Was läuft hinter den Kulissen von Levana?

Vier Versammlungen zur gleichen Zeit in einem Umkreis von einem Kilometer – und keinen interessiert’s. Das ist die Bilanz des gescheiterten Versuchs des Kauferinger Anti-Impf-Ideologen Rolf Kron und seiner Getreuen, in Landsberg groß herauszukommen. Dennoch wirft die Art, wie der Mann mit seinem Nichtverein Levana das Demonstrationsrecht überstrapaziert, Fragen auf, die öffentlich diskutiert werden müssen.

Abgesperrt und mit orangefarbenen Abstandsboppeln markiert für ein paar Versprengte: der Landsberger Georg-Hellmair-Platz am 30. Mai.

– Vier scheinbar unabhängig voneinander auftretende Personen hatten für Pfingstsamstag in der Landsberger Innenstadt je eine Versammlung mit scheinbar unterschiedlichen Themen angemeldet.

– Nur drei der vier Versammlungen wurden auf der Website des Landkreises Landsberg angekündigt, die vierte jedoch nicht. Demnach lässt sich schließen, dass sich der offizielle Veranstalter – laut Landsberger Tagblatt ein gewisser Roman Sellherr aus Augsburg – unter Berufung auf den Datenschutz nicht mit einer Veröffentlichung einverstanden erklärt hatte. Aus unerfindlichen Gründen gab das Landratsamt nicht nur das einzige personenbezogene Datum nicht bekannt, nämlich den Namen der anmeldenden Person, sondern informierte die Bürger überhaupt nicht darüber, dass Teile des Georg-Hellmair-Platzes schon wieder abgesperrt werden würden.

– Dies waren die vier Schauplätze, Anmelder und Themen:
1. Hauptplatz
Dr. Heinz Gräber (der Mann heißt in Wahrheit Gärber): „Ist die Corona-Impfung das Allheilmittel, von dem unsere Grundrechte abhängig gemacht werden?“
2. Georg-Hellmair-Platz
Roman Sellherr: (offizielles Thema unbekannt)
3. Rossmarkt
Pythorea alias Petra Sander: „Mahnwache zur Coronakrise – des Kaisers neue Kleider, demokratisch neu interpretiert“
4. Mutterturm
Iris Kaiser: „Für den Erhalt der Grundrechte“

Die Veranstalter gaben sich keinerlei Mühe, zu kaschieren, dass die formal eigenständigen Versammlungen in Wirklichkeit eine einzige darstellten, „Was läuft hinter den Kulissen von Levana?“ weiterlesen

Auf geht`s zur Wahnmache

Die anstrengenden Mitbürger aus dem Dunstkreis um Rolf Kron machen auch nach der Absage ihrer obskuren 888-Teilnehmer-Demo auf der Waitzinger Wiese in Landsberg weiter. Nachdem die als Anmelderin in Erscheinung getretene Tanja Heinrich aus Schwabmünchen die mittelgroße Veranstaltung gecancelt hatte, meldeten drei andere Personen kleine Versammlungen für heute an.

Auf dem Hauptplatz fragt laut Veröffentlichung des Landratsamtes ein gewisser Dr. Heinz Gräber rhetorisch: „Ist die Corona-Impfung das Allheilmittel, von dem unsere Grundrechte abhängig gemacht werden?“ In Wirklichkeit dürfte es sich aber um den Ingolstädter Kron-Kollegen Heinz Gärber handeln, der in seiner Praxis unter anderem eine „Biologische Krebstherapie“ anbietet, sich also auf dünnem Eis bewegt.

Vor dem Mutterturm zwingt eine Windacherin namens Iris Kaiser die Passanten, um ihre Zuhörer einen Bogen zu machen. Ihr Thema: „Für den Erhalt der Grundrechte.“ Da niemand die Grundrechte in Frage stellt, ist das eine ziemlich fadenscheinige Begründung zum Demonstrieren. Aber Frau Kaiser ist schon 2013 im Zusammenhang mit den Kronschen Anti-Impf-Stammtischen auffällig geworden; sie war auf der damaligen Website des Nicht-Vereins Levana Landsberg im Impressum als verantwortlich genannt.

