Das Web ist wunderbar. Man surft aus einem ganz anderen Grund, landet bei den Freischreibern – und findet buchstäblich zu sich.
DOKTOR A.D.
Was die Akademiker dieser Republik brauchen, ist ein zeitgemäßer Weg zum Titel: innovativ, kreativ und googlesicher.
Wer auf linke Meinungen allergisch reagiert, sollte lieber nicht weiterlesen. Jedenfalls nicht, wenn er „links“ so definiert, wie es sich in den vergangenen Wochen in Foren und auf Leserbriefseiten eingebürgert hat. „DOKTOR A.D.“ weiterlesen
Kein Wort ohne Tasten
Telefonieren ist out, nicht nur bei Handyfans. Wir reden jetzt schriftlich miteinander – und vertrödeln so unser Leben.
Warum haben die Leute Angst vor mir? Wieso will keiner mit mir reden? Ich bin doch ein umgänglicher Mensch, verhökere keine Staubsauger oder Finanzprodukte und gebe mich auch nie als Marktforscher aus. Ja, ich nenne am Telefon sogar meinen Namen! Meine furchterregendste Angewohnheit ist die, dass ich Fernmelde-Endgeräte benutze, um anderen Menschen Informationen zu entlocken. Wenn ich etwas wissen will von einem, befiehlt mir eine innere Stimme: „Ruf‘ doch mal an!“
Natürlich weiß ich, dass sich mein Betragen nicht mehr ziemt. Seine Mitmenschen mit Anrufen zu stören, etwa beim meditativen Überfliegen ihrer Facebook-Nachrichten, verursacht nicht nur Stress, sondern ist „so was von Achtzigerjahre“. „Kein Wort ohne Tasten“ weiterlesen
Beherrschen Sie sich!
Wer nichts Böses tut, hat nichts zu befürchten – vom Big Brother in der Nachbarschaft.
Kätzchen sind süß, solange sie klein und die eigenen sind. Nachbars Katzen sind lästige Biester. Dreist erobern sie fremde Gärten, jagen Vögel, erschrecken die Stallhasen, provozieren den braven Hund, verkratzen mit ihren Krallen die Balkonpfosten und hinterlassen auch noch unliebsame Signaturen in den Beeten. Da darf man doch schon mal handgreiflich werden, nicht wahr? Mary Elizabeth B., Bankkassiererin aus Coventry, hat es gewagt. Hat die Gelegenheit in Gestalt der arglosen Nachbarskatze Lola kurzentschlossen am Schopf gepackt und das perplexe Tier in einer am Straßen- rand stehenden Mülltonne versenkt. Soll das blöde Vieh doch auf der Deponie Ratten fangen!
Kampf der Konzepte
Politik, Wirtschaft und Gesellschaft tun sich schwer, langfristig und vernetzt zu denken. Daran führt aber kein Weg mehr vorbei: Die Klimaziele des Energiekonzepts für Deutschland sind bis 2050 nur zu erreichen, wenn alles ineinandergreift – und die Strom konzerne sich neu erfinden.
Jean-Rémy von Matt hatte das Agressionspotenzial unterschätzt, das der kleine Trickfilm „Der Energieriese“ freisetzen würde. Der von der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt für den RWE-Konzern gedrehte Image-Spot, der im Kino wie auch im TV und im Web lief, enthielt die gleichen harmlosen Zutaten wie ein „Shrek“-Film: idyllische Landschaftskulissen, eingängige Musik und ein liebenswertes Monster, eben der Energieriese.
httpv://youtu.be/OKZ9vswrmjw
Ein paar Monate später, im November 2009, brannte das Auto des prominenten Unternehmers. Angezündet hatten es die selben Leute, die in jener Nacht mit schwarzer Farbe gefüllte Gläser gegen die Fassade des Hauses von Fritz Vahrenholt schmetterten, dem RWE-Manager für Erneuerbare Energien. Ein Bekennerbrief ließ keinen Zweifel aufkommen, dass die Täter dem Agenturchef und dem Ex-Umweltsenator einen Denkzettel verpassen wollten, weil diese sich für etwas hergegeben hätten, das in Umweltschützerkreisen als „Greenwashing“ bekannt ist. Grünfärberei.


