Eine Träne fürs Altheimer Eck

Foto: DJS

Früher war nicht alles besser, ich geb’s ja zu. Und es gibt durchaus Häuser, die man abreißen sollte, weil es um sie nicht schade ist.

Architektonisch ist auch das Rückgebäude am Altheimer Eck 3 in München, das bald (wie das Vorderhaus) dem Abrissbagger anheim fallen soll, gewiss keine Perle, für die sich ein Denkmalschutzbeauftragter ins Zeug legen würde.

ABER…

…dieses schmale Haus hat einen emotionalen Wert, den man der Bausubstanz nicht ansieht. Es ist in all seiner Fünfzigerjahrehässlichkeit  ein liebenswürdiges Unikum, dessen Charakter kein Immobiliensachverständiger mit den Kriterien seines Berufs ermessen kann. „Das Altheimer Eck“, wie Journalisten das Haus leicht verfälschend nennen, verfügt über einen Genius loci, wie ihn auch der Prachtbau an der Sendlinger Straße 80 verströmte, in dem bis vor drei Jahren die Süddeutsche Zeitung residierte. „Eine Träne fürs Altheimer Eck“ weiterlesen

Privilegierte Betrüger

Wer alte Leute übers Ohr haut, wer ihnen ein Abo für eine Dienstleistung andreht, die sie weder brauchen noch wollen, ist ein gewerbsmäßiger Betrüger. Wer diese Taten mittels Telefonspamming und Callcenter begeht, erhält in Deutschland jedoch extrem mildernde Umstände: Die Bundesnetzagentur hebt den Zeigefinger, schimpft ein bisschen, schützt aber die Persönlichkeitsrechte der Täter und „bestraft“ sie dadurch, dass sie die Beute nicht mehr per Inkassodienst eintreiben dürfen. In diesem Fall sitzt die Firma in Wien (mit Briefkastenadresse bei Regus Office Service in München), der Chef in Bratislava.

Das wäre ein Fall für Interpol – berufsmäßige grenzüberschreitende Kriminalität. Und die schärfste Waffe des zahnlosen Aufsichtstigers ist ein „Du, Du! … Du musst Dir eine neue Rufnummer holen“.

Hat eigentlich schon mal jemand einen der Dienstleister, die von solchen Schwindlern leben, indem sie sie mit Tarnadressen und dazu passenden Telefonnummern versorgen, erfolgreich wegen Beihilfe verklagt?

Lidl kann’s nicht lassen

An einem Smartphone für 99,99 Euro verdient offenbar auch Lidl nichts. Das Android-Gerät Huawei Ideos X3 war nämlich heute morgen um 8 Uhr schon ausverkauft – ein reiner Lockvogel.

Man soll ja als guter Mensch eigentlich nicht bei Lidl einkaufen. Ich tu’s auch nur selten und mit schlechtem Gewissen. Aber die haben das beste und leckerste Vanille- und Schokoeis, genauer gesagt: richtige Eiskrem, nicht nur den Margarinefraß, der einem selbst von Premiummarken vorgesetzt wird, weil Pflanzenfett billiger ist als alles, was von der Kuh kommt.

Heute wollte ich mal etwas anderes kaufen, den chinesischen Iphone-Ersatz von Huawei. Wenn man überall nur Ausbeuterware bekommt, die in der Volksrepublik gebaut wird, ist’s in ethischer Hinsicht eh schon wurscht. Smartphones sind Sünde, aber in meinem Job kein solches Teil zu haben, ist peinlich.

Also: Um acht Uhr öffnet die Filiale. Als ich um 7:59 Uhr mit dem Fahrrad den Parkplatz erreiche, stehen schon etliche Autos da – und kein Kunde mehr vor der Tür. „Lidl kann’s nicht lassen“ weiterlesen

Bitburger ist niemals eine Lösung…

…außer vielleicht „Drive alkoholfrei“.

Ich staunte gerade nicht schlecht, als ich in der Donaufalter-Zeitung einen Beitrag über Amy Winehouse las und ausgerechnet ein Commercial der Bit-Brauerei sah:

BJV-Website gehackt?

Eine Delegation ist eigentlich – so steht es in meinem Fremdwörter-Duden – eine Abordnung von Bevollmächtigten, die zu Tagungen oder Konferenzen entsandt wird. Teilnehmer sind hauptamtliche und/oder ehrenamtliche Mitarbeiter der entsendenden Organisation, sie bezahlt normalerweise auch deren Reisekosten.

Der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) nimmt das nicht (mehr) ganz so genau – jedenfalls wenn man seiner Website noch vertrauen darf. Anders als zu meiner aktiven Zeit als Funktionsträger kann demnach jetzt jedes BJV-Mitglied, das gerne auch einmal zu etwas delegiert werden möchte, Mitglied einer Delegation des Verbandes werden, die Ende September nach Montenegro reist. Allerdings für Geld:

„Im Preis von € 620,– sind folgende Leistungen eingeschlossen:
Linienflug mit der Montenegro-Airlines Frankfurt – Podgorica – Frankfurt
Übernachtung/Frühstück im Hotel Crna Gora im Centrum von Podgorica
Transfers Flughafen – Hotel, zum Skutariesee und zum Naturreservat Zabljak“

Weil sich das liest wie Werbung für eine, sagen wir mal, Leserreise des Nürnberger Antim-Verlags, „BJV-Website gehackt?“ weiterlesen