SilverSlow: Guten Rutsch in der Service-Eiswüste

SilverFast heißt eine Software, die angeblich ganz toll für die Bearbeitung eingescannter Fotos ist. Meinem neuen Scanner lag sie bei, ich habe versucht, sie zu installieren – erfolglos. Das heißt: Das Holperprogramm mit dem Charme und Chic der Windows-3.1-Ära läuft zwar irgendwann murrend an, ignoriert aber konsequent den Scanner. Vermutlich ist es nicht kompatibel mit Apples Betriebssystem-Release Snow Leopard 10.6.6.

Wäre dieses grandios vermurxte Stück Code nicht im Preis der Hardware enthalten gewesen, ich hätte auf der Stelle mein Geld zurückverlangt. SilberSchnell hat mich eine Stunde meines Lebens gekostet, ohne dass ich ein einziges Bild hätte scannen können.

Da ich nicht einsehe, mich vom Anbieter für dessen eigene Fehler auch noch mit einer Telefon-Abschreckgebühr von 60 Cent pro angefangener Reklamationsminute bestrafen zu lassen, habe ich mich per Mail beschwert – heute, am 18. Januar.

Die prompte Antwort hat mich dann doch überrascht. Hier die vollautomatischen Grüße aus der winterlichen Service-Eiswüste Schleswig-Holsteins (ich wiederhole noch mal das Datum: 18. Januar):

„Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,

Aufgrund der Feiertage kann es kurzzeitig zu Verzögerungen  bei der Beantwortung Ihrer Anfrage durch unseren Support kommen.

Hierfür bitten wir Sie um Verständnis und wünschen Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit. Gleichzeitig möchten wir uns bei Ihnen für die gute Zusammenarbeit auch in diesem Jahr bedanken und wünschen Ihnen einen guten Rutsch für 2011. …

… Jede Anfrage an unsere Support-Mitarbeiter wird schnellstmoeglich beantwortet.“

Enthüllt: Den Mac gibt’s seit 1977

Eine sensationelle Information versteckt die Süddeutsche ganz beiläufig im heutigen Wirtschaftsaufmacher. Es geht um den Apple-Chef und Transplantationspatienten Steve Jobs und seine Erfolgsprodukte.

„Im April 1976 gründete er mit Steve Wozniak eine Computerfirma, nannte sie Apple. Ein Jahr später verkauften sie den ersten Macintosh, den Computer mit der Maus.“

Bisher hatte alle Welt geglaubt, der erste Mac sei 1984 in den Handel gekommen und der im April 1977 vorgestellte Computer, der die beiden Steves zu Millionären machte, habe erstens Apple II geheißen und sei zweitens noch mauslos gewesen.

Aber man lernt ja nie aus. Von dem zweiköpfigen Autorenteam, das sich den interessanten Text aus den Fingern gesogen erarbeitet hat, stammt auch die bemerkenswerte medizinische Einordnung der Jobs’schen Lebererkrankung als „Rückfall“ nach seinem Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Bewunderung verlangt mir auch das Rechenkunststück des Duos ab, die Aktie von Apple habe gestern „an den deutschen Börsen zeitweise fast ein Zehntel ihres Werts“ eingebüßt, „mehr als 15 Milliarden Euro“. Meines bescheidenen Wissens lag der Wert der Aktie eher um die 250 Euro. Der Wert des ganzen Unternehmens wiederum liegt nach Ansicht der wahrscheinlich schlecht informierten Redaktion von Onvista bei 240 Milliarden Euro bzw. 320 Milliarden Dollar. Der zum Starrsinn neigende virtuelle Taschenrechner meines Macbooks behauptet, 15 Milliarden seien 6,25 Prozent von 240 Milliarden, nicht fast zehn Prozent.

Leider kann ich dieses unzuverlässige Gerät nicht mehr umtauschen. Ich meine: SZ-Wirtschaftsredakteure können ja nicht irren, oder?

