Wie eine fusselige Technik versprach, die Welt zu verändern

Titelgeschichte highTech 11/1990

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Entfesselte Querdenker

Seit Generationen kennen deutsche Ingenieure nur ein Ziel: technische Perfektion durch immer genaueres Messen, Steuern und Regeln. Jetzt bringt Fuzzy Logic den größten Stolz – und möglicherweise auch wichtige Märkte – unserer Industrie ins Wanken. Neue Geräte aus Japan arbeiten mit groben Daten viel billiger und besser.

Zweifall ist nicht jedermanns Fall – ein kleines, verträumtes Nest in der Nordeifel, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wo ein Ausflug in die Kaiserstadt Aachen schon den Touch von großer, weiter Welt vermittelt. Wenn da nicht das Sporthotel zum Walde wäre: unprätentiös, bieder, umgeben von fast trügerischer Ruhe – ein idealer Tagungsort für Leute, die Kongresse nicht der Gaudi halber frequentieren. In diesem scheinbaren Hort gepflegter Langeweile infiziert der Aachener Betriebswirtschaftsprofessor Hans-Jürgen Zimmermann regelmäßig technische Führungskräfte aus der deutschen Industrie mit revolutionärem Gedankengut – in der Hoffnung, dass die neuen Ideen bald auch in den Betrieben grassieren, die ihre Damen und Herren zwei Wochen lang hierher in den Wald geschickt haben. Das japanische Fuzzy-Fieber hat Deutschland erreicht, Zweifall ist der heißeste Infektionsherd. „Wie eine fusselige Technik versprach, die Welt zu verändern“ weiterlesen

Wie sich „Mr. Chip“ Erich Lejeune selbst öffentlich bloßstellte

Der folgende Text entstand vor über 20 Jahren, im Herbst 1990. Aufhänger war das Buch »Mr. Chip«, das sich Erich J. Lejeune gerade hatte geistschreiben lassen. Wer wissen möchte, was aus dem Mann geworden ist, kann das in einem Portrait nachlesen, das am am 28. Februar 2012 in der Süddeutschen Zeitung erschien – weil der Unternehmer einen Philosophie-Lehrstuhl sponsert. Der SZ-Redakteur verlegt darin allerdings irrtümlich den Erscheinungstermin des Buchs in die Zeit des Börsengangs seiner CE Consumer Electronic AG, also ins Jahr 1998. Da hatte »Mr. Chip« längst die Remissions- und Wühltischphase hinter sich. In Amazon-Shops kann man das Werk noch antiquarisch erstehen – als Taschenbuchausgabe von 2001, für einen Cent plus unverschämtes Porto. 

Lust am eigenen ICH

aus highTech 10/1990

Er ist der bunte Hund der Elektronikbranche. Mit missionarischem Eifer wettert er gegen die Schlafmützigkeit deutscher Technokraten, gegen die wirklich Großen seiner Branche und den Technologieminister in Bonn. Jetzt macht sich Chip-Großhändler Erich J. Lejeune selbst unmöglich – als Autor eines egozentrischen Buches.

TV-Talkmaster Geert Müller-Gerbes buddelt ellbogentief in der Komplimentenkiste. Ein Vergleich mit dem internationalen Bestseller des Chrysler-Bosses Lee »lacocca wäre sicherlich nicht zu hoch gegriffen«, schwärmt der Publikumsliebling der RTL-plus-Zuschauer von dem neuen Buch »Mr. Chip – eine deutsche Karriere«. Dabei sei der so gepriesene Starautor »ein Mann, den man noch nicht kennt«.

