Sprachliche Blähungen und optisches Tuning

Was machen Journalisten, die kein Gefühl für die Größe einer Zahl haben? Sie bewerben sich beim Wirtschaftsteil. Wenn sie (oder Sie, liebe Leserin, lieber Leser) Pech haben, hat der Ressortleiter kein Gespür fürs Thema und lässt diese Schreiber gewähren. Für beide Kollegen ist Relevanz auf jeden Fall eine quantitative Dimension. Zahlen müssen möglichst groß sein. Dabei kommt dann oft eine „allein“-Formulierung heraus, die allein dazu da ist, einer Zahl das nötige Mindestgewicht zu verleihen. „Optisches Tuning“ nannte man diese Art von Wichtigtuerei beim Manta mit Heckspoiler und Rallyestreifen. Also meldete kürzlich die Süddeutsche:

„Auf Twitter gab es allein im zweiten Quartal dieses Jahres 263 Millionen Einträge zu Fernsehsendungen.“

Nun hat das Jahr allein im zweiten Quartal 91 Tage. An einem gewöhnlichen Tag muss man also von den 263 Millionen Einträgen allein 90 Einundneunzigstel abziehen, um sich der Größenordnung der Menschen anzunähern, die diese Einträge verfassen. „Sprachliche Blähungen und optisches Tuning“ weiterlesen

Internetfirmen wollen Stromsubventionen

EEG-Hub

Der FDP-Mövenpick-Gedächtniskrake für den gierigsten Abgreifversuch des Monats geht an Bernhard Pussel, deutscher Repräsentant des Netzbetreibers City Of London Telecommunications (COLT) sowie Vorstand des Digital Hub FrankfurtRheinMain e.V., eines notleidenden Lobbyclubs, der sich nicht mal mehr Leerzeichen, Schräg- oder Bindestriche für seinen Namen leisten kann und deshalb FrankfurtRheinMain schreibt, als sei das ein Wort. Offenbar ist ihm für die zwei zusätzlichen Bytes in Frankfurt/Rhein-Main der Strom zu teuer.

Oder warum sonst fordert Pussel, dass die von der unfair hohen EEG-Umlage gebeutelten deutschen Privathaushalte einschließlich der internetfernen 90-jährigen Witwe im Breitband-Nichtausbau-Gebiet gefälligst den Mitgliedern seines Vereins einen Teil ihrer Stromrechnung zahlen? Richtig gelesen: Pussel verlangt, dass Sie und ich NOCH MEHR EEG-Zuschlag aufgebrummt bekommen und im Gegenzug den Internetfirmen dieser Zuschlag ganz erlassen wird. „Internetfirmen wollen Stromsubventionen“ weiterlesen

Ich bin kein zertifizierter Qualitätsjournalist

Nach ausgiebigem Blick in die Weltgoogle glaube ich behaupten zu können, dass Thomas Gerald Müller und Manfred Orle keine Qualitätsjournalisten sind. Das hat aber wirklich nur am Rande damit zu tun, dass sich die beiden Spezln als einzige Vertreter einer „Medien“-Organisation (nämlich des Deutschen Medien-Verbandes e.V.) für die „größte Prominenten-Jury aller Zeiten“ nominieren ließen, nämlich die des größten Flops unter den überflüssigen deutschen Promi-Selbstbeweihräucherungs-Events, auch „Star Award“ genannt. (Die Gala wurde abgesagt, weil sich nicht genug Sponsoren fanden, was für eine gewisse Einsichtsfähigkeit der einschlägigen Entscheidungsträger spricht. Der Preis wurde von den einschlägigen Boulevardmedien nicht einmal des Ignorierens wert befunden.)

Der nicht verliehene deutsche Nicht-Oscar 2013, der Arno Breker gefallen hätte
Der nicht verliehene deutsche Nicht-Oscar 2013, der Arno Breker gefallen hätte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Müller ist kein Journalist, sondern Unternehmer und Jurist – und als solcher Partner einer Kanzlei, die sich im Web als „klassische Anwaltsboutique mit Standorten in Berlin und Mainz“ empfiehlt. Orle ist Diplom-Kaufmann „Ich bin kein zertifizierter Qualitätsjournalist“ weiterlesen

Das Streiflicht war auch schon mal besser…

…als heute. Die Glosse auf Seite 1 der Süddeutschen widmet sich dem Mars-Produkt Raider alias Twix („sonst ändert sich nix“). Twix heißt jetzt, wie die SZ behauptet, wieder Raider. Das ist laider nur die halbe Wahrheit. „Das Streiflicht war auch schon mal besser…“ weiterlesen

1-2-3…Nein! oder: Vorsicht, Di.ebay.sgut?

Mein Macbook kommt in die Jahre, ich würde mir gerne ein aktuelleres Modell zulegen. Also schaue ich bei ebay rein. Da gibt es jede Menge recht neuer Macbook Pros. Seltsam ist aber: Immer wieder bieten irgendwelche Pappenheimer fabrikneue, originalverpackte, ja sogar noch eingeschweißte oder „versiegelte“ Geräte an – als Privatverkauf ohne Garantie.

Ab und an ist jemand dabei, dem ich abkaufe, dass er den Computer bei einem Preisausschreiben gewonnen hat. Normalerweise machen sich die Anbieter aber gar nicht die Mühe zu erklären, wieso sie sich ein Notebook der 1000-Euro-Klasse zulegen und es dann nicht einmal auspacken und ausprobieren, bevor sie beschließen, dass sie es doch nicht wollen. Dann erlaube ich mir, nach diesem Grund zu fragen. Ich bitte um Verzeihung für mein Misstrauen und erkläre, dass mir das Risiko zu hoch ist, im Reparaturfall in den Apple-Store zu marschieren und dann zu erfahren, dass mein Gerät in der Fahndungsliste steht. Das Thema Hehlerware ist mir halt vertraut, seit ich einst auf einen eifrigen „Privat“-Verkäufer eines Gigaset-Schnurlostelefon-Modells stieß, das Siemens ausschließlich an Geschäftskunden verkaufte. Es gab schlichtweg keinen legalen Vertriebsweg für Neugeräte, auf dem die Ware zu dieser Person gelangt sein konnte. „1-2-3…Nein! oder: Vorsicht, Di.ebay.sgut?“ weiterlesen