Social Media oder: Die Demokratie im TL;DR-Zeitalter

Es ist Zeit, grundsätzlich zu werden. Unsere Demokratie ist in Gefahr. Damit meine ich nicht die Gefahr durch die Leute, die einem Björn Höcke nachrennen oder meinen, sie fänden seriöse Informationen auf Websites oder in YouTube-Kanälen, deren Hausgeist oder Sponsor der als KGB-Mann sozialisierte russische Präsident ist. Ich meine die Gefahr durch Verkürzung, durch das Eindampfen der politischen Kommunikation auf Twitter-Format. Wir erleben gerade den Ersatz von Information und Reflektion durch kampagnentaugliche Kampfbegriffe wie „Zensur“ und „Uploadfilter“, die den Diskurs töten und durch einen hektischen Schlagabtausch ohne Fakten und Argumente ersetzen. Aber „Too Long, Didn’t Read“ darf nicht unser Motto sein. Dann geht der Journalismus vor die Hunde – noch vor der Demokratie.

Als der Twitterer, Nationalist und Immobilienmogul @realDonaldTrump ins Weiße Haus einzog, hätte ich nicht gedacht, mir nur zwei Jahre später Sorgen um die Demokratie in Deutschland und Europa machen zu müssen. Das hat nichts mit selbsternannten Konservativen zu tun, die sich in Wirklichkeit einen autoritären Staat wünschen und Programme russischer Sender gucken. Die Gefahr besteht weder darin, dass eine Minderheit von 15 oder 20 Prozent der Bevölkerung erschreckend unmenschliche Ansichten hat, noch darin, dass manche Gutmeinenden so bevormundend auftreten, dass es die Fiesen provoziert, noch fieser zu werden. Sie lauert eine Etage tiefer: in den sich wandelnden Strukturen der elektronischen Kommunikation, die es den Höckes und Putins erleichtern, Menschen zu beeinflussen und zu instrumentalisieren (und in der Tatsache, dass die Schulen bis heute unzureichend erklären, wie Meinungsbildung im Internet abläuft). Dies hat nämlich nichts mit den von Freiheitssehnsüchten getragenen Idealen zu tun, die in den Anfängen unserer kulturgeschichtlichen Epoche – so vor 25, 30 Jahren – populär wurden. Es erinnert vielmehr an Edward Bernays, den Vater der modernen PR und Autor des berühmt-berüchtigten Buchs „Propaganda“. „Social Media oder: Die Demokratie im TL;DR-Zeitalter“ weiterlesen

Foodwatch: Wie dumm sind Verbraucher wirklich?

Ex-Greenpeace-Geschäftsführer Thilo Bode hat 2002 den Verein Foodwatch gegründet, der den Anspruch erhebt, für bessere Ernährung zu kämpfen. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat der kampferprobte Kampagnero vorigen Samstag wieder mal zum Besten gegeben, für wie dumm er die deutschen Verbraucher hält. Und er hat sich nicht auf die Lebensmittelindustrie beschränkt. So behauptet er ohne Beleg, mehr als die Hälfte der Autofahrer sei sich nicht im Klaren über den Spritverbrauch ihres Fahrzeugs:

Selbst wenn die in Deutschland verkauften Autos 40 Prozent mehr verbrauchten, als die Hersteller nach dem alten NEFZ-Standard angegeben haben, lässt sich daraus nichts darüber ableiten, was der jeweilige Autofahrer über den Verbrauch seines Wagens weiß. Er sieht, wie viel er tanken muss und wie weit eine Tankfüllung reicht; er hat wahrscheinlich sogar einen Bordcomputer, der ihm den Verbrauch halbwegs realistisch anzeigt. Dass der Wagen mehr säuft als in der Werbung stand, weiß er auch. Er hat sich damit abgefunden. 40 Prozent sind jedoch ein Wert, den man allenfalls mit einem Fahrstil erreicht, den nur jemand drauf hat, dem die Benzinrechnung und die Umwelt egal sind. Ich behaupte deshalb (ebenso freihändig wie Bode), dass die Mehrheit nicht so bleifüßig fährt, sondern sich über hohe Benzinrechnungen aufregt. Und ist es nicht ohnehin so, dass man nur etwas wissen kann, das auch stimmt? Wenn es bei der Mehrheit nicht stimmt, kann diese es gar nicht wissen.

