Müllermilch-Hohensteins Qualitätskompetenz

Redakteure des Onlinespiegels (und andere) sollten sich bei eigener Bildungslückenhaftigkeit nicht unbedingt darauf verlassen, dass ddp schon alles richtig macht:

„Der umstrittene Vertrag zwischen der ZDF-Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein und der bayerischen Molkerei Weihenstephan ist aufgelöst worden. Müller-Hohenstein wird mit sofortiger Wirkung von ihren vertraglichen Verpflichtungen als Schirmherrin des Qualitätsbeirats entbunden, wie der Konzern am Dienstag in Freising mitteilte.“

SpOn, 6.7.2010

Besagte Molkerei war nie ein Konzern, sondern früher mal die im Marketing sehr erfolgreiche Milchvermarktungsbehörde des Freistaats Bayern. Seit einigen Jahren ist die ehemals Staatliche Molkerei Weihenstephan Teil eines Konzerns, und dessen Name ist Müller. Theo Müller.

Markenbotschafterin KMH hat also den Bohlen gemacht, nur eben für die Edelmarke des Müllers aus dem Allgäu. Dass der Guteste nun seinen Qualitätsbeirat sowie dessen Schirmherrin im Regen stehen lassen muss, ist schon witzig zu nennen. Ich hätte nie gedacht, dass ein erfahrener Molkereimeister und Großunternehmer auf die Kompetenz einer Sportjournalistin angewiesen ist, damit die Qualität seiner Produkte stimmt 😉

Protz-Gaudi auf Rädern

Rallyestreifen sind out. Der moderne Proll inszeniert sich mit einer mobilen Diaschau auf LED-gespickten Autofelgen.

Es ist wirklich kein Wunder, wenn sich am Wirtschaftsstandort Deutschland keine international konkurrenzfähige Gangsta-Rapper-Szene entwickeln kann. An ultracoolen Machomachos, die in blankpolierten Protzschlitten mit verdunkelten Scheiben durch einschlägige Großstadtreviere gockeln, bestünde eigentlich kein Mangel. Solange aber die hauptamtlichen Spaßbremsen vom Kraftfahrtbundesamt jeder halbwegs extravaganten Kfz-Sonderausstattung stur die Typgenehmigung verweigern, nur weil sie die Verkehrssicherheit beeinträchtigen könnte, haben die Jungs es verdammt schwer, herauszuragen aus der Flotte all der schwarzen SUV -Karossen. Blaue LED-Zierlämpchen hat ja heute jeder Vollhorst an der Karre.

Wie schön, dass uns wenigstens YouTube immer wieder zeigt, wie das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten die Persönlichkeitsentfaltung sozial benachteiligter Jugendlicher fördert. Wenn in amerikanischen Citys die blaue Stunde schlägt, machen sie sich auf den Weg, die jungen Aufsteiger mit den etwas unklaren Einkommensquellen, und schalten den „Dub Pimpstar“ scharf, laut Hersteller die heißeste Innovation seit Erfindung des Rades. Die Dinger sind eine Kreuzung aus Alufelge, digitalem Bilderrahmen und mobiler Lichtorgel. Doch der eigentliche Clou ist die Echtzeit-Wasserwaage: Der Wagen kann rollen, wie er will. Das Bild dreht sich nicht etwa mit wie der Inhalt einer Waschmaschinentrommel – es bleibt zuverlässig im Lot, ganz so, als rotierte der Reifen um die illumi- nierte Felge.

Mit dem wetter- und waschanlagenfesten Pimpstar verbindet der moderne Aufschneider das Angenehme mit dem Nützlichen. Er zieht mindestens so viele Blicke auf sich wie die Altvorderen, die ihre Schlitten noch in mühevoller Kleinarbeit mit Airbrush-Kunstwerken dekorierten, nur um dann zu kapieren, wie schnell sich die Menschen satt sehen an all den Höllenmonstern, Bikini-Schönheiten oder Sonnenuntergängen am Strand von Hawaii. Wer seine Auftritte per Software inszeniert, kann seine Mitmenschen jeden Tag aufs Neue verblüffen. Und er braucht sich keine Gedanken zu machen, wie er die peinlichen alten Tattoos wieder vom Lack abkriegt.