Dritte im Bunde ist Pythorea aus Hofstetten-Hagenheim. Hinter dem Künstlernamen steckt eine Petra Sander, nicht zu verwechseln mit der Dießener Lokalpolitikerin der Grünen. Pythorea empfiehlt diverse angeblich gesundheitsfördernde Nahrungsergänzungsprodukte, in deren Vertrieb sie auf irgendeinem Level eines Multi-Level-Marketing-Schemas auch selbst involviert ist. Sie nennt sich „Life-Art-Creator im Green-Business“, was ihr schon mal fünf Punkte im Schwurbel-Bullshit-Bingo sichert. Was ihr Händchen bei der Auswahl von Geschäftspartnern betrifft, ist hier exemplarisch nachzulesen. Die Überschrift lautet: „Profiteure der Corona-Angst: Warum junge Menschen fragwürdige Nahrungsergänzungsmittel verkaufen.“ Das „junge“ hätten die Kollegen von Bento weglassen können.

Offiziell hat also Rolf Kron nichts damit zu tun, aber gewiss hätten wir ihn und alle hier genannten Personen heute auf der Waitzingerwiese angetroffen, wenn die zu Recht verhängten Auflagen die Kosten der Versammlung nicht so hoch getrieben hätten. Aus einer Demo, die keiner zufällig mitbekommt und zu der sich erst recht keine 888 Menschen verirrt hätten, drei an viel störenderen Orten zu machen (das Gerücht, es seien sogar vier, konnte ich noch nicht verifizieren), kann man als subversiv bezeichnen. Es passt jedenfalls zu einer formell (als Organisation im Sinne des Vereinrechts) gar nicht existierenden „Bewegung“ (O-Ton Kron), die eine „Ideologie“ (O-Ton Kron) verfolgt und bei ihren Auftritten mit populistischen Propagandainstrumenten wie gespielter Empörung arbeitet.

Hier ohne weiteren Kommentar ein Einblick in die Denke Krons:

 

Sind Autokonzerne gleicher als Künstler und Selbständige?

In Berlin und in München glauben Politiker, in ihrem Land sei genau dreierlei wichtig: Fußball, deutsche Autos und Arbeitnehmer. Selbständige und Künstler werden dagegen noch weniger wertgeschätzt als Menschen, die sich in Pflegeberufen abmühen. (Ja, das geht.) Die Ungleichbehandlung in Covid-19-Zeiten ist eine eklatante Missachtung des Grundgesetzes. Darin liegt der Skandal – nicht in den Hirngespinsten, die die durchgeknallten Anhänger der Paranoikerpartei „Widerstand 2020“ auf die Straße treiben.

Zunächst in grün/kursiv ein paar Vorbemerkungen: Wenn jemand unserer Gesellschaft schadet und die Demokratie aufs Spiel setzt, sind es Menschen, die dichtgedrängt ohne Mundschutz Hetzern bei ihren Volksreden applaudieren, aber nicht Merkel und Söder. Die deutsche Politik hat zwar Fehler gemacht, aber sie hat auf die Covid-19-Epidemie in China nicht überreagiert. Man kann ihr vielmehr vorwerfen, dass sie zu spät reagiert hat. Es ist gut, wie sie den Schaden begrenzt hat, nachdem sie die Tragweite der Pandemie erkannt hatte. Es war auch richtig, auf Christian Drosten zu hören, den renommiertesten deutschen Spezialisten für Coronaviren. Ein Fehler in der Krisenkommunikation dagegen war, die Schutzfunktion einfacher und selbstgemachter Gesichtsmasken aus einer klinisch-perfektionistischen Perspektive heraus kleinzureden, weil sie halt nicht die zertifizierte 100-prozentige Sicherheit der kaum lieferbaren 2-Wege-Profi-Masken bieten. Ein Fehler der darüber berichtenden KollegInnen war, nicht nachzufragen,

