Schwuler Landrat: SZ hat recht

Liebe SZ-Leserbriefschreiber Hülbig (Ergolding) und Wiesenberger (München),

wenn in Niederbayern ein junger, roter, evangelischer Landrat gewählt wird, der kein Geheimnis daraus macht, dass er schwul ist, dann ist es gut so, wenn die SZ das auch schreibt.

Das ist nämlich in diesem Fall keine Verletzung der Privatsphäre des Nachwuchspolitikers, sondern eine Nachricht über bemerkenswerte gesellschaftspolitische Veränderungen.

Früher wäre es in dieser Gegend schlimm genug gewesen, dass der Mann in der SPD ist, um nicht gewählt zu werden. Jung ging ja vielleicht gerade noch, evangelisch eher nicht. Aber schwul? Nie und nimmer wäre das toleriert worden.

Dass die Niederbayern jetzt so tolerant sind, dass ihnen alle vier Kontraindikationen nichts mehr ausmachen, ist eine Sensation, und die würde man schmälern, wenn man dieses eine Faktum dem Publikum unterschlüge.

Wer ist „der“ BJV?

Gerade stolpere ich über einen Absatz im frischen Newsletter „meines“ Journalistenverbandes. Vermutlich bin ich nicht der einzige im BJV, der die folgende Urteilsschelte weltfremd findet:

„BJV kritisiert BGH-Urteil zu Google: 

Internetsuchmaschinen dürfen bei den Suchergebnissen in der Regel Thumbnails zeigen. Der für das Urheberrecht zuständige 1. Zivilsenat des BGH entschied „Wer ist „der“ BJV?“ weiterlesen

Falschbuchung bei der Süddeutschen

Eine gute Zeitung ist klar strukturiert. Sie besteht aus mehreren „Büchern“, so der Fachausdruck: Man kann den Politik-, Kultur-, Wirtschafts-, Sport- und Lokalteil mit einem Griff herausnehmen. Der Mann zieht sich mit dem Sportteil aufs  Örtchen zurück, während seine Frau die politischen Seiten liest.

Bislang konnte man sich, wenn nicht gerade Streik war, auch bei der Süddeutschen Zeitung auf diese Ordnung verlassen. Heute morgen war das anders: Wo sonst die Wirtschaft beginnt, also auf der ersten Seite des dritten Buchs, sprang den Lesern ein ganzseitiges Inserat von Microsoft ins Auge. Hatte die SZ die Aufmacherseite an den Werbekunden verscherbelt? Im Ergebnis ja, „Falschbuchung bei der Süddeutschen“ weiterlesen

Führe uns nicht in Versuchung, falsche Schlange!

„Nicht mitmachen dürfen Seiten, die in folgende Kategorien einzuordnen sind: Erotik, Rassismus, Spam, Betrug usw. usf.“

Betrüger und Rassisten dürfen NICHT mitmachen? Ja, dann ist das ja bestimmt eine seriöse Anbieterin, diese „Maria Silbermann“, die mich rotzfrech duzt, als kennte sie mich, und mit bis zu 100 Euro bestechen will:

„Hallo, ich wollte nachfragen, ob Interesse besteht, auf deinem Blog Sponsored Posts bzw. Paid Articles zu veröffentlichen. Wir zahlen zwischen 40 und 100 Euro pro Beitrag, abhängig von Leserzahlen, Postfrequenz, Aktualität usw. usf. Auf unsere Homepage findest du noch ein paar Informationen zum Procedere. Bei Fragen einfach fragen 😉
Ich würde mich sehr über deine Rückmeldung freuen.
Liebe Grüße Maria“

Nein, keine Fragen. Das ist so unredlich, unseriös und dumm, das spricht für sich.

Frau Silbermann wohnt angeblich in Neusäß bei Augsburg, aber der Name ist vermutlich ein Fake. Sie steht weder im Telefonbuch noch bei Xing, auch Google kennt die feine Dame nicht näher.

Die Sanftmut DB-reisender Wutbürger

Wer am Sonntag von Nordrhein-Westfalen mit der Bahn in den Süden wollte, brauchte Nehmerqualitäten. Es war ja nicht ein Fernschnellzug, bei dem die DB Chaos veranstaltete, sondern derer mindestens drei. Einer davon war ein Intercity, der von Hamburg über Münster, Köln, Mainz und Hanau nach Nürnberg zockelt und dafür neun Stunden braucht. Dieser Zug musste nicht nur an einer spontan eingerichteten Baustelle im Norden Westfalens vorbeischleichen, nein, er litt auch unter Personal mit schwerer Dyskalkulie. So erfuhren die wartenden Fahrgäste an rheinischen Bahnsteigen, dass die DB-Mitarbeiter im hohen Norden am Versuch gescheitert waren, das rollende Material korrekt durchzunummerieren:

 „Der Wagen 5 befindet sich zwischen Wagen 6 und Wagen 7. Die Platzreservierungen aus Wagen 5 finden Sie in Wagen 7.“

In meiner Jugend, also in der analogen Bahnsteinzeit vor Erfindung des Reisendeninformationssystems RIS, hätte man einfach ein paar Blechtäfelchen an Waggontüren umgesteckt. „Die Sanftmut DB-reisender Wutbürger“ weiterlesen