Im Zeitalter der programmierbaren automobilen Selbstinszenierung sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Mit seinen Leuchträdern kann der Fahrer dem Schleicher, den er rechts überholt, den virtuellen Stinkefinger zeigen oder der Blondine im Cabrio nebenan derart den Kopf verdrehen, dass es kracht. Hip-Hopper lassen die Räder im Takt der 500-Watt-Bordaudio-Wumme oszillieren, Hansi-Hinterseer-Fans geben zu Alpenpanoramen Gummi. Leider gibt es zwei kleine Haken. Erstens: Der Bling-bling-Spaß passt nur auf hochbeinige Vehikel. Zweitens: Er ist teurer als manch alter Mercedes. Für einen Bausatz im standesgemäßen 26-Zoll-Format muss der optische Krawallmacher mal eben 16.050 Dollar berappen.

Da hilft im Zweifelsfall nur, sich Sponsoren zu suchen. Mit deren Botschaften unterhält man dann als rollender Werbeträger die Mitmenschen, die im täglichen Stau zur Arbeit für jede kleine Ablenkung dankbar sind. Erfolgversprechender als die neue Masche der deutschen Marketing-Guerilla, in wirklich jeder kostenlosen Parklücke einen mit Reklame zugepflasterten Autoanhänger abzustellen, ist das allemal.

ULF J. FROITZHEIM, TR-Kolumnist, möchte mit seinem Allerweltsauto lieber unauffällig bleiben – nicht nur für die Polizei.

Aus der Technology Review 7/2010, Kolumne FROITZELEIEN

Das, äh, die Grauen im Bayerischen Rundfunkrat

"In Bayern scheinen die Uhren immer noch anders zu gehen als im Rest der Republik."

"Amtsmüde Parteisprecher aller Couleurs dürfen sich jetzt wieder Hoffnungen machen, dass sie eines Tages mit lukrativen Posten bei öffentlich-rechtlichen Sendern belohnt werden."

epd

Der aktuelle BJVreport befasst sich mit dem bevorstehenden Wechsel von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm auf den Intendantenposten beim BR und auch mit der Rolle von Dr. Wolfgang Stöckel, dem 1. Vorsitzenden des BJV und stellvertretenden Vorsitzenden des Fernsehausschusses im Rundfunkrat. Einige Informationen daraus sind durchaus diskussionswürdig. Immerhin brachte Stöckel…

"Im BR-Rundfunkrat hätten die unabhängigen Mitglieder gar keine Chance, einen Kandidaten durchzusetzen, der nicht CSU-nah sei, sagte Rundfunkratsmitglied Wolfgang Stöckel dem epd."

epd

…etwas Transparenz in die Funktionsweise bayerischer Hinterzimmerdiplomatie. Der Redakteurin offenbarte er, im Rundfunkrat Mitglied eines Zirkels um den emeritierten Professor Hans Georg Lößl gewesen zu sein, der am Rosenmontag (also am 15. Februar 2010) im Münchner Bahnhofshotel seinen Favoriten Wilhelm beschnuppert (und dann dessen Wahl forciert) habe. „Das, äh, die Grauen im Bayerischen Rundfunkrat“ weiterlesen

Umdenken in Energiefragen

Wenn man über Energie schreibt, kommt man ums Aktualisieren kaum herum. In der Mai-Ausgabe der brand eins hatte ich versucht, die Frage zu beantworten: "Woher nehmen wir eigentlich die Energie…", ergänzt um einige Relativsätze. Bei Redaktionsschluss war die Bohrplattform Deepwater Horizon noch heil, auch die Entscheidung über eine Laufzeitverlängerung für deutsche AKWe war offen.

Jetzt ist einiges klarer, aber keineswegs in einer Weise, die einen freuen könnte, und das nicht nur wegen des versauten Golfs von Mexiko, sondern auch wegen der deutschen Energie-"Politik". So ist endgültig klar, dass der Unionspolitiker mit dem besten Durchblick und der größten Weitsicht, Norbert Röttgen, nicht so darf, wie er will. Den volkswirtschaftlich fatalen Ablasshandel mit der Atomwirtschaft, Merkels Zugeständnis an Betonpolitiker wie Stefan Mappus und den verantwortungsflüchtigen Roland Koch, hat der Umweltminister schlucken müssen. Sofern sich die Bundesregierung denn halten kann, geht es nur noch um den Umfang des Laufzeitzuschlags, nicht mehr um die Frage, ob es beim Atomausstieg bleibt oder nicht. Der Ausstieg aus dem Ausstieg kommt.

Der schlechte Witz daran ist, dass jetzt eine angebliche Brückentechnik (klassische Nuklearenergie) begünstigt wird, dadurch aber auf wundersame Weise das gegenüberliegende Ufer just um die Länge des eingefügten Brückenstücks in die Ferne verschoben wird. „Umdenken in Energiefragen“ weiterlesen

BJVreport: Covers ab 2002