Thomas Holtrop leitet ganz leise Europas größten Internet-Provider T-Online.
Neun mal „klick!“. Nicht mal ein Film. Nach zwei Minuten hat das Motiv vom Posieren genug. Ohne weiter auf den Mann hinter der Kamera zu achten, macht sich Thomas Holtrop aus dem Staub. Hält sich nicht mit Höflichkeitsfloskeln auf. Schert sich nicht um den ungläubig staunenden Fotografen, den verdatterten Kameraassistenten, den verdutzten Reporter oder um seine eigene, vor Verlegenheit rosarot anlaufende Pressesprecherin. Eilt zurück in den Festsaal von Kastens Hotel Luisenhof in Hannover, wo sein Boss Ron Sommer gerade die letzten Journalisten abschüttelt, und reiht sich in den Hofstaat ein.
„So etwas ist mir noch nie untergekommen“, entfährt es dem unerwartet arbeitslosen Fotomann, der im Foyer eigens eine Studioblitzanlage aufgebaut hatte, um den Vorstandsvorsitzenden von T-Online nach der Cebit-Pressekonferenz ins rechte Licht zu rücken. Auf den Schreck einen Espresso in der Hotelbar. „Das war die kürzeste Session in meiner ganzen Karriere.“ Zweifellos. Wenn Konzernbosse sich ablichten lassen, bringen sie sonst ein Mindestmaß an Zeit und Geduld mit. Damit nachher auch garantiert ein Schuss auf der Rolle ist, auf dem sie so rüberkommen, wie sie sich selbst am liebsten sehen: vorteilhaft, souverän, entspannt. Die Augen offen, die Mundwinkel nicht verkrampft. Unter 36 Bildern klappt das selten.
Nicht so bei Holtrop. Als der Film entwickelt ist, beruhigt sich der Fotograf wieder. Guckt der Kerl dem Betrachter doch derart professionell ins Gesicht, als hätte er nie in seinem Leben etwas anderes gemacht. Perfekte Pose, freundliches Pokerface. Adrett im dezenten Anzug. Würde bei einem Casting in entsprechender Kleidung ebenso gut als Ex-Boxer oder gereifter Fitnesstrainer durchgehen. Leicht melancholische Hundeaugen kompensieren das Harte an seinem kantigen Schädel. Wo hat er den Blick bloß gelernt? „Porträt: Dr. Sommers Beisitzer“ weiterlesen