Bei einer anderen Frage vergleicht Thilo Bode Autos mit Rindviechern:

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Wenn Vodafone (Kabel Deutschland) einen Blackout hat

Die Telekom ist schuld. Hätte der Magenta-Konzern mir am 15. Juli verraten können, wann hier in Kaufering endlich das fürs 3. Quartal 2017 versprochene Vectoring-Netz verfügbar sein wird, hätte ich nie die Dummheit begangen, von M-net zu Vodafone Kabel Deutschland zu wechseln. Ich wäre zähneknirschend zum Möchtegern-Monopolisten zurückgekehrt. Jetzt weiß ich, dass Vodafone in punkto Ignoranz gegenüber Kunden der Telekom mindestens das Wasser reichen kann. (Voda ist slawisch für Wasser, daher wohl der Name.)

19 Stunden Blackout ohne Information für den Kunden

Gestern gegen 15 Uhr war plötzlich das Internet weg, auch das Telefon war tot. „Wenn Vodafone (Kabel Deutschland) einen Blackout hat“ weiterlesen

Sehr verkehrte Pro-Chemnitzer, fiese Hooligans, …

…mir gehen da ein paar Dinge nicht aus dem Kopf. Ich verstehe ja, dass es einem mulmig werden kann, wenn sich eine gewisse Sorte mehr oder weniger junger Männer in der Stadt herumtreibt. Das können zum Beispiel Junkies oder Besoffene sein, die zu zugedröhnt sind, um sich unter Kontrolle zu haben, oder Schlägertypen, Berufs- und Gelegenheitskriminelle, Mitglieder von Gangs und „Rocker“-Banden (unsägliches Wort übrigens, ich liebe Rockmusik), Leute aus „dem Milieu“. Manchen steht die Brutalität ins Gesicht geschrieben, vielleicht auch, weil sich ihre Züge im Knast verhärtet haben. Wenn die in Sicht sind, wechsle ich gerne mal die Straßenseite.

Zu dem ohnehin vorhandenen und viel zu großen Reservoir an Dreckskerlen kommt jetzt durch Migrationsbewegungen sicherlich ein gewisser Prozentsatz an ebensolchen hinzu, so dass der Dreckskerlindex beispielsweise von Chemnitz jetzt möglicherweise bei 102,9 Punkten liegt (2015 = 100). Mir ist es allerdings völlig egal, welche Haut- oder Haarfarbe so ein Dreckskerl hat oder in welchem Land er geboren ist. Herkunft spielt durchaus eine Rolle, aber nicht die geografische, ethnische oder religiöse, sondern die soziale.

Wenn Sie ein bekennender Schlechtmensch sind, können Sie jetzt natürlich den Standpunkt vertreten, man dürfe heutzutage unchristlich sein, und sich einen feuchten Kehricht um die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte kümmern. Sie können sagen, dass Ihnen die einheimischen Dreckskerle reichen und dass deshalb die 97 Prozent freundlichen und harmlosen Exemplare unter den Menschen, die zu uns gekommen sind, leider Pech haben. Sie können versuchen, für Ihre menschenverachtende Haltung eine parlamentarische Mehrheit zu bekommen. Die Partei für solche Typen gibt es ja schon.

Aber ich habe da mal eine Frage an Sie, weil ich es wirklich nicht verstehe: Wie kann man einen Menschen nur wegen seines Aussehens hassen, beschimpfen, bedrängen? Also nicht wegen seines Verhaltens oder selbst verantworteten Zustands (z.B. zugedröhnt)?  „Sehr verkehrte Pro-Chemnitzer, fiese Hooligans, …“ weiterlesen

Seehofer ist nicht für Law & Order

Unglaublich. BMI Seehofer ist „froh über jeden, der bei uns in Deutschland straftätig wird und aus dem Ausland stammt“. Hat er laut BR am 2.8.2018 in Töging gesagt. Hier der O-Ton aus der Sendung mit den Stefans zwei Tage später.

Übrigens sollte Seehofer wissen, dass es „straffällig“ heißt.