www.jubiläum.org

Wie alt ist das Internet, wie alt ist das Web? Die Frage kommt hoch, weil Menschen „20 Jahre Web“ bejubeln wollen.

Ehrlich gesagt: Ich habe die Geburt des WWW seinerzeit nicht mitgekriegt; vor 20 Jahren kannte ich nur Btx und seine Geschwister in anderen Ländern. Auf meinem Radar erschien das Web erst mit Marc Andreessens Netscape Navigator. Gut, dass es die c’t gibt.

Bisschen spät, Herr Bissinger!

Schade, dass Manfred Bissinger in seiner aktiven Zeit keine Zeit hatte, über die Dinge nachzudenken, von denen er heute schreibt:

„Und noch etwas dämmerte den Managern zu spät: Dass das Internet ein genialer Marktplatz sein könnte, genialer als alle Rubriken es in ihren Objekten je waren. Warum ist Ebay keinem Verlag eingefallen?“

Manfred Bissinger 2011

Ja, warum eigentlich nicht? Chefredakteure wie Bissinger (dessen Gehalt freilich nicht an Rubrikanzeigen hing) hätten ihre Arbeitgeber vielleicht warnen können – wenn sie denn selbst eine Ahnung gehabt und die 21.-Jahrhundert-Zukunftsstories ihrer Mitarbeiter nicht als Science-fiction abgetan hätten. Eigentlich hätten die Verlagshierarchen aber auch nur die Print-Fachmedien für die IT- oder die Werbebranche zu lesen brauchen. Ohne schlaumeiern zu wollen: Für meine Kollegen bei diesen Magazinen (auch für mich) waren diese Entwicklungen schon im vorigen Jahrhundert ein Thema. Aber den Zeitungsverlegern ging es so gut, dass sie davon nichts wissen wollten. „Bisschen spät, Herr Bissinger!“ weiterlesen

Science-fiction-Zombie in der SZ: Der Kühlschrank-Füll-Dich

Aus der Süddeutschen Zeitung

Nein, den Kühlschrank-Füll-Dich gab es nicht, gibt es nicht und wird es nicht geben, aus den verschiedensten technischen und psychologischen Gründen. Er ist und bleibt eine Urban Legend, die zurückgeht auf zwei Kühlschränke mit Touchscreen-Monitor in der Tür. Niemand wollte die Dinger haben. Ob der Kühlschrank selbst die Milch bei einem Online-Shop bestellt oder nur seinem Herrchen eine Mail aufs iPhone schickt, ist Nebensache.

Ich habe den Kollegen, dem diese literarische Ausschmückung eines Technik-Themas eingefallen ist, gebeten, solche von Experten als „Running Gag“ klassifizierten Storys künftig für sich zu behalten. So etwas lässt uns Journalisten als Dampfplauderer erscheinen, die einfach irgendwas hinschreiben.

Und ich bitte hiermit die Redaktion der SZ darum, Beiträge von freien Kollegen, in denen derart kühne Behauptungen stehen, nachzurecherchieren, statt aus dem größten Unsinn auch noch Zwischentitel zu bauen.

SZ-Redakteur vergrößert Sony-Schaden

Wirtschaftsjournalisten sollten Taschenrechner und Excel-Tabellen beherrschen. Das allein genügt aber nicht. Sie sollten auch wissen, wann man welche Daten wie eintippt. Bei Sony haben Hacker Daten von 77 Millionen Kunden erbeutet. Ein IT-Sicherheitsexperte mit dem schönen Namen Larry Ponemon hatte kürzlich in anderem Zusammenhang gesagt, der durchschnittliche Schaden pro kompromittierten Nutzer-Account betrage 318 Dollar (also 220 Euro). In der SZ wendet der Redakteur daher einfach eine Grundrechenart an, die Plutimikation:

„Im schlimmsten Fall wären das fast 17 Milliarden Euro.“

Aus dem Seite-1-Beitrag über den Datendiebstahl bei Sony

Dieser schlimmste Fall ist schon deshalb ausgeschlossen, weil die Datenräuber logistisch gar nicht in der Lage wären, in der ihnen zur Verfügung stehenden Take-the-money-and-run-Phase auch nur annähernd eine solche Anzahl von Konten zu plündern. Im übrigen könnten es auch nur 20 Dollar statt 220 Euro sein. „SZ-Redakteur vergrößert Sony-Schaden“ weiterlesen

Da kann man fast für die Spackeria Verständnis kriegen

Vor lauter Fukushima und Stress mit meiner eigenen Arbeit ist eine Diskussion wochenlang an mir vorbeigerauscht: ob wir in Deutschland zu viel Datenschutz haben.

Die Meinungsführer des „Datenschutz-ist-sowas-von-Eighties“-Lagers nennen sich – weil von Chaosclub-Sprecherin Constanze Kurz als „Post-Privacy-Spacken“ apostrophiert – „Spackeria“. Trotzig geben Leute wie die … (wie drücke ich das bloß aus, wenn ich nicht „Politologin“ schreiben will?) … Absolventin eines Studiums der Politikwissenschaft Julia Schramm die advocati diaboli.

Liest man dann, was deutsche Beamte unter dem Siegel des Datenschutzes manchmal für Ideen entwickeln, können einem diese Spacken fast sympathisch werden.