Handsignierte Schriftstücke sind bald überflüssig. Jetzt kommt das persönliche Internetschließfach.
WIRTSCHAFTSWOCHE NR. 8/2000
Geht die Vision des Hans Strack-Zimmermann in Erfüllung, müssen sich die Deutschen an modernisierte Sprichwörter gewöhnen. Etwa: Was du schwarz auf weiß per Mail erhältst, kannst du getrost ins Netz übertragen. Oder: Darauf gebe ich dir E-Brief und digitale Signatur. Tastatur ist geduldig. Lügen wie gefaxt.
Die neueste Lieblingsidee von Strack-Zimmermann, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender des Grasbrunner Softwarehauses Ixos Software AG, wirkt wie ein radikales Remake der alten Utopie vom papierlosen Büro für das WWW-Zeitalter. Alle Dokumente, die den Menschen wichtig sind, sollen künftig in digitalisierter Form an sicherem Ort hinterlegt werden, jederzeit abrufbar über das Internet, abgeschottet gegenüber Unbefugten. Bei Bedarf könnte der Nutzer, ob Unternehmer oder Privatperson, Dritten einen begrenzten Zugriff auf ausgewählte Daten gewähren: Geschäftspartnern, der Krankenversicherung, dem Steuerberater oder dem Finanzamt. „Virtueller Tresor“ weiterlesen
Aus der Computerwoche-Sonderausgabe zum 25. Geburtstag des Blattes – mit ersten Gedanken zu Google Glass, sprechenden Navis mit Augmented Reality und smarten Kühlschränken
Für Innovationen muß die Zeit reif sein. Manche Entwicklung verrät die Abgehobenheit oder die Naivität des Forschers, andere tragen deutlich die Handschrift von Marketiers oder Sensationsmedien.
Von Ulf J. Froitzheim
„Dialyse? Das ist ja finsterstes Mittelalter!“ Angesichts der qualvollen Behandlungsmethoden des späten 20. Jahrhunderts überkommt den Zeitreisenden „Pille“ McCoy spontanes Mitleid mit der alten Patientin. Da muß sogar der schwer verletzte Pavel Chekhov warten, den der Bordarzt und sein Boß Jim Kirk gerade aus den Fängen barbarischer kalifornischer Chirurgen retten wollten. Bevor der Gast aus dem 23. Jahrhundert durch bloßes Auflegen eines elektronischen Apparats auf die Stirn des Russen dessen lädiertes Gehirn repariert, steckt er der maladen Greisin heimlich eine Tablette zu, die ihr im Nu eine neue Niere wachsen läßt.
Für eine spätere „Startrek“ -Generation haben die Drehbuchautoren die beiden zukunftsträchtigsten Wissenschaften unserer Epoche miteinander vermählt. Die Liaison der Informationstechnik mit den „Life Sciences“ macht auf dem intergalaktischen Forschungskreuzer Voyager den Arzt überflüssig: Die holographische Projektion eines Doktors – ein lebensechtes, dreidimensionales Phantom mit dem vereinigten Wissen sämtlicher Koryphäen der Medizingeschichte – flickt Patienten jedweder humanoiden Spezies wieder zusammen.
Bei Bedarf ist das Retortenwesen, das auf den drögen Namen „medizinisches Programm“ hört, 24 Stunden am Tag fit. Damit es nicht gar so übermenschlich wirkt, haben die Software-Ingenieure der Sternenflotte ihrem Geschöpf einen Hang zur Larmoyanz in die Algorithmen eingeflochten: Ständig nölt Dr. med. Allwissend über irgendeinen Mißstand – nicht zuletzt über den, daß man ihn einfach abschaltet, wenn gerade niemand krank ist.
Eine bessere Dauer-PR als die nicht enden wollende Startrek-Saga hätten sich die Forscher und Entwickler aus Amerikas IT-Industrie kaum wünschen können: Da manövriert uns der Computer an Plätze, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Er beamt unsere biochemischen Moleküle als Quantenstrom durchs All und kocht uns als Replikator in der Bordkantine blitzschnell das Mittagessen. Paart sich menschliche Cleverness mit kühler Logik und High-Tech, das lehren uns Kirks spitzohriger Freund Spock und Jean-Luc Picards bleichgesichtiger Adjutant Data, sind wir bald alle Sorgen los: Vorsprung durch Technik. Nichts ist unmöglich. Alles wird gut.