– warum eigentlich eine simple Maske „nicht“ ihren Träger schützt (eine korrekte Antwort wäre gewesen: dass ihre Effektivität von so vielen Variablen abhängt und beeinträchtigt werden kann, dass man keine allgemeingültigen Aussagen über den Umfang des Schutzes treffen kann)

– warum überhaupt relevant sein sollte, ob man mit Maske auch sich selbst schützt oder „nur“ die Anderen (eine korrekte Antwort wäre gewesen: jeder von uns kann Überträger sein, ohne es zu wissen, und deshalb ist es für uns alle besser, wenn so ein Ding die Tröpfchen zumindest bremst und einen Teil von ihnen abfängt, schließlich ist die Gesundheit anderer Leute genauso wichtig wie die eigene)

Fazit: Im Großen und Ganzen haben Merkel, Söder & Co. sinnvolle Entscheidungen getroffen. Bei der konkreten Umsetzung haben sich die beauftragten Behördenmenschen leider nicht getraut, aus der Perspektive der Bürger zu denken, zu sprechen, zu argumentieren: Die Texte und Begründungen der Allgemeinverfügungen waren nicht vom Empfänger her gedacht – was kommt bei den Leuten an? –, sondern vom Absender: Alles, was ich jetzt schreibe, könnte gegen mich verwendet werden; also äußere ich mich so, dass mich niemand haftbar machen kann, selbst wenn ich die Bürger verunsichere, die das Warum und Wieso nicht verstehen. Diese Diskrepanz zwischen den Statements aus der Politik und dem archaisch-obrigkeitsstaatlich erscheinenden (!) Handeln unbekannter Ministerialbürokraten könnte das Misstrauen derer geschürt haben, die jetzt die Verschwörungsmythen abgedrehter Zeitgenossen wie Attila Hildmann, Xavier Naidoo, Oliver Janich oder Rolf Kron nachplappern und so sendungsbewusst auftreten, als hätten sie gerade die Wahrheit mit Löffeln gefressen. Der Vertrauensverlust ist also in Teilen hausgemacht.

Soviel zur Vorrede.

Was sich unser politisches Führungspersonal vorhalten muss, weil es wirklich ein sehr großes Problem darstellt, ist die geradezu vorsätzlich anmutende Gedankenlosigkeit bei den bisherigen Versuchen, den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen. Die Politik wird ihrer Verantwortung gegenüber denen nicht gerecht, die am meisten unter den Folgen des Lockdowns zu leiden haben. Ich will das an ein paar Aspekten festmachen: faktischen Berufsverboten, falsch verstandenem Keynesianismus, willkürlicher und volkswirtschaftlich kurzsichtiger Subventionierung der Autokonzerne und last not least peinlichem Kulturbanausentum.

Bevor ich das Wort ergreife, hier ein Video einer bayerischen Initiative von Kulturschaffenden:

Künstler und Selbständige fordern einen „Platz am Tisch“

Berufsverbot für Kulturschaffende, Wirte u.a.

Wenn es nötig ist, Theater, Kinos, Kneipen und Sportstätten dichtzumachen, weil sie potenzielle Hotspots für Ansteckungen sind, dann ist das halt so. Aber wer so etwas anordnet, übernimmt damit eine Fürsorgepflicht für diejenigen, die in diesen Bereichen ihren Lebensunterhalt verdienen – und zwar unabhängig davon, ob diese im Angestelltenverhältnis arbeiten oder nicht. Denn für viele Betroffenen bedeuten die Schließungen und Betriebsuntersagungen nichts anderes als ein mit hundertprozentigem Einnahmeausfall einhergehendes Berufsverbot. Es ist ein existenzielles Risiko, gegen das sie sich nicht versichern konnten: Die Policen, die sie angeboten bekommen, decken nur Berufsunfähigkeit ab, aber nicht staatlich angeordnete Berufsuntätigkeit. „Sind Autokonzerne gleicher als Künstler und Selbständige?“ weiterlesen

