Sind Blogger käuflich?

Nein, ich interessiere mich nicht für Kooperationen mit Unternehmen, jedenfalls nicht in dem Sinn, in dem es hier gemeint ist. (Natürlich sind Verlage auch Unternehmen, und Firmen, die Kundenzeitschriften herausgeben, sowieso. Aber die unten stehende Grafik kann man nur so verstehen, dass Blogger gerne bereit seien, sich vor einen Werbekarren spannen zu lassen.)

Nicht einmal jeder elfte Blogger legt Wert auf Unabhängigkeit? Hm, ich lese praktisch nie Blogs, von denen ich annehmen würde, dass ihre Verfasser sich im roten Bereich sehen. Entweder sind die Zahlen repräsentativ und ich verpasse (habe ich gerade „verpasse“ geschrieben?) völlig den Mainstream der Blogosphäre. Oder mein Gefühl stimmt und die Zahlen sind deshalb so hoch, wie sie sind, weil sie von einem Blogvermarkter stammen und dessen Zielgruppe einen Tick zu stark in der Stichprobe vertreten ist.

Die Quelle nennt sich „rankseller“ (Link auf der Chart, Ausschnitt aus einem größeren Werk; hier im Rahmen des Zitatrechts wiedergegeben). Also: Rangverkäufer. Vorher hieß der Laden „SEOlista“, aber auch ohne die drei inzwischen verpönten Buchstaben klingt es keinen Deut anständiger.  Man kann darüber streiten, ob Ränge in Trefferlisten Google gehören oder nicht doch den Usern und Surfern. Wem sie auf keinen Fall gehören, sind diejenigen, die sie verkaufen. Wie nannte man doch noch mal jemanden, der etwas verkauft, das ihm nicht gehört? Ja, danke, liebe Münchner: „Hundling, ausg’schamter!“

Heute sagt man wohl „cleverer Unternehmer“.

rankseller2013

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8 Gedanken zu „Sind Blogger käuflich?

  1. Hallo Herr Froitzheim,
    ich bin selbst Herausgeber und Betreiber von spothits.de. Trotz einhelliger Meinung vermeintlicher Fachleute sich thematisch eng zu orientieren – ich spreche hier von Nischenjournalismus: http://tinyurl.com/ofkm6z7, versuche ich innerhalb des Portals eine möglichst breite Streuung in der Berichterstattung. Zum einen geschieht das, um selbst informiert zu bleiben, zum anderen stelle ich fest, dass die Zugriffszahlen gerade wegen der Vielfalt erstaunlich sind.

    Und weil Herausgeben und Betreiben immer mit Kosten verbunden ist, kann es doch nicht verwerflich sein, sich nach Werbepartnern umzuschauen. Das ist im Printgewerbe bei Zeitungen und Magazin, selbst in Funk und Fernsehen längst Usus. Unstrittig ist natürlich Art und Menge eingebundener Werbung. Generell abzulehnen sind dahingehende Kooperationen in meinen Augen nicht. Denn Berichterstattung kostet Geld. Diesen Gedanken habe ich in einem Beitrag weiterverfolgt http://tinyurl.com/qf7clq5 .

    Viele Grüße
    Ingo Koecher

    • Ich wollte darauf hinaus, dass „Kooperationen“ stattfinden. Im Presserecht und im Pressekodex ist festgelegt, dass Werbung und Redaktion getrennte Sachen sind und die Berichterstattung nicht von wirtschaftlichen Interessen beeinflusst werden darf. Deshalb dürfen Redakteure keine Anzeigen verkaufen und Anzeigenverkäufer keine Beiträge schreiben.
      Wir wissen alle, dass gegen das Trennungsgebot verstoßen wird, klar. Man muss sich nur die bekannten Modestrecken anschauen, die reines Product Placement sind.
      Aber Blogs sind meist Ein-Mann-Betriebe, und da ist der Interessenkonflikt (und die Gefahr für die Glaubwürdigkeit) besonders groß. Wenn ich mit jemand kooperiere, hat das eindeutig eine andere „Qualität“, als wenn ich mir von Google algorithmisch irgendwelche Banner von Firmen reindrücken lasse, deren Werbeleute gar nicht wissen, wo ihre Reklame überhaupt landet, und die deshalb auch gar keinen Einfluss nehmen können.

      • Das hängt aber doch sehr von den Themen ab. Wenn man so Käseblatt-Nachrichten aus der Wirtschaft bringt und die Unternehmen gleichzeitig als Kunden haben will, hast du natürlich recht. Wenn aber ein Lokalblog keine Gastro-Kritiken veröffentlicht, sollte Werbung aus der Gastronomie unproblematisch sein. Und wenn ich übers Radfahren schreibe (Tourentipps oder Verkehrspolitik), gerate ich nicht in Konflikt, wenn ich irgendwann Fahrradgeschäfte als Anzeigenkunden haben sollte.

        Andererseits berichtete Regensburg Digital wohlwollend über den Wahlkampf einer Politikerin, die Anzeigenkundin ist, da wird es natürlich schwierig. Muss man aber nicht nachmachen.

      • „Wenn aber ein Lokalblog keine Gastro-Kritiken veröffentlicht, sollte Werbung aus der Gastronomie unproblematisch sein.“

        Das ist für mich keine Kooperation. Für mich ist das Wort anders belegt – im Sinne der berüchtigten Medienpartnerschaften, die ja schon den Kungel- und Gefälligkeitsjournalismus im Namen tragen. Ich musste beim Lokal-Blog übrigens schmunzeln:

        Jetzt fragt mich doch so ’n Typ, ob ich studier.
        Ich sag: „Ja, Wirtschaftspolitik, drum sitz ich hier.“
        Da sagt er, daß er von der Zeitung wär,
        und da wär er der Lokalredakteur.

      • Das ist für mich keine Kooperation. Für mich ist das Wort anders belegt – im Sinne der berüchtigten Medienpartnerschaften

        Verstehe. Manche Blogs rund um „Istlokal“ nennen ihre Anzeigenkunden „Partner“, wobei nicht klar wird, wie das gemeint ist.

        Ich musste beim Lokal-Blog übrigens schmunzeln:

        Demnach ist „Hyperlokalblog“ neudeutsch für das Blog, das am Tresen der Eckkneipe „Bei Zenzi“ ins auf Pump gekaufte Smartphone getippt wird?

  2. Wenn ich das richtig beobachtet habe, gibt es sogar Blogger, die Rankseller empfehlen, weil sie dafür Affiliate-Provision bekommen, aber in ihren Artikeln über SEO davon abraten, Links zu verkaufen, weil das schlecht fürs Ranking sein soll. Ob man das als Trennung von Redaktion und Werbung gelten lassen soll? 😉

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