Kreditkartentelefone: Teure Variante

Vorsicht vor privaten Kreditkartentelefonen. Die Gespräche können teuer werden.

WirtschaftsWoche 8/1996

Die Plexiglas-Telefonhaube im Internationalen Congress Centrum (ICC) in Berlin wirkt auf den ersten Blick vertraut. Der Fernsprecher, der jetzt unter der Haube hängt, stammt jedoch eindeutig nicht aus dem Fundus des Fernmeldeamts: rechts neben der Tastatur ein Schlitz zum Durchziehen einer Kreditkarte, links vom Hörer ein grünliches LC-Display, in der Mitte das rote Emblem „CCC“.

Ungewohnte Anblicke bieten sich auch eine Etage tiefer, im ICC-Foyer.

WirtschaftsWoche 8/1996

Auf dem Tresen springt eine türkisfarbene Werbetafel den Besucher an: „Hier können Sie mit Kreditkarten faxen, telephonieren, kopieren“. Davor thront das „Wellcom Fax & Phone“, ein Kombigerät im Design einer Registrierkasse mit einem türkisfarbenen Hörer als Blickfang.

Ein Anblick, an den der Reisende sich gewöhnen muß: Immer öfter begegnet er den Kreditkartentelefonen privater Anbieter. Doch nutzen sollte der Kunde die Angebote lieber nicht. Denn die Tarife der Gesellschaften liegen erheblich über denen der Deutschen Telekom AG.

Statt mit deutschen Gebühreneinheiten oder den auf dem Weltmarkt üblichen Minutenpreisen operiert etwa die 3C Communications GmbH mit einer eigenen Variante. „Eine Gesprächseinheit ist sieben Sekunden“, liest der Kunde auf dem Display. Falls der Benutzer sich an einem jener Standorte befindet, an denen tatsächlich eine Preisliste aushängt, erfährt er auch, was diese Einheit kostet – nämlich zwischen zwei Pfennig für ein Ortsgespräch und üppigen 1,45 Mark für Verbindungen zu Zielen außerhalb Europas.

Ein simples fünfminütiges Gespräch Frankfurt-Hamburg vom Terminal 2 des Frankfurter Flughafens, wo 3C Communications unlängst neben der Delta-Lounge ein „Calling Center“ eingerichtet hat, schlägt sich so auf der Kreditkartenabrechnung mit 17,19 Mark nieder. Zuschlag gegenüber einem Kreditkartentelefon der Telekom: 155 Prozent.

Der zweite Anbieter benimmt sich korrekter. Jedes Gerät der Wellcom Secur Computer Systems GmbH listet übersichtlich sämtliche Preise auf. Obendrein betreibt Wellcom eine kostenlose Hotline und druckt Quittungen mit Verbindungsdaten und Mehrwertsteuernachweis aus.

Billig ist der Kreditkartenapparat dennoch nicht: Für jeden Telekom-Zählimpuls berechnet Firmengründer Hans Weller 35 Pfennig – zuzüglich drei Mark Grundgebühr und alle zehn Sekunden 15 Pfennig Zuschlag. Damit kostet Anrufer das Fünf-Minuten-Gespräch zwischen Hamburg und Frankfurt 16,95 Mark. Fast so viel wie beim privaten Konkurrenten 3C Communications.

Da lohnt es sich, auf einen freien Kreditkartenapparat der Telekom zu warten. Mit 6,75 Mark für fünf Minuten stellt der Kommunikationsriese bei weitem das billigste Angebot für Kreditkartennutzer. Zumindest derzeit noch. „Wir hoffen, daß wir unsere Preise in Flughafenlounges bald selber festlegen dürfen“, sagt Telekom-Sprecher Stephan Althoff. Eine Untersuchung zum Thema läuft gerade beim Bundespostministerium.

Am meisten sparen Reisende sowieso mit den Standard-Telefonkarten der Telekom. Damit kostet die Tarifeinbeit am öffentlichen Apparat 20 Pfennig – nur acht Pfennig mehr als beim Telefonat von zu Hause.

Ulf J. Froitzheim

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