Die Telekom führt Mitte des Jahres die Datenautobahn für jedermann ein. Die Konkurrenz steht außen vor.
WIRTSCHAFTSWOCHE 12/1999
Noch drei Monate, dann schaltet die Telekom den T-Online-Turbolader ein. Am Unternehmenssitz Bonn und in sieben weiteren Großstädten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart) können Surfer dann mit zigfacher ISDN-Geschwindigkeit durchs internet brettern. Sie bekommen bis zu einem Megabit pro Sekunde frei Haus. Das neue T-DSL, außerhalb des Konzerns als ADSL (Asymmetrie Digital Subscriber Line) bekannt, läßt selbst die überladensten WWW-Seiten ohne merkliche Verzögerung auf dem Monitor erscheinen. T-DSL funktioniert allerdings nur bei Anschlüssen, die maximal fünf Kilometer von der nächsten Vermittlungsstelle der Telekom entfernt sind. „Mit der schnellen Einführung dieser Technologie nimmt die Deutsche Telekom eine Pionierstellung in Europa ein“, klopft sich Vorstandsmitglied Gerd Tenzer auf die eigene Schulter.
Deutsche Webaholics mögen in den Jubel noch nicht einstimmen. Im Februar sickerte durch, daß der rosa Riese ordentlich hinlangen will wie in alten Monopolistentagen. 250 Mark (128 Euro) monatlich soll die Hochdruckdatendüse kosten. Mit dem happigen Pauschaltarif wären allerdings 25 Onlinestunden abgegolten; für jede weitere Stunde kämen nach diesem Plan sechs oder acht Mark hinzu. Das wäre zwar attraktiv für Telearbeiter und kleinere Firmen, entspräche aber kaum den Budgets von Privatleuten, die sich für „leistungsfähiges Entertainment mit Videoclips, Spielen oder 3-D-Animationen“ interessieren, wie es in der Telekom-Werbung heißt.
Harald A. Summa vom Branchenverband Electronic Commerce Forum (ECO) findet diese Preispolitik fatal: „Solange sich nur Minderheiten ADSL leisten können, lohnt es sich kaum, für deutsche Konsumenten innovative Multimediaangebote zu entwickeln.“ Um beispielsweise einen voll digitalen Vertrieb für Software, Musik, virtuelle Bücher oder Videos aufzubauen, brauche man mehr als die maximal 100.000 Kunden, die die Telekom bis Ende des Jahres mit T-DSL versorgen will. Dabei wäre das Interesse der heute acht Millionen Internetnutzer an schnelleren, erschwinglichen Netzzugängen nach Ansicht von Experten schon heute sehr groß. Der „etwas prohibitive“ Mindestumsatz von 250 Mark diene wohl hauptsächlich dazu, die Nachfrage während der Startphase unter Kontrolle zu halten, vermutet Werner Knetsch, Geschäftsführer beim Beratungskonzern Arthur D. Little in Berlin. „Nächstes Jahr gehen die Tarife spürbar nach unten“, glaubt er.
Amerikanische Carrier führen unterdessen vor, was sie unter einer schnellen Einführung neuer Technik verstehen. Seit dem vorigen Sommer drängen regionale Telefongesellschaften wie Bell Atlantic, US West und SBC vehement mit ADSL in den Massenmarkt. Mit Pauschalpreisen weit unterhalb der künftigen Telekom-Gebühr ködern sie jene Netzbewohner, die zur abendlichen Internet-Prime-Time ganze Ortsnetze an den Rand des Kollapses surfen und chatten.
Das hohe Tempo, das einige Dienstleister bei der Einführung ihrer Megabitnetze an den Tag legen, hat freilich auch damit zu tun, daß ihnen neue Konkurrenten die regionalen Monopole streitig machen. Alle großen Kabelfernsehunternehmen der USA drängen in die Telekommunikation. Mittels Kabelmodem machen sie die Buchse des Kabelfernsehnetzes zur ultimativen Multimediasteckdose, Telefon und Internet inklusive.
