Rechnung an den Steuerzahler

Wenn’s drauf ankommt, verlassen sich die Entwickler neuer Technologien jedoch sehr gern auf die Politik – als ultimative Versicherung gegen unternehmerische Risiken. Das kann üble Folgen haben – nicht nur für die Steuerzahler, auch für die Firmen selbst.

George W. Bush hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass man ihn einmal in die linke Ecke stellen würde. „Lemon Socialism“ sei es, wie die US-Regierung auf die 2007 ins Rollen geratene Finanz- und Wirtschaftskrise reagiert habe, ätzten Kommentatoren – also eine vermurkste quasi-sozialistische Politik, mit der die Kosten unternehmerischen Übermuts der Gesellschaft aufgehalst werden. Bushs Finanzminister Henry Paulson und die US-Notenbank retteten Banken, Hypothekenkassen und Versicherungen, weil sie ihnen zu wichtig schienen, um sie kaputtgehen zu lassen. Die Europäer verfuhren nach dem gleichen Muster, etwa Deutschland mit seinem Rettungspaket im Wert einer halben Billion Euro für Hypo Real Estate und Co. „Rechnung an den Steuerzahler“ weiterlesen

STATIONEN EINER KARRIERE

Thomas G. Müller – der junge Kopf hinter der DFJV AG

Er ist Alleingeschäftsführer der Alleinaktionärin sowie Alleinvorstand des stillen Trägervereins. Diese Konstruktion macht den 33-jährigen Thomas G. Müller zur personifizierten Hauptversammlung der AG – zur wichtigsten Figur des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes AG (DFJV).

Noch vor seinem Abitur 1997 versucht sich Müller als Verleger des Jugendmagazins Esprit, bekommt aber Ärger wegen der Namensrechte. Als Mitschüler von ihm den DFJV-Vorläufer AJM gründen, ist sein Kleinverlag ist als Mitglied dabei. 1998 gründet Müller die Agentur MKM. Als Partner mit an Bord ist sein Mentor Torsten Witt, Gründer der Schüler-Verbindung Borussia, Mitglied der Landsmannschaft Thuringia und Mitarbeiter der Jungen Freiheit. Als Firmensitz der MKM dient „STATIONEN EINER KARRIERE“ weiterlesen

DIE GELDMASCHINE

Die Deutscher Fachjournalisten-Verband AG betreibt ein florierendes Geschäft. Die Firma im Gewand eines Berufsverbands erwirtschaftet unter anderem mit Presseausweisen ordentlich Rendite. Dabei ist die AG ein undurchsichtiges Gebilde. Selbst die Gründung des Unternehmens, das aus einem Verein hervorging, ist ominös. Zentrale Figur in dem komplizierten Firmengeflecht ist Thomas G. Müller. Der versucht mit dem Deutschen Medienverband jetzt noch eine zweite Marke im Presseausweisgeschäft zu etablieren.

Ob digital oder analog – der erste Eindruck ist blendend. Der Webauftritt ist elegant, die Broschüren beweisen Geschmack, das Signet Deutscher Fachjournalisten Verband wirkt seriös. Jedes Jahr im Herbst erfährt die Selbstdarstellung der Berliner „Berufsorganisation für Journalisten“ ihren Höhepunkt mit dem Deutschen Fachjournalisten-Kongress (diese Information ist überholt; seit 2011 gibt es den Kongress nicht mehr). Prominente Medienmenschen und Professoren treten hier auf, Chefredakteure und Kommunikationswissenschaftler fühlen sich meist geehrt, wenn sie auf ein Podium gebeten werden. Mancher fragt nicht einmal nach einem Honorar. Wer würde schon einem Fachverband die Vereinskasse plündern wollen?

In Wahrheit gibt es für Zurückhaltung keinen Grund. Selbst für satte Gagenforderungen wäre genug Geld da. „DIE GELDMASCHINE“ weiterlesen

Bin ich denn blöd?

Vorsicht: Jetzt kommt das schlaue Zuhause, das Energiesparen zur Wissenschaft macht.

Der Energieriese, der bei uns früher das Strommonopol hatte, kann sich nur schwer mit unserer Dummheit abfinden. Wir waren eines Tages so töricht, zu kündigen und unsere Elektrizität bei einem dieser regionalen Energiezwerge mit Hang zu Naturstrom zu bestellen. Obwohl uns hätte eigentlich klar sein müssen, dass so einer uns keine technologische Brücke in eine Zukunft bauen kann, in der es keine Kernreaktoren mehr gibt. Allein schon, weil er jeden Euro in grüne Kraftwerke steckt anstatt in grüne Imagekampagnen. Da der liebe Gott gerade nicht genug Hirn vorrätig hatte, das er auf uns hätte herniederwerfen können, hat sich der Energieriese nun höchstselbst unser erbarmt „Bin ich denn blöd?“ weiterlesen

Nicht ohne einen Cent

Am Handy hängt, zum Handy drängt doch alles. Nur zum Geldbeutel-Ersatz will es partout nicht werden.

Es gibt eine Drogeriemarkt-Kette, die ist den Euro nicht wert, denn sie ehrt den Cent nicht. Die Läden, deren Name an unsere frühere Währung erinnert, ignorieren sogar die Zwei-Cent-Münze. Sämtliche Preise enden deshalb nicht – wie es sich anständigerweise gehört – auf eine Neun, sondern auf eine alberne Fünf. Dahinter steckt schiere Faulheit: Über die Jahre sparen Kassiererinnen Tage und Kunden Stunden, weil das Münzenzählen reduziert wird.

Die Deutsche Bundesbank findet diese schnöde Rationalisiererdenke wohl auch noch toll. Sie verteuert jedenfalls jetzt die Münzrollen dermaßen, dass Aldi, Edeka und Lidl künftig für jeden Cent Wechselgeld, den sie sich liefern lassen, drei Cent bezahlen müssen. Damit drohen uns Centfuchsern in Sachen Zahlungskultur Zustände wie in Finnland oder der Schweiz. „Nicht ohne einen Cent“ weiterlesen