Endlich ein gescheiter Akkulader

Hinterher ist man immer schlauer – nämlich wenn man einiges an Lehrgeld zum Fenster rausgeschmissen hat. Was habe ich schon an Akkus gekauft, die bei weitem nicht so lange hielten, wie sie sollten? Und was für Mistdinger an Ladegeräten vom Discounter oder aus der Metro habe ich über die Jahre verschlissen und verschrottet? Ich habe aufgehört, zu zählen und nachzurechnen. Es war ein Dauerkampf gegen eingebaute Obsoleszenz.

Durch Zufall stieß ich vor ein paar Monaten auf Fritz Mössinger, einen netten Techniker im Ruhestand, der ganz hier in der Nähe lebt, in Landsberg. Im Gegensatz zu mir weiß er ganz genau, was elektrisch in Akkus abgeht, was sie aushalten und was ihnen nicht gut tut, sprich: was ihre Lebensdauer verkürzt.

Dieses Know-how hat er gemeinsam mit dem Software-Tüftler Markus Pollak genutzt, um ein Profi-Ladegerät des österreichischen Herstellers MEC hardware- und softwaretechnisch so zu tunen, dass man am Computer den Zustand und das Ladeverhalten jedes einzelnen Akkus auslesen kann. „Endlich ein gescheiter Akkulader“ weiterlesen

Postwachstumsökonomie? Bitte mehr Realismus.

Im Hausmagazin der Teekampagne bin ich über ein Interview mit dem Oldenburger Professor Niko Paech gestolpert. Dieser fordert eine „Postwachstumsökonomie“. Klingt alles schön sympathisch und ökologisch, was er sagt, jedenfalls für jemanden wie mich, der die „Grenzen des Wachstums“ im Kopf hatte, als er 1978 das Studium begann.

Wirklich überzeugend fand ich Paech nicht, deshalb habe ich mal weitergegoogelt – und bin erst recht enttäuscht, weil die Welt und ihre Menschen nun mal nicht so sind, wie der Herr Professor es sich am Schreibtisch ausgedacht hat. Wer die Welt verbessern will, sollte ja nun doch darauf achten, dass seine Vorschläge realistisch sind.

Seine Kernideen lauten also:

Orientierung an einem individuellen CO2-Budget von 2,7 Tonnen pro Jahr. 

Schafft das ein Normalbürger ohne technische Hilfsmittel wie Computer, Smartphone und andere Konsumbürger-Gadgets? Ich fürchte, nein.

– Flugreisen vermeiden

Ja, schön. Darum bemühe ich mich. Aber wenn ich beruflich nach Barcelona, Moskau oder London muss, versuche ich nicht, das per Bahn zu tun. Das eigentliche Problem ist die Kombination aus Billigflügen und Billighotels in fernen Ländern. „Führe uns nicht in Versuchung“, heißt es im Vaterunser, aber gegen die Verführung anspruchsloser Bürger durch die Ballermanntouristik helfen weder Gebete noch Appelle eines Oldenburger Akademikers.

– Ohne Auto leben

Auch wohlfeil. „Postwachstumsökonomie? Bitte mehr Realismus.“ weiterlesen

Von Mrs. Musterman, Herrn Szty… & Astro Sehara

Kollege Thomas Mrazek schickt mir gerade netterweise einen lustigen Link zu einem apokryphen Presseausweis-Verhökerer, der seine WordPress-Domain bei einem, haha, Privacy-Dienstleister in Utah registriert hat. Datenschutz! Amerika! Heute, am Tag 2 des Schrems-Zeitalters! ROFL. Naