Google macht keinen E-Commerce, liebes Handelsblatt

Einen Tag vor dem 1. April behauptet ein Kollege vom Handelsblatt: „Google bringt jetzt auch die Brötchen.“

Die des heurigen Ostermontags-Datums würdige Story geht ähnlich abenteuerlich bis fantastisch weiter. So heißt es beispielsweise:

„Mit dem Schritt betritt der Suchmaschinenkonzern notgedrungen ein margenschwaches, aber hart umkämpftes Geschäftsfeld. Der Grund: Er will den E-Commerce nicht kampflos an Amazon und Ebay verlieren.“

Nein. Nein. Nein. Abgesehen davon, dass harte Kämpfe auf Geschäftsfeldern notgedrungen die Margen schwächen (nix aber, denn: that’s the way the cookie crumbles), kann Google den E-Commerce gar nicht an Amazon oder Ebay verlieren, allenfalls umgekehrt. Google macht bis dato bekanntlich keinen E-Commerce, sondern Werbung.

Google will – hierher gehört das „aber“ – auch künftig nichts verkaufen. Die Ware kommt von Händlern. Google testet den Einstieg in die Logistik, sprich: eine Verknüpfung von Marketingplattform und Lieferorganisation, wie Amazon das neben seinem eigenen E-Commerce-Business mit den Partnershops macht. Zudem geht es keineswegs um ein paar lausige Semmeln, sondern um höherwertige Waren. Es ist ein Experiment – und kein sehr überzeugendes.

Grüne PR auf dem ICE-Trittbrett

Die Grünen waren auch schon mal kritischer gegenüber der Deutschen Bahn. Heute fand ich in meiner Mailbox eine Presseinfo, in der Valerie Wilms, Sprecherin für Bahnpolitik der Bundestagsfraktion, die neuen „Ökostrom-Tarife“ der DB, die ab April in Kraft treten, hochjubelt:

„Jetzt endlich bietet die Deutsche Bahn etwas, was sich viele wünschen. Alle können endlich ohne Mehrkosten mit 100 Prozent erneuerbaren Energien fahren. Darüber freuen wir uns und dafür hat die DB auch ein Lob verdient.“

Sorry, aber das ist PR-Gewäsch. Wenn ich bei Flaute durch die abendliche Finsternis reise, kommt der Strom für „meinen“ ICE nach wie vor nicht aus Akkus, Pump- oder Druckluftspeichern. Es ist der klassische Mix, erzeugt von fossil befeuerten Kraftwerken, Atommeilern und Laufwasserturbinen, die im Dauerbetrieb laufen. „Grüne PR auf dem ICE-Trittbrett“ weiterlesen

Internet der Hirngespinste

Das Feuilleton der Süddeutschen widmet sich in seiner heutige Spalte „Nachrichten aus dem Netz“ der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, kurz M2M, auch unter dem Schlagwort „Internet der Dinge“ geläufig – und gibt damit ein schönes Beispiel für sinnlose Kommunikation:

„Laut einer IBM-Studie werden schon im Jahr 2015 mehr als eine Billion Objekte Informationen über ihren Status über das Internet senden: Autos sind ebenso online wie medizinische Gerätschaften, Thermostate oder Glühbirnen und natürlich auch der viel zitierte, automatisierte und ans Netz angeschlossene Kühlschrank, der merkt, wenn die Milch alle ist und der schon seit vielen Jahren als fester Bestandteil durch diese Zukunftsvision geistert.“

Eine Billion? Ich konnte es nicht glauben, aber tatsächlich gibt es einige Quellen, denen zufolge IBM-Angestellte tatsächlich schon von einer „trillion“ (Amerikanisch für Billion) Dingen gesprochen haben. Das wären bei grob geschätzt zweieinhalb Milliarden Internetzugängen 400 Produkte pro Anschluss, bei Early Adopters also mindestens 1000. Und das schon in zwei Jahren.

Das das absurder Killefitt ist, muss man zwar wohl niemandem erklären, der nicht auf der Feuilletonistenwolke schwebt, dafür aber einen Taschenrechner bedienen kann. Interessant ist aber, aus welcher Zeit die fantastilliardische Zahl stammt. „Internet der Hirngespinste“ weiterlesen

2,00 € für eine Standardbrief-Marke?

Liebe Deutsche Ex-Bundes-Post,

soooo hässlich sind Deine Briefmarken nun nicht, dass ich meinen würde, ich müsste mir wirklich meine eigenen Marken gestalten. Nicht, dass ich individuelle Postwertzeichen mit selbstgeschossenen Fotos nicht originell fände. Aber der Preis, den Du verlangst, ist jenseits von Gut & Böse.

Ein 20er Bogen kostet nämlich netto 23,80 Euro – zusätzlich zum Porto. Ein Standardbrief kommt damit auf zwei Euro Frankierkosten. Fürs Aufdrucken des eigenen Motivs berechnest Du also einschließlich 19 Prozent Mehrwertsteuer 1,42 je Marke (28,32 je Bogen). Briefmarken

Nichts gegen einen originellen Digitaldruck-Service. Und der Gesamtpreis von 39,92 Euro wäre dafür noch akzeptabel, „2,00 € für eine Standardbrief-Marke?“ weiterlesen

SZ Bayern ist der Zeit voraus

Die Bayern-Redaktion der Süddeutschen kann es wohl gar nicht mehr erwarten, dass der BJV nach 21 Jahren einen neuen Chef bekommt. Noch ist aber Wolfgang Stöckel Erster Vorsitzender. Die Wahl seines Nachfolgers findet erst am 11. Mai in Aschaffenburg statt. Da dem Vernehmen nach niemand sonst den Job will, kann die Wahl seines Vizes Buschs allerdings als sicher gelten.

Buschaufstieg