P.S.: Einen Kommentar hat das Blatt auch noch dazu geschrieben. Darin zieht der (am Bericht nicht beteiligte) Autor einen putzigen Vergleich zwischen Jobs und dem 87-jährigen Hariboss Hans Riegel junior, Bonn. Naja, Vergleich? Bekanntlich ist ja nicht alles, was hinkt… Beim kinderlosen Goldbärentycoon geht es eigentlich nur um die Frage, wer den Laden erbt. Bei Apple geht es vor allem darum, dass Tim Cook das Charisma abgeht und es schwer wird, den Medienhype am Kochen zu halten, falls der Star tatsächlich nicht mehr auf die Bühne zurückkehren sollte. Dass Jobs, der seinen Gesundheitszustand in letzter Zeit wohl kaum ignoriert haben dürfte, nicht vorgeplant haben soll, ist schon eine mutige Unterstellung. Er war halt nie der Typ, der das an die große Glocke hängen würde.

Ich brauche keinen Messestand!

Das habe ich auch Xing mitgeteilt – mit der Bitte, vielleicht diesmal dem Spam-Absender eins vor den Koffer zu geben. Tja, natürlich ist das KEIN Spam, wenn man einem wildfremden freien Journalisten anbietet, ihm einen Messestand zu errichten. Warum nicht? Keine Begründung. Wozu auch?

Jetzt erwarte ich als nächstes Sonderxingebote der aus dem Faxeingang bekannten Versender von Bürogewächsen (Benjaminfeigen), Radarwarnern, Verbandskästen und V14gra. ViAgr4? Klar, man kann meinem Profil ja entnehmen, dass ich ein Mann in der zweiten Lebenshälfte bin.

Immerhin erheiterte mich der Quality-and-Security-Mitarbeiter Christian N., mit dem ich bereits vor Monaten virtuelle Bekanntschaft hatte machen dürfen, mit folgender Spitzenleistung:

WARUM soll ich das Profil dieser Person öffnen?

Groupon & die New-Economy-Blase 2.0

Ja, ich habe mich mal bei Groupon registriert, diesem Online-Laden für Schnäppchenjäger, über den jetzt alle schreiben, weil er so furchtbar wertvoll sein soll. Natürlich habe das nicht getan, weil ich meine, mich mit anderen Schnäppchenjägern sozialvernetzen zu müssen, sondern weil ich über die digitale Wirtschaft schreibe…

Groupon-Deal des Tages am 15. Januar 2011

…und daher vieles teste, auch wenn ich es nicht überzeugend oder das Geschäftsmodell nicht plausibel finde.

Ich war jedenfalls froh, als ich mich wieder abmelden konnte vom Verteiler dieser konsumterroristischen Pseudo-Verbrauchervereinigung. Nichts, aber rein gar nichts von den Produkten oder Dienstleistungen, die mir in gnadenlosem Stakkato mit angeblich höchster Dringlichkeit (verpasse bloß nie wieder was!) ins ePostfach geballert wurden, hatte meine Aufmerksamkeit verdient. So gab es natürlich kein iPad mit 50 Prozent Gruppenrabatt, „Groupon & die New-Economy-Blase 2.0“ weiterlesen

Vermischte Fehler…

…in der Süddeutschen:

Die Mehrzahl von Real, der brasilianischen Währung, heißt nicht Reales, wie ein des Spanischen, aber wohl nicht des Portugiesischen mächtiger Mitarbeiter schreibt. Auch nicht Realos. Sondern Reais.

Freimaurer und Juden neigen auch nicht, wie ein Feuilletonist unfreiwillig suggeriert, zu Masochismus. Darum werden sie nicht gern hinter Verschwörungen vermutet, sondern allenfalls von zu vielen Spinnern.

Ach ja: Der Infinitiv zu „es quillt“ ist nicht quillen, sondern quellen. Das Versandhaus hieß ja auch nicht Quille.