Grins, Rübe!

Auch gekünsteltes Lächeln hebt die Stimmung. Also vorwärts: Fixieren wir unsere Mundwinkel!

Sind Sie mies drauf heute? Spaziert gerade irgendeine Laus über Ihre Leber? Will der Chef Sie dringend sehen, und Sie wissen nur zu genau, warum? Dann ist es höchste Zeit, dass Sie Ihren Browser öffnen und „Tara Kraft University Kansas“ in Googles Bildsuche eintippen. Sie erblicken nämlich nicht nur das lächelnde Gesicht der Doktorandin Tara Kraft, sondern eine ganze Fotogalerie voller strahlender junger Frauen, freundlicher Münder mit zahnpastareklametauglichen Zähnchen und lustiger Smileys. Auch Ihre Mundwinkel werden sich spontan nach oben biegen. Dass dies Ihnen gut tun wird, ist jetzt wissenschaftlich erwiesen. (Achten Sie lieber nicht auf die einzelnen Herren, die sich unter die Suchergebnisse verirrt haben: Die üben noch, nett auszusehen.)

Ich hatte noch nicht das Vergnügen, Miss Kraft persönlich zu treffen. „Grins, Rübe!“ weiterlesen

Wurmloch als Ölpipeline

Uns geht das Erdöl aus? Macht nichts. Es gibt bald Nachschub aus der interstellaren Cloud.

Sie kennen bestimmt das Bild vom Pferdekopfnebel. Das ist diese schwarz wabernde Wolke vor einem rot schimmernden Sternenhimmel, die aussieht wie von einem Posterdesigner per Airbrush hinfantasiert. Da das Kunstwerk aber von der erzseriösen Europäischen Südsternwarte stammt, die dafür Daten des Weltraumteleskops Hubble aufbereitet hat, dürfen wir getrost darauf vertrauen, dass es dort hinten im Sternbild Orion ziemlich exakt so aussieht. Oder vor Kurzem so ausgesehen hat: Das Licht, das heute hier ankommt, hat sich auf den Weg gemacht, als das Frühmittelalter gerade die Spätantike ablöste. Gemessen am Zeithorizont der Astronomen ist das fast eine Live-Aufnahme.

Fans von Harald Lesch, dem TV-Stand-up-Comedian unter Deutschlands Weltraumforschern, „Wurmloch als Ölpipeline“ weiterlesen

Vielsagendes Schweigen

So sieht die Zukunft der Kommunikation aus: Sie bringen keinen Ton raus und ich verstehe trotzdem jedes Wort.

Ach, wie schön wäre es, wenn Enten nur noch in der Bratröhre landeten und nie in der Zeitung. Aber irgendwann passiert es eben doch. Dann liest das erstaunte Publikum im Focus, Markus Lanz werfe dem RTL-Supertalent Thomas Gottschalk vor, „Wetten dass…?“ schaden zu wollen. Zum Glück hatten die Focus-Redakteure Lanz das Zitat nicht selbst untergejubelt. Es war eine unausgeschlafene Fachkraft aus der ZDF-Pressestelle, die beim „Autorisieren“ der Moderatorenworte den Überblick verloren hatte. Profis unter den Promis geben nämlich nur noch Interviews, wenn ihre PR-Gouvernanten die manchmal etwas krausen Antworten glattbügeln dürfen.

Warum, fragen Sie jetzt sicher, druckt die Presse nicht einfach, was der Befragte wirklich gestammelt hat? „Vielsagendes Schweigen“ weiterlesen

Irre Möglichkeiten

Computer zu hacken ist out? Macht nichts. Hacken Sie Gene. Das Equipment gibt’s bei eBay.

Biologie war nie mein Fach an der Schule. Das lag eindeutig an Minna. So nannten wir Wilhelmine W., eine extradröge Oberstudienrätin, neben der uns jede Klosterschwester als heißer Feger erschienen wäre. Niemand in der Klasse hätte daran gezweifelt, dass das „Fräulein W.“, wie das lebende Fossil beliebte sich anreden zu lassen, sein Genetikwissen zu Kaiser Willems Zeit erworben hatte, wenn nicht sogar direkt aus dem Mund des alten Gregor Mendel. Der war ja gerade erst 90 Jahre tot.

Heute ist mir klar, dass es an Deutschlands höheren Lehranstalten jahrzehntelang von Minnas nur so gewimmelt haben muss. „Irre Möglichkeiten“ weiterlesen

Mach‘ Liebe, keinen Korea-Krieg!

Apple-Chef Cook sollte sich auf die Hippie-Wurzeln der Firma besinnen – und Samsung die andere Wange hinhalten.

Tote können sich nicht wehren. Deshalb mahnte der griechische Gelehrte Cheilon von Lakedemonien, es möge seine böse Zunge bändigen, wer über einen Verblichenen spricht. Walter Isaacson, offizieller Biograf des 2011 dahingeschiedenen Steve Jobs, ist frei von solchen Hemmungen. Der amerikanische Journalist posaunte bekanntlich aus, Apples Oberhaupt hätte „den letzten Penny“ aus seiner mit 40 Milliarden Dollar gefüllten Kriegskasse gerne dafür gegeben, Googles Anti-iPhone-Software Android mit einem – Zitat – „thermonuklearen“ Angriff ausradieren zu können. Das soll Steve Jobs gesagt haben? Derselbe Steven Paul Jobs, der der sich im Hippie-Alter weigerte, Tiere zu essen und aus der Haut fuhr, wenn auch nur ein falsches Wort seine Firma verließ? Mein Gott, Walter: Wenn Sie sich das Zitat nicht aus den Fingern gesogen haben, um die Auflage Ihres Buchs zu pushen, muss der Verstand dieses Genies schon von Metastasen zerfressen gewesen sein.

Reden wir lieber über Nachfolger Tim Cook, über ihn darf man herziehen. Das sollte man auch, „Mach‘ Liebe, keinen Korea-Krieg!“ weiterlesen