Hauptsache keine Ahnung

Wer wissen will, was sich in der IT-Branche tut, sollte lieber nicht die Süddeutsche lesen. Heutiges Glanzstück: ein Text mit der Überschrift „Hendrix, hilf“ und der Unterzeile:

„Das Softwarehaus Adobe will bei Geschäftskunden zulegen – und verspricht Programme, die die Arbeit so spaßig wie Gitarrenmusik machen“

Die Autorin ist zum Beispiel der Ansicht, Photoshop sei ein Produkt für Hobbyfotografen; Adobe mache nur „etwa ein Drittel des Jahresumsatzes … mit Geschäftskunden“.

Ein Drittel? Adobe lebt von den „Privatnutzern“? Geht’s noch? Sicherlich gibt es auch anspruchsvolle Fotoamateure, die sich den Luxus leisten und die teuren Vollversionen kaufen. Die meisten begnügen sich aber mit einer Billigversion namens Elements. Für Schüler und Studenten gibt es ermäßigte Versionen der „Creative Suite“, aber die tragen auch nicht den Umsatz. Nein, Adobes Stammgeschäft ist seit jeher Software für die professionellen Kreativen, die Grafiker, Designer, Berufsfotografen, Agenturen, Verlage – und das sind ganz klar Geschäftskunden.

Was die Autorin meint, sind Großunternehmen, die mit Kreativität und Grafik sonst nichts am Hut haben. (Nachtrag: Wie es richtig ist, weiß das Handelsblatt, das den Pressetermin gelassen abgewartet hat, statt – wie die SZ – auf Basis der Einladung krampfhaft schneller sein zu wollen. )

In diesem Geschäftsumfeld hätten Microsoft, IBM, Oracle und SAP „die Nase vorn“ – ganz so, als wollte Adobe denen jetzt Konkurrenz machen. Nein, bei Adobes Projekt „Hendrix“ geht es darum, deren Software durch grafische Aufbereitung so aufzuhübschen, dass sie leichter zu benutzen ist. Adobe will an SAPs Erfolg teilhaben, nicht denen etwas wegnehmen. Das Ziel ist auch nicht Spaß bei der Arbeit – dafür würde kein Chef Geld ausgeben – sondern bessere Usability und damit höhere Produktivität der Büromenschen. Wer sich mit der Software nicht herumquälen muss, arbeitet schneller.

Über den SZ-Text mitleidig schmunzeln werden wohl auch die Manager des Adobe-„Konkurrenten“ VMWare. Genausogut könnte man BMW als Konkurrenten von MAN bezeichnen – weil beide Kraftfahrzeuge bauen.

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2 Antworten auf „Hauptsache keine Ahnung“

  1. Ja, aber … das Handelsblatt weist dann doch deutliche Parallelen zu Materialien der dpa auf. Und die Unterstellung, Adobe würde jetzt die Strategie wechseln, ist natürlich bullshit. Seit Jahren versucht Adobe, das Enterprise-Geschäft mit Rights- und Content-Management zu knacken, aber bislang erfolglos. Alles in allem ziemlich mager, die Berichterstattung.

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