Der wichtigste Drahtzieher heißt Michael Armstrong: Der Chef des Fernmeldekonzerns AT&T kaufte dieses Jahr für 48 Milliarden Dollar den führenden Kabel-TV-Netzbetreiber TCI, der wiederum den Kabelmodempionier @Home Networks kontrolliert. So stellt Sanierer Armstrong den Zugang zu den Ortsnetzen wieder her, der seinem Arbeitgeber per Gesetz von 1984 bis 1996 verwehrt war.
Weil die Technik der Kabelmodems größere Datenmengen über weitere Entfernungen transportieren kann als ADSL, entscheiden sich mittlerweile jeden Monat mehrere zehntausend für die Offerten von @Home und dem Time-Warner-Ableger Road Runner. Sie zahlen dafür nur einen Bruchteil dessen, was das langsamere T-DSL kosten soll: Für 39,95 Dollar (36 Euro) gibt es eine „always on“-Verbindung – eine Art Standleitung – zum World Wide Web. Die Telefongesellschaft SBC Communications aus San Antonio/Texas, die derzeit über 500 Vermittlungsstellen mit ADSL-Modems ausrüstet, ist notgedrungen auf den @Home-Preis eingestiegen: Die „Flatrate“ für die permanente 1,5-Megabit-Connection liegt jetzt bei 39 Dollar (35 Euro).
Von solchen Schnäppchen können die meisten deutschen Internetfans nur träumen. Denn bei Hochgeschwindigkeitszugängen zum Internet steht die Telekom trotz Deregulierung praktisch konkurrenzlos da.
Wettbewerber, die ADSL anbieten, brauchen einen Zugang zu den Telekom-Ortsvermittlungsstellen. Daraus wird so schnell nichts. Seit Klaus-Dieter Scheurle, Chef der Regulierungsbehörde, die monatliche Miete, die die Telekom-Konkurrenten für die letzte Meile zum Kunden berappen sollen, oberhalb der Telefongrundgebühr fixiert hat, ist den Wettbewerbern der Appetit aufs multimediale Massengeschäft erst einmal vergangen. Der Ausbau von Lokalnetzen für jedermann, von Mannesmann Arcor noch im Dezember für 1999 angekündigt, liegt vorerst auf Eis. Gerichte sollen jetzt entscheiden, ob die Scheurle-Entscheidung Rechtens war; bis dahin konzentrieren sich die neuen Telefongesellschaften auf das Geschäft mit Geschäftskunden.
Die Alternative, das Fernsehkabel zusätzlich zum Telefonieren und als Zugang zum Internet zu nutzen, wird derzeit nur in Berlin verfolgt. Für 10.000 Mieter im Bezirk Mitte ist das Telefonieren über das Fernsehkabel schon Realität. Als nächstes will die Augsburger Telekabel Service Süd (TSS), die die Berliner Anlage installiert hat und betreibt, schnelle Internetzugänge zu attraktiven Tarifen anbieten.
TSS-Geschäftsführer Peter Stritzl hofft jetzt, das Konzept auf weitere Bezirke der Hauptstadt übertragen zu dürfen. Wenn es nach Scheurles Vize Arne Börnsen geht, könnte er die Genehmigung bald bekommen. Bei einer Visite in Washington verblüffte der Sozialdemokrat seine Gesprächspartner mit der Drohung an die Adresse des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom, Ron Sommer, die beantragten Preissenkungen für Telefon und T-Online könnten nur genehmigt werden, wenn die Telekom endlich mit dem Verkauf ihrer Kabelnetze beginne.
