Vielsagendes Schweigen

So sieht die Zukunft der Kommunikation aus: Sie bringen keinen Ton raus und ich verstehe trotzdem jedes Wort.

Ach, wie schön wäre es, wenn Enten nur noch in der Bratröhre landeten und nie in der Zeitung. Aber irgendwann passiert es eben doch. Dann liest das erstaunte Publikum im Focus, Markus Lanz werfe dem RTL-Supertalent Thomas Gottschalk vor, „Wetten dass…?“ schaden zu wollen. Zum Glück hatten die Focus-Redakteure Lanz das Zitat nicht selbst untergejubelt. Es war eine unausgeschlafene Fachkraft aus der ZDF-Pressestelle, die beim „Autorisieren“ der Moderatorenworte den Überblick verloren hatte. Profis unter den Promis geben nämlich nur noch Interviews, wenn ihre PR-Gouvernanten die manchmal etwas krausen Antworten glattbügeln dürfen.

Warum, fragen Sie jetzt sicher, druckt die Presse nicht einfach, was der Befragte wirklich gestammelt hat? „Vielsagendes Schweigen“ weiterlesen

40 Millionen € für das Aus der FTD…

…sind eine Menge Holz.

Ich weiß jetzt nicht, was neben Abfindungen an Nebenkosten in dem Betrag steckt, aber die Größenordnung liegt bei mehr als 100.000 € pro Redaktionsmitglied (also weit mehr als einem durchschnittlichen Journalistengehalt) oder dem kumulierten Defizit mehrerer Jahre.

Die freien Mitarbeiter bekommen keinen Cent, dafür aber Konkurrenz durch die Geschassten, die noch keinen neuen Job haben und hoffen, dass bleibt, wer schreibt. Alle verlieren also – die einen die gut bezahlte Festanstellung, Verlag und Freie Geld. Klarer Fall von Managerismus.

Was wäre die Alternative (gewesen)?

Wo Anzeigenabteilungen von Profit Centers zu Loss Centers degenerieren, ist es schlau, das anzeigenlastige Geschäftsmodell zu verschrotten und dem Leser eine gute und eine schlechte Nachricht zu präsentieren. Die Gute: Jetzt ist ER der Kunde, er ist nicht mehr das Vermarktungsobjekt, das dem Inserenten verkauft wird. Die Schlechte: Er muss mehr bezahlen. Aber nicht so viel mehr, dass er Verluste im bisherigen Umfang ausbügeln müsste. „40 Millionen € für das Aus der FTD…“ weiterlesen

Handygebühren: Mobilfunker verbreiten PR-Unsinn

Mobilfunk-Netzbetreiber verdienen nicht nur, wenn ihre Kunden jemanden anrufen, sondern auch, wenn diese angerufen werden. Je nach Tarif, den der Kunde (aus-)nutzt, verdienen sie daran sogar viel mehr als an Gesprächen ihrer Kunden, die sie an andere Netze vermitteln müssen.

Jetzt halbiert die Bundesnetzagentur den Betrag, den sie der Konkurrenz für die Weiterleitung eines aus einem Fremdnetz ankommenden Telefonats in Rechnung stellen dürfen. Statt 6,6 Cent sollen künftig 3,3 Cent pro Minute genügen. Begründung der staatlichen Aufpasser: Die neuen Sätze spiegeln die angesichts besser ausgelasteter Netze sinkenden Kosten wider.

Da aber jeder Handynetzbetreiber mit jedem anderen Gespräche austauscht und ergo sowohl bezahlt als auch kassiert, sollte man eigentlich meinen, dass es sich im Großen und Ganzen um ein Nullsummenspiel handelt. Dennoch protestierten Vodafone D2, Telekom und O2 (nicht aber eplus) gegen die Senkung. „Handygebühren: Mobilfunker verbreiten PR-Unsinn“ weiterlesen

Wolframs Enttäuschung (Alphatest)

Dieser Tage lockte mich jemand auf eine Seite, die Wolfram Alpha preist, eine „semantische“ Suchmaschine. Ich glaube, ich warte auf die Beta-Version. Wolfram enttäuscht – und kennt nicht einmal das Wort. (Zugegeben, die Frage war gemein, hatte aber ihre Berechtigung.)

SZ: Stress-Symptome am laufenden Band

Kann es sein, dass Wirtschaftsredakteure einer Qualitätszeitung Millionen und Milliarden nicht auseinanderhalten können? Es kann:

Schuld waren offenbar nicht die Autoren in Paris und Berlin, sondern der Redakteur oder die Redakteurin in der Münchner Zentrale der Süddeutschen Zeitung. Im Text steht so richtig wie plausibel, dass es um 252 Millionen Dollar oder 200 Millionen Euro geht. Ein Rundungsfehler von 200.000 Euro wäre sicherlich kein Thema gewesen, das die Politik interessiert. Okay, die Meldung ist Schnee von gestern und ohnehin leider Alltag. Merke: Auf die Zahl der Nullen kann man sich bei Tageszeitungen einfach nicht mehr verlassen.

Aber nicht nur im Wirtschaftsressort arbeiten überlastete oder überforderte Kollegen. „SZ: Stress-Symptome am laufenden Band“ weiterlesen