Serienstart: Wohlstand im Klimawandel

Mit diesen Seiten beginnt meine Serie in der Mai-Ausgabe der Brandeins

„Ohne Wohlstand kein Klimaschutz, sagen die einen.
Ohne Klimaschutz kein Wohlstand, sagen die anderen.
Beide haben recht.
Unser Wohlergehen und die Lösung dieses Menschheitsproblems hängen untrennbar zusammen – jetzt mehr denn je.“

Mit diesen Worten beginnt die soeben erschienene Folge 1 meiner brandeins-Serie „Der neue grüne Deal“. In der Rubrik „Was Wirtschaft treibt“ beschreibe ich mögliche Wege in eine Wirtschaft, die sich nicht mehr vom Kohlenstoff treiben lässt – und auch nicht mehr treiben lassen darf, wenn sie eine Zukunft haben will.

Die Redaktion und ich haben das Ziel, einen gesellschaftlichen Dialog mit anzuschieben, der momentan nicht vorankommt, weil zwei Lager große Schwierigkeiten miteinander haben. Auf der einen Seite gilt es mit all jenen ins Gespräch zu kommen, die Warnungen vor dem Klimawandel immer noch grundsätzlich für alarmistisch halten, auf der anderen mit all denen, die glauben, die Weltwirtschaft müsse auf einen radikalen Schrumpftumskurs (De-Growth) gebracht werden. Meine Überzeugung ist, dass zwar die Art, wie wir Wohlstand messen, und die gegenwärtige Wachstumsideologie auf falschen Prämissen beruhen; „Serienstart: Wohlstand im Klimawandel“ weiterlesen

Covid-19: Was wir über „Corona“ wissen und was nicht

Klopapier gibt’s wieder, sogar meine Marke. Hefe liegt auch wieder im Kühlschrank. Nur Hirn ist offenbar aus. Zumindest hat der Herr schon lange keines mehr vom Himmel geworfen. Wenn aber schon der liebe Gott mit Lieferengpässen zu kämpfen hat, müssen wir hier unten improvisieren und unseren Grips anstrengen. Dazu braucht man einen Überblick über Fakten und Fakes. Deshalb sortiere ich hier mal das, was im Netz und in den Medien über die Covi-Seuche 19 an Informationen, Halbwissen und gezielten Desimpformationen* grassiert.

Wie überträgt sich das Virus SARS-CoV2?

Was wir wissen: Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Tröpfchen, die Viren enthalten können, verlassen unseren Mund und unsere Nase nicht nur beim Niesen (da sieht man sie zum Teil sogar) und beim Husten, sondern auch beim Sprechen, beim Singen und sogar beim ganz normalen Ausatmen. Die Größe der Tröpfchen ist jedoch sehr unterschiedlich. Sehr kleine Tröpfchen, die man mit bloßem Auge nicht erkennen kann, halten sich länger in der Luft, bilden also eine Art dünnen Nebel, während dickere Tröpfchen quasi abregnen. Sie fallen zu Boden, so dass die Gefahr gebannt ist, sie einzuatmen. Man sollte sich dann aber, salopp gesagt, noch mehr als sonst davor hüten, auf die Schnauze zu fallen. Denn solange die Viren feucht sind, ist davon auszugehen, dass sie noch aktiv sind. Schmierinfektionen sind aber nach allem, was man weiß, eher die Ausnahme. Klar ist, dass man sich nicht ins Gesicht fassen sollte, wenn man einen Türgriff oder den Griff eines Einkaufswagens angefasst hat. Erst mal Hände mit Seife waschen (s.u.)!

Was wir nicht wissen: Es gibt noch keine verlässlichen Informationen dazu, welche quantitative Rolle die nebelartigen Kleinsttröpfchen spielen. Da es ernst zu nehmende Hinweise darauf gibt, dass ihre Bedeutung bisher unterschätzt wurde, ist dieses Nichtwissen ein Grund zur Vorsicht. Auch die Forschung zur Bedeutung von Schmierübertragungen ist nicht abgeschlossen.

Spielt es eine Rolle, ob ich mich im Freien oder in geschlossenen Räumen aufhalte?

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