Doch selbst wenn die Verträge sehr schnell unter Dach und Fach kommen, kann die Telekom noch eine ganze Weile ihren Vorsprung mit ADSL ausbauen. Denn es wird lange dauern, ehe die Kabelfernsehnetze zu Datenautobahnen umgebaut sind. TSS-Chef Stritzl ist allerdings sicher, daß sich Interessenten finden, die bereit sind, entsprechend zu investieren. „Wir dürfen Multimedia nicht zu einem Luxusprodukt werden lassen“, warnt Stritzl, „nur um die Aktionäre der Telekom zu befriedigen.“
Suchmaschinen bekommen Konkurrenz. Künftig soll selbstlernende Software Surfern den Weg weisen.
WIRTSCHAFTSWOCHE 10/1999
Alexa ist anhänglich. Hat man sie erst einmal auf seinem Computer installiert, wird man sie nicht mehr los. Jedenfalls nicht als normaler Computernutzer. Ruft man eine beliebige Web-Seite auf, ist Alexa sofort zur Stelle und macht ungefragt mehr oder weniger nützliche Vorschläge für den nächsten Surftrip – und ein bisschen Werbung. Freilich reicht ihre Künstliche Intelligenz bis dato nicht so weit, dass sie es bemerken würde, wann sie mit ihren Einblendungen lästig wird. Alexa ist eine Software, die Internetsurfern helfen soll, Informationen zu finden.
Doch nicht jeder ist davon begeistert. „Wie deinstalliert man dieses Miststück?“ poltert ein anonymer Surfer auf der Feedback-Web-Seite der Firma Alexa Internet. Ein Mensch namens Joe schimpft dortselbst: „Ich hasse es! Es hat sich automatisch auf meinem Computer installiert, und ich wollte es gar nicht.“ Bei manchen Leuten scheint sich das Programm sogar völlig unbemerkt auf die Festplatte geschlichen zu haben – etwa bei jener ahnungslosen Dame, die sich den E-Mail-Spitznamen „A. Louise C.“ gegeben hat: „Ich habe keinen Schimmer, was diese Alexa ist. Warum ist sie in meinem PC?“
Schuld an dem Ärger ist einer, der es eigentlich nur gut gemeint hat: Brewster Kahle, 39, aus San Francisco, eine international anerkannte Koryphäe auf dem Gebiet des sogenannten Information Retrieval, dem gezielten Finden von Informationen im Internet. Seit über zehn Jahren versucht der Absolvent des Massachusetts Institute of Technology (MIT), Computern beizubringen, aus unüberschaubaren Datenbergen wertvolle Informationen herauszusieben.
Genau das ist auch der Anspruch, den Kahles Unternehmen Alexa Internet erhebt – nur daß die kostenlos aus dem Netz abrufbare Software Alexa 3.0, die sich bei Joe, Louise und dem Anonymus im Microsoft Internet Explorer festgekrallt hat, nach Einschätzung der US-Fachzeitschrift „PC Magazine“ ihren Zweck „bei weitem nicht perfekt“ erfüllt. Jedenfalls noch nicht.
Das ist für eine Menge Menschen, die in der Internetbranche ihr Geld verdienen, eine beruhigende Nachricht. Wäre Alexa ein völlig ausgereiftes Produkt, könnten die Betreiber sämtlicher Suchmaschinen – von Altavista über Netcenter und Web.de bis Yahoo – sofort ihre Läden zusperren.
Die grundlegende Idee von Kahle und seinem Kompagnon Bruce Gilliat ist so bestechend wie simpel: Der Zentralrechner in San Francisco registriert die digitalen Spuren, die Hunderttausende von Alexa-Nutzern bei ihrem Weg durchs Web hinterlassen, und destilliert aus diesen Daten die häufigsten – und damit vermutlich sinnvollsten – Querbeziehungen zwischen den unterschiedlichsten Seiten.
Je mehr Menschen Alexa auf ihrem Computer haben, desto mehr Daten können ausgewertet werden, und um so zuverlässiger funktioniert nach Kahles Theorie auch das System: Wie ein virtueller Organismus sammelt die Gesamtheit der Netznutzer kollektive Erfahrungen, die jedem einzelnen die Orientierung im Datendschungel erleichtern sollen. Die Rolle der Suchmaschinen würde sich darauf reduzieren, den Einstiegspunkt für die Reise zu finden.
