Porträt: Amazons Lachsalver

E-Commerce-Pionier Jeffrey Bezos lässt sich durch schlechte Nachrichten niemals die Laune verderben. Der fidele Chef des weltgrößten Online-Shops verheizt seit Jahren Milliardenbeträge. Schon oft wurde sein Geschäft totgesagt. Seine Aktionäre brauchen einen langen Atem.

 

Amerikanische Wirtschaftsjournalisten verfallen in Lyrik, wenn ihnen Jeffrey Preston Bezos etwas vorlacht. Um die Geräusche aus dem Zwerchfell des 37-jährigen Internet-Unternehmers in Worte zu fassen, entgleiten ihnen Formulierungen wie „ein Esel, der Hummeln gurgelt“ oder „der Ruf eines Schwarms kanadischer Gänse unter Lachgas“. Mitschnitte von Interviews finden sich im Internet unter Links wie „Hören Sie Jeff lachen“. Fotografen tun sich unendlich schwer damit, Bezos mit grimmiger Miene zu erwischen. Der Gründer von Amazon.com kichert und gluckst, giggelt und grinst auch dann unbeirrbar weiter, wenn alle anderen denken, er hätte nun wirklich nichts mehr zu lachen. Kapiert der Chef des legendären Web-Shops den Ernst seiner Lage nicht? Oder ist sie ihm egal? Er hat mit Amazon 1,7 Milliarden Dollar Verlust fabriziert und zwei Milliarden Dollar Schulden gemacht. Darf jemand, der so viel fremdes und ein bisschen eigenes Kapital verheizt hat, so unverschämt gut drauf sein?

Bezos darf. Von dem Batzen Geld, das ihm mutige Investoren vor der E-Commerce-Baisse anvertraut haben, ist – außergewöhnlich in der New Economy – noch immer etwas da. „Porträt: Amazons Lachsalver“ weiterlesen

Hoffnungen zerfließen

Portale. Der Niedergang von Yahoo reißt viele Wettbewerber mit. Web.de hält dagegen.

Auf den Servern von Yahoo tobt das Leben wie in einem Ameisenhaufen. 185 Millionen Computerbesitzer in aller Welt nutzen die Web-Seiten des größten und bekanntesten Internet-Portals als Startpunkt für Surf-Ausflüge. Da kommt schon mal eine Milliarde Seitenabrufe pro Tag zusammen. Dass die Rechner unter dieser Last nicht zusammenbrechen, ist zwar technisch ein Meisterstück. Börsianer haben den Respekt vor dieser Leistung allerdings verloren. Sie interessiert nur, was bei dem Online-Werbeträger unter dem Strich hängen bleibt. Und das ist nicht viel. Pro Nutzer und Quartal nehmen die Kalifornier nur einen knappen Dollar ein; kaum genug, um die laufenden Kosten zu decken. „Hoffnungen zerfließen“ weiterlesen

Porträt: Großer kleiner Bruder

Steve Case, Chef von AOL Time Warner, ist der mächtigste Medienunternehmer der Welt. Und vielleicht der bescheidenste.

Lustige Spitznamen klingen für die Betroffenen oft ziemlich gemein. Vor allem, wenn sie durch ein Wortspiel aus ihrem Namen gebildet werden. Als der US-Investmentbanker Dan Case III. seinem jüngeren Bruder Steve einen Job im Management des Start-ups Control Video vermittelte, nannten die Mitarbeiter sie bald „Upper Case“ und „Lower Case“ – Großbuchstabe und Kleinbuchstabe. Dann arbeitete sich der Kleine hoch. Seine Gelassenheit und Unbeirrbarkeit in Stress-Situationen trug dem damals 24-Jährigen das Attribut „die Mauer“ ein. Die Fähigkeit zum Zuhören, ohne sich seine Gedanken anmerken zu lassen, den Titel „der Schwamm“. Hätte die Belegschaft geahnt, welchen Medienmoloch Steve bis zur Jahrtausendwende aus der Videospiel-Klitsche machen würde, hätte sie ihm nur einen Spitznamen gegeben: „Citizen Case“.

Der Aufstieg des Stephen M. Case, geboren am 21. August 1958 in Honolulu, ist in der Tat hollywoodreif: Ein junger Bursche, der seine Karriere mit Produkten begann, die niemand brauchte – Pizzas mit exotischen Toppings und mit Haarfestiger getränkte Wegwerftücher – wird dank Internet zum mächtigsten Mann der globalen Informations- und Meinungsindustrie. Verglichen mit seiner Einflusssphäre war sogar das Imperium des Großverlegers William Randolph Hearst überschaubar, der vor 60 Jahren den jungen Orson Welles zur Figur des Charles Foster Kane inspirierte. Als Chairman der AOL Time Warner Inc. kontrolliert Case nicht nur den größten Online-Dienst der Welt mit annähernd 30 Millionen Mitgliedern, sondern auch Magazine wie „Time“, „People“ und „Fortune“ „Porträt: Großer kleiner Bruder“ weiterlesen

Die Zukunft der mobilen Welt

In deutschen Labors arbeiten Forscher weltweit federführend an der Realisierung einer großen Vision: Maschinen verstehen Menschen – wo auch immer, wann auch immer. Tastaturen wollen sie ins Museum bringen, Bedienungsanleitungen überflüssig machen. Multimediale Butler im Westentaschenformat, die uns überall hin begleiten, sehen, hören und fühlen.

 

Alan Turing war seiner Zeit zwei Generationen voraus. Bevor es er zu Lande auch nur Fernsehen gab, erfand der britische Mathematiker bereits den Online-Chat. Und zwar einen mit intellektuellem Anspruch. Via Terminal befragt ein Mensch zwei Gesprächspartner. Einer von ihnen ist ein Computer. Kann der Interviewer aus den Antworten beim besten Willen nicht mehr herauslesen, wer sein humanoider Artgenosse ist und wer der kybernetische Organismus, ist nach Turing’scher Lehre die Ara der künstlichen Intelligenz angebrochen.

50 Jahre später könnten Laien glauben, die Informatiker seien ihrem Ziel, Maschinen die hohe Kunst der Konversation zu lehren, sehr nahe. Elektronische Schaltkreise hören uns zu, lesen uns ziemlich verständlich Texte vor, gewinnen sogar Schachturniere. Software-Robots und virtuelle Agenten im Internet drücken sich gewählter aus als der durchschnittliche Chat-Teilnehmer. „Die Zukunft der mobilen Welt“ weiterlesen