Internet = Emoticon + Enquete ?

Die Enquete-Kommission des Bundestages zur staatlichen Reglementierung des Internets hat ihre Empfehlungen ausgesprochen – und nicht das gesagt, was Schwarzgelb wollte. Es geht um wirklich ernsthafte Fragen, zum Beispiel auch ums Urheberrecht.

Aber: Es geht ums Internet. Da braucht eine Zeitung Links, die man dazustellen kann. Irgendwelche Links, Hauptsache etwas, das der Laie mit „Online“ verbindet, am besten was Unterhaltsames, denn die Leser eines Handelsblattes wollen sich ja unterhalten und nicht bilden oder informieren.

Irgendwas mit Internet

Na gut, bei dem diese Links umgebenden Text ist es vielleicht auch gut, wenn Infotainment von ihm ablenkt: „Internet = Emoticon + Enquete ?“ weiterlesen

Internet Killed The Newspaper Star? Stimmt nicht!

Sabria David, Slow-media-Spezialistin und Panel-Partnerin auf dem Medienforum Köln, mailte mir gerade einen Link zu einer Grafik, die belegt, dass die Tageszeitungen schon auf dem absteigenden Ast hockten, bevor das WWW das Licht der Monitore erblickte. Ursprünglich veröffentlicht hatte dies Holger Schmidt, bisher „Netzökonom“ der FAZ und gerade vom Focus dort abgeworben.

 

 

 

Leif-Berichterstattung: Der Pate der Netzwerker geht

Die SZ widmet der Jahrestagung des Nettzwergs Netzwerks Recherche (NR) großen Raum. Festredner Günter Grass bekam die ganze erste Feuilleton-Seite, die Medienseite wird beherrscht von einem Bericht über den Abgang des Vorsitzenden Thomas Leif aufgrund eines Eklats um ungerechtfertigt beantragte Subventionen der Bundeszentrale für Polititsche Bildung. An diesem Text verblüffete mich ein erschütternd naiver Satz:

„Bis Freitag schien auch Thomas Leif über jeden Zweifel erhaben.“

„Ein Vorbild in Erklärungsnot“, SZ vom 4. Juli 2011 (Medienseite)

Erschütternd deshalb, weil es explizit um Recherche geht – also auch darum, wie sehr sich der Reporter in die Materie eingearbeitet hat. Bei einer (zumindest in Journalistenkreisen) derart exponierten Figur wie Leif nicht zu wissen, wie umstritten dieser berühmte Kollege vom SWR-Fernsehen seit mindestens fünf Jahren ist, „Leif-Berichterstattung: Der Pate der Netzwerker geht“ weiterlesen

Schreiben für den Insolvenzverwalter

Meine Ex-Kollegin Katja Kullmann – sie war sehr jung damals, anno 2001 bei BIZZ – hat ein Buch über die prekäre wirtschaftliche Lage unserer Zunft geschrieben. Das Werk ist Rezensenten von FAZ bis SZ lange Riemen in prominenter Platzierung wert. Wenn jetzt viele Menschen das Buch kaufen, wenn es womöglich ein Bestseller wird, was hat Katja davon? Finanziell erst mal Null Komma gar nix, denn der Verlag heißt Eichborn – ist also, wie man weiß, selbst in prekärer Lage, nämlich insolvent.

Wenn der Inso-Verwalter eines Verlags durch Bestseller Geld in die Kasse kriegt, dann mag das schön sein für die Gläubiger. Aber ungleich schöner als für die Bestsellerautoren „Schreiben für den Insolvenzverwalter“ weiterlesen

Aus meinem Archiv: DAB

Die Süddeutsche widmet heute ihre komplette Medienseite dem verkorksten Versuch, das Digitalradio DAB mit dem Zusatz „Plus“ doch noch durchzusetzen („Das große Wellenbrechen“).

Eine schöne, kritische Aufarbeitung eines Projekts, das bei mir ein déja vu auslöst. Dass DAB ohne realistischen „Business Case“ aufgesetzt wurde, ist so gar nicht neu.