In der Praxis hängt die Trefferquote von Alexa allerdings sehr davon ab, zu welchem Themengebiet man gerade Informationen sucht und wie sehr man in die Tiefe gehen will. So meckert ein gewisser Ted Knudson über die „blödesten Links, die ich je gesehen habe“, während offensichtliche Internetnovizen Alexa oft über den grünen Klee loben. Tatsächlich ist schwer nachvollziehbar, wieso ein direkter Weg von einem amerikanischen Softwarekatalog schnurstracks zum Fahrplan der Deutschen Bahn AG führt. Außerdem offenbart die Software systematische Schwächen. So tendiert Alexa dazu, Rückkopplungsschleifen zu bilden, die Fehler verstärken: Ist ein unsinniger Link, wie er in Suchmaschinen alle Tage vorkommt, erst einmal in der Software fest etabliert, führt er immer mehr Leute in die Irre; diese Irrwege wiederum interpretiert der Zentralrechner automatisch als Bestätigung dafür, dass es einen logischen Zusammenhang zwischen den Adressen gibt. Außerdem ist das System keineswegs missbrauchssicher: Kleinere Unternehmen können sich leicht an einen bekannten Konkurrenten anhängen, indem sie immer wieder von dessen Website aus ihre eigene anwählen – so lange, bis Alexa dies registriert und einen Link einrichtet.
Dann wird jeder, der die Homepage des großen Unternehmens aufruft, automatisch auch mit der des kleinen verbunden. Alexa entscheidet nicht nur darüber, wohin die bisher gut eine Million Surfer geleitet werden, die sich die Software auf den Rechner geladen haben. Im millionenfach verbreiteten Netscape-Browser Communicator 4.5 sind Alexas Verkupplungskünste sogar serienmäßig abrufbar – als „Verwandte Objekte“.
Vor allem aber ist das kalifornische Unternehmen die bestsortierte Auskunftei, was Informationen über Firmen-Websites angeht: Seit fast drei Jahren durchkämmen Kahles Leute per Suchroboter immer und immer wieder das gesamte World Wide Web (WWW) – und speichern alles, was sie finden. Dieses „Internet Archive“ (siehe Kasten) soll zwar eigentlich der Allgemeinheit dienen; Kahle will das WWW der Jahrtausendwende für die Nachwelt erhalten, damit die Kulturhistoriker künftiger Generationen unsere Epoche nachvollziehen können. Das Archiv wirft aber gleichzeitig viele statistische Daten ab, die kommerziellen Wert haben. Man kann daraus eine Menge erfahren: Wie gut ist die Website meines Konkurrenten besucht? Wie schnell ist sein Server? Wer verbirgt sich wirklich hinter einer Seite? Welcher Dienstleister hat welche Kunden?
Die Transparenz, die Kahle damit schafft, geht manchem Betroffenen denn auch zu weit. „Ich war baff, dass ihr Burschen die Nerven habt, meine private Adresse und Telefonnummer für jedermann offen anzuzeigen“, entrüstet sich ein gewisser Joe – und droht mit einer Klage. Kolumnisten der amerikanischen Fachpresse stoßen ins gleiche Horn: Alexa sei anmaßend, lautet der Tenor, nicht zuletzt, weil der eingesetzte Datenstaubsauger nicht einmal vor den Diskussionsforen im Internet halt macht. Und was dort steht, ist nach den Regeln der sogenannten Netiquette nicht für Außenstehende gedacht.
Wer sich von der Aufregung der Fachleute bisher nicht hat anstecken lassen, sind die aufs Internet spezialisierten Wall-Street-Analysten. Sie scheinen Kahle nicht zuzutrauen, daß er seine Ziele wirklich realisieren kann. In den Aktienkursen von Yahoo & Co. haben seine Aktivitäten nicht einmal eine kleine Delle hinterlassen.
ULF J. FROITZHEIM
WEB-ARCHIV
Dummes Zeug für die Ewigkeit
Alle sechs Wochen saust der große Datenstaubsauger von Brewster Kahle durch das ganze World Wide Web. Der Chef des Softwarehauses Alexa Internet hat es sich in den Kopf gesetzt, ein möglichst vollständiges Abbild der gegenwärtigen Netzinhalte zu konservieren.
