Ganz sicher bin ich mir nicht, aber es müsste die Neue Ruhr Zeitung (NRZ) gewesen sein. Die WAZ hatte, wenn ich mich recht entsinne, ein anderes Layout.


Journalismus unter Druck
Ganz sicher bin ich mir nicht, aber es müsste die Neue Ruhr Zeitung (NRZ) gewesen sein. Die WAZ hatte, wenn ich mich recht entsinne, ein anderes Layout.

Wolfgang Blau mag für die Briten einer von diesen „Krauts“ sein, und wir freien Journalisten sind für manchen arroganten Gehaltsempfänger vielleicht auch Krauter. Die Twitter-Assoziationsmaschine fasst das wie folgt zusammen:

Die Rechtschreibspezialisten aus Dusseldörf haben wieder zugeschlagen. Schreib wie du sprichst. Man sagt Bo-ing, nicht Bö-ing. Na also.

Thomas Koch, Grandseigneur emeritus der deutschen Mediaplaner, „Mr. Media“ der w&v und ein besserer Kenner des Zeitschriftenhandwerks als die allermeisten Chefredakteure, teilt sehr zu recht aus. Eigentlich müsste man den ganzen Text mit dem Textmarker hervorheben, denn jedes Wort ist wahr und klug, richtig und wichtig.
Ich beginne das Zitat mit der Stelle, wo er aus dem Mut der Verzweiflung geborene suizidale Blödheit geißelt:
„Ganz Mutige – wie ein Großverlag in Hamburg – bemühen sich nicht einmal mehr, ihr Angebot zu verschlüsseln: Für zwei bis drei Anzeigenseiten gibt es eine redaktionelle Seite gratis. Basta.
Wenn diese Zeitschriften eingehen, werden wir ihnen nicht nachtrauern. Ich würde nicht einmal auf ihre Beerdigung gehen.
Aus Verlagen werden Fliesenleger
Das sind keine Verlage mehr. Denn Verlag kommt von Verlegen. Verleger waren früher Journalisten, die ihre redaktionelle Hoheit beschützten wie Jeanne d’Arc die Freiheit. Heute sind sie wie Fliesenleger, die schwarz arbeiten – ohne Mehrwertsteuer und ohne Qualitätsversprechen. Ihnen fehlt sogar die strategische Intelligenz zu begreifen, dass sie mit dem Geschäft „Redaktion gegen Anzeigen“ ihre wertvollsten Leser verlieren: Die einzigen, die sie in Zukunft noch zu Werbeerlösen machen könnten. Alle anderen Leser sind billig zu haben – bei den bekannten Gammel-Medien an jeder Straßenecke.“
Diesen Absatz fette ich aber jetzt wirklich, weil er mich stolz macht, schon Anfang 1998 erkannt zu haben, dass da im fernen Hamburg eine Chefredakteurin sitzt, die man eigentlich sofort klonen müsste.
„Der letzte Ausweg wäre für manche Verleger ein einstündiges Seminar bei einer in diesen Fragen fachkundigen Expertin, zum Beispiel bei Gabriele Fischer von „Brand eins“. Sie kann trefflich referieren über Positionierung, über Differenzierung, wie man den unmoralischen Rabattforderungen der Agenturen begegnet, über Nachhaltigkeit. Rechnen Sie bitte damit, dass sie ein moderates Honorar verlangt.“
Nicht zu fassen: Die obige rhetorische Frage stellt das Zürcher Gottlieb-Duttweiler-Institut in seiner an die Presse gerichteten Einladung zur 63. Internationalen Handelstagung.
„Obst, Gemüse und Milchprodukte eignen sich … nicht gut für den Verkauf übers Internet,“ ist in dem Text zwar sehr richtig zu lesen, doch dann geht es so weiter: „Aber bleibt es dabei, wenn die Bestellung immer bequemer, die Lieferung immer flexibler und das Angebot immer grösser wird? Wenn Kühlschränke online sind und Bestellungen abschicken? Ist es nur eine Frage der Zeit und der Gewöhnung, bis wir im Internet unser Essen einkaufen?“
Hier die definitive und ultimative Antwort:
Ich erkläre seit 14 Jahren immer wieder, warum auch der intelligenteste Sensor-Kühlschrank nicht ahnen kann, was ich wann essen und trinken will, ja warum er nicht einmal seinen Inhalt kennen kann. Aber das ist gar nicht der große Knackpunkt. Man könnte ja auch Lieferdienste aufbauen, bei denen der Mensch selbst bestellt. Auch sie sind aber reihenweise gescheitert. Die Sache ist zu personalaufwendig, und die Logistik funktioniert nicht. Essen auf Rädern setzt voraus, dass die Empfänger zu Hause sind, wenn der Fahrer kommt. Oder jedes Haus bräuchte eine von beiden Seiten zu öffnende Kühl-Gefrierkombination, die in die Hauswand eingelassen ist. Sonst reißt die Kühlkette ab. Diskussion beendet? Ich fürchte nein. Das Thema ist eine Katze mit neun Leben. Die kriegste nicht tot.