Damit dieser ungeheuerliche Missstand möglichst rasch behoben wird, hat der Bergisch Gladbacher Verleger Gustav Lübbe (»Jerry Cotton«) keinen Geringeren als eben Müller-Gerbes engagiert – zwecks Moderation eines Videoclips, der auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober für die spektakuläre Neuerscheinung werben soll. In einer flankierenden Maßnahme führt das »Goldene Blatt«, der Herz-und-Kronen-Titel aus Lübbes Zeitschriftenverlag Bastei, den Noch-Nobody bei seinen Leser(inne)n als Topmanager ein – zwischen Prominenten wie Willy Millowitsch, Konsul Weyer, Roberto Blanco und Helmut Kohl: Erich J. Lejeune aus München alias »Mr. Chip« kommentiert den WM-Erfolg der deutschen Fußball-Nationalelf. „Wie sich „Mr. Chip“ Erich Lejeune selbst öffentlich bloßstellte“ weiterlesen

Womit Portland/Oregon Silicon-Valley-Flüchtlinge anlockte

Viel Holz für Paralleles

highTech 7/1990

Mit vereinten Kräften versuchen Wirtschaft und Politik aus dem dünn besiedelten US-Staat Oregon den Nabel der Welt zu machen – wenigstens für die Zunft der Parallelcomputer-Experten. Aber auch Biotech-Gründer entdecken jetzt die waldreiche Region.

In einer Stadt wie Seattle hätte der Politiker Neil Goldschmidt absolut schlechte Karten. Einen wie ihn, der sich in den Kopf gesetzt hat, Kalifornien im Wettstreit um High-Tech-Firmenansiedlungen herauszufordern, würden sie hier glatt verjagen. Denn den Alteingesessenen sind es schon viel zu viele Zuzügler, die von internationalen Technologiekonzernen wie Boeing oder Microsoft aus dem Süden in diese einstmals ruhige Gegend gelockt worden sind.

Doch Goldschmidt, vormals Manager bei der Sportschuhfirma Nike Inc., hat sich das passende Terrain für die Entfaltung seiner Talente ausgesucht. Nur drei Autostunden weiter südlich, im adretten Portland, ist das politische Klima freundlicher, sind Silicon-Valley-Flüchtlinge gern gesehen. „Womit Portland/Oregon Silicon-Valley-Flüchtlinge anlockte“ weiterlesen

Warum im IBM-Rechenzentrum fast jemand hätte ertrinken können

Attacken aus Armonk

aus highTech 5/1990

Drastische Gewinneinbrüche zwingen den US-Computerriesen IBM zum Abholzen alter Unternehmensstrategien. Mit einem Geflecht weltweiter Kooperationen und einer technologischen Großoffensive will der Konzern jetzt den Anschluss an die Zukunft sichern.

Ertrunken ist zum Glück niemand. Das war aber auch die einzige Nachricht, mit der sich die Großrechnerspezialisten der IBM nach diesem Malheur noch trösten konnten. Ansonsten standen sämtliche Mitarbeiter des regionalen Hauptquartiers in Los Angeles an diesem Januarfreitag des Jahres 1990 da wie begossene Pudel. Ein Schwall von 150 Kubikmetern Wasser hatte nach einem Rohrbruch vier von der IBM genutzte Büroetagen in dem 45stöckigen Wolkenkratzer überflutet. Das Peinliche daran für den größten Computerhersteller der Welt: Die Überschwemmung war auf die vorsintflutliche Klimatisierung der hauseigenen Rechner zurückzuführen, denn die Maschinen werden – wie zu Pionierzeiten der EDV-Industrie – noch immer mit Leitungswasser gekühlt.

Auch ohne den Rohrbruch von L.A. steht den Topmanagern von IBMs Amerika-Division derzeit das Wasser bis zum Hals. „Warum im IBM-Rechenzentrum fast jemand hätte ertrinken können“ weiterlesen

Warum Medizintechnik vor 20 Jahren Hoffnung machte

Titelgeschichte highTech 2/1990

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Operation Krankenhaus

Hinter den Mauern altehrwürdiger Krankenanstalten wird derzeit kräftig aufgeräumt. Die Integration von modernster Informations- und Medizintechnik soll nicht nur den Patienten zugute kommen, sondern auch dem Hospital 2000 zur Wirtschaftlichkeit verhelfen. „Warum Medizintechnik vor 20 Jahren Hoffnung machte“ weiterlesen