 100-prozentige Chance zu verwandeln, reicht es „Wie viel ist 1000-mal weniger?“ weiterlesen

Was wusste ich über Jobs, das Isaacson noch nicht wusste?

Walter Isaacsons Steve-Jobs-Biografie hatte ich mir nicht geleistet, weil mir das nach dem Tod des Apple-Gründers nicht mehr wichtig war. Jetzt habe ich einen Hinweis darauf entdeckt, dass der Autor (der im Gegensatz zu mir persönlichen Zugang zu Jobs hatte) ein von mir kalt* geschriebenes Jobs-Porträt als Quelle verwendet haben soll – und zwar entnehme ich dies einer Website, die mir wie ein digitaler Raubdruck erscheint. Falls hier jemand das Original hat: Könnten Sie bitte mal im Quellenverzeichnis nachschauen? Laut der Schwarzkopie hätte Isaacson das Medium (die „Capital“) nicht erwähnt; statt dessen steht dort das Ressort („Unternehmen“).

Ich bin da einfach neugierig. Hätte Isaacson mich angemailt, hätte ich ihm natürlich verraten, wo ich meine Information gefunden hatte – in seinem Heimatland USA.

* „Kalt“ heißt vom Schreibtisch aus, also per Telefon und Internet recherchiert. So muss man leider arbeiten, wenn der zu Porträtierende für Journalisten keine Zeit und/oder die Redaktion für große Reisen kein Budget hat.

„Scuffgate“: Handelsblättler greifen ins Water-Loo

Kollege Niggemeier nervt zwar manchmal, aber nicht selten hat er Recht. Neulich sprach er mir wieder mal aus der Seele mit diesem Medienlexikon zum Thema „gate“. Irgendwie hat es sich eingebürgert, bei Pannen, Peinlichkeiten und Skandalen jeder Art ein Schlagwort mit dem Pseudo-Suffix „gate“ zu bilden, und Stefan Niggemeier weist dankenswerterweise darauf hin, dass es sich beim Namensgeber keineswegs um einen Wasserskandal handelte. „Watergate“ bedeutet in der Tat einfach nur „Schleuse“; das Watergate-Hotel hätte in Old Europe „Hotel zur Schleuse“ geheißen.

Diesen Fingerzeig haben die Kollegen vom Handelsblatt leider übersehen. Sie plappern nämlich das Wort „Scuffgate“ nach. Wollte man Scuffgate übersetzen, käme dabei das dadaistische Wort „Wetzgatter“ heraus.

Wer solchermaßen vor der Sprache kapituliert, von dem kann man sagen, er erlebe sein Waterloo. Kürzen wir analog zu Watergate das Water weg, bleibt ein trockengelegtes „Loo“. Und das heißt auf Deutsch schlicht und ergreifend „Klo“.

Nicht unpassend für einen linguistischen Griff in dasselbe.

Visuelle Legasthenie…

…nennt Hans-Eberhard Hess, langjähriger Jury-Chef von Pressefoto Bayern, die Manie von Redakteuren, ihre Zeitungsartikel mit irgendwelchen Fotos zu dekorieren.

Ein schönes Beispiel dafür lieferte gestern die SZ unter der Headline „Bezahlen für Bayern“:

 

So hatte Berlins parteiloser Finanzsenator Ulrich Nußbaum darüber geklagt, dass „die Berliner über ihre Stromrechnungen 370 Millionen Euro zur Förderung erneuerbarer Energien“ bezahlen und somit „Solaranlagen in Bayern subventionieren“ müssten, „die Hauptstadt erhalte im Gegenzug nur 25 Millionen Euro aus der Energieförderung“. Nur geht das aber den Finanzsenator überhaupt nichts an. „Visuelle Legasthenie…“ weiterlesen

Eine Rüge für den Presserat

Paul-Josef Raue, einst Mitglied der Gründungsredaktion des brand eins-Vorläufers Econy, befasst sich in seinem Blog mit der Auseinandersetzung zwischen brand eins und dem Presserat. Er fordert eine Reform des Selbstkontrollorgans.

Ich sehe das ähnlich. Da ich gute Kontakte in beiden Richtungen unterhalte (ich schreibe nicht nur für brand eins, sondern habe auf -zig DJV-Verbandstagen Kolleginnen und Kollegen mit in den Presserat gewählt), war ich schon etwas fassungslos, als ich von dieser ziemlich abwegigen Rüge erfuhr.

Hier mein Kommentar in Paul-Josef Raues Blog:  „Eine Rüge für den Presserat“ weiterlesen