Schon mehr als zwölf Terabytes (12000000000000 Bytes) hat er bereits in seiner robotergesteuerten Magnetbanddatenbank gespeichert: wissenschaftliche Arbeiten ebenso wie Homepages von
Unternehmen, Pin-up-Fotos von Pamela Anderson und Pornobilder.
Nutzen läßt sich das Alexa-Know-how durch einen gleichnamigen Zusatz zur Internetsteuersoftware (Browser). Er erzeugt bei der Fehlermeldung „Error 404 – File not found“ das Wörtchen „Archive“, wenn die verschollene Seite in Kahles Archiv zu finden ist.
Bei Inhalten, die selten aktualisiert werden, ist die Chance groß, fündig zu werden. Kostenpflichtige Zeitungsarchive hingegen sind damit nicht zu ersetzen, denn auch aktuelle Medien werden nicht öfter gescannt. Damit vermeidet Kahle größere Streitereien ums Urheberrecht, denn er zahlt für die Speicherung fremder Texte keine Tantiemen.
Im Kreuzfeuer der Kritik steht der selbsternannte Archivar dennoch: Datenschützer sind empört, daß damit jedes Wort, das jemand irgendwann online geäußert hat, mit großer Wahrscheinlichkeit auf Dauer dokumentiert wird. So gibt es bereits Arbeitgeber, die sich via Internet informieren, was ein Jobbewerber schon so alles von sich gegeben hat. Das Internetarchiv ist erbarmungslos: Dummes Zeug, das einmal darin gelandet ist, läßt sich nicht mehr löschen.
Niedrige Steuern und eine verkehrsgünstige Lage genügen heute nicht mehr, um einen Wirtschaftsstandort attraktiv zu machen. Ein guter Anschluß an die globale Infobahn ist mindestens ebenso wichtig. Das Stadt-Land-Gefälle droht trotz neuer Techniken für die „Letzte Meile“ größer zu werden.
Wolfgang Clement ist der erste Ministerpräsident in Düsseldorf, der sich nicht mehr mit kohlschwarzem Gesicht und Grubenlampe auf dem Kopf vor den Kameras der Journalisten aufzubauen braucht, um beim Wählervolk anzukommen. Kaum jemand weiß besser zu vermitteln als der Nachfolger von Johannes Rau, daß die wahren Bodenschätze an Rhein und Ruhr heute in einer Teufe von wenigen Dezimetern lagern, mitten in den Städten unter dem Trottoir. Sein Nordrhein-Westfalen ist das erste Bundesland, das diese erst wenige Jahrzehnte alte Ressource zielstrebig auszubeuten trachtet: Kohle machen ohne Zeche.
Daß die allgegenwärtige Kupferdoppelader, mit der die Telekom die Teilnehmer an ihre Ortsvermittlungen angeschlossen hat, zum wertvollen Rohstoff avanciert ist, liegt an einer Technik namens Asymmetric Digital Subscriber Line (ADSL). Hinter diesem Fachausdruck, unter dem sich bis vor zwei, drei Jahren nur hauptberufliche Nachrichtentechniker etwas vorstellen konnten, verbirgt sich eine hochkomplexe Signalverarbeitungssoftware, die selbst voluminöseste Multimedia-Inhalte so dicht zusammenpackt, daß sie durch normale Telefonstrippen passen. Seit dem Frühsommer testet die Telekom diesen potentiellen ISDN-Killer in Dortmund, Düsseldorf, Köln und Bonn; für die bisherigen High-Tech-Hochburgen München, Stuttgart und Frankfurt hieß es erst einmal: „Bitte warten!“
Dem Rau-Erben Clement, der die lange Wartezeit bis zu seiner Beförderung im Ministerium für Wirtschaft und Technologie zugebracht hat, geht der Fachjargon der Telekommunikatoren längst genauso locker über die Lippen wie seinem Vorgänger die Bergmannssprache. „Globales Dorf nur für Städter“ weiterlesen
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