Was machen Journalisten, die kein Gefühl für die Größe einer Zahl haben? Sie bewerben sich beim Wirtschaftsteil. Wenn sie (oder Sie, liebe Leserin, lieber Leser) Pech haben, hat der Ressortleiter kein Gespür fürs Thema und lässt diese Schreiber gewähren. Für beide Kollegen ist Relevanz auf jeden Fall eine quantitative Dimension. Zahlen müssen möglichst groß sein. Dabei kommt dann oft eine „allein“-Formulierung heraus, die allein dazu da ist, einer Zahl das nötige Mindestgewicht zu verleihen. „Optisches Tuning“ nannte man diese Art von Wichtigtuerei beim Manta mit Heckspoiler und Rallyestreifen. Also meldete kürzlich die Süddeutsche:
„Auf Twitter gab es allein im zweiten Quartal dieses Jahres 263 Millionen Einträge zu Fernsehsendungen.“
Nun hat das Jahr allein im zweiten Quartal 91 Tage. An einem gewöhnlichen Tag muss man also von den 263 Millionen Einträgen allein 90 Einundneunzigstel abziehen, um sich der Größenordnung der Menschen anzunähern, die diese Einträge verfassen. „Sprachliche Blähungen und optisches Tuning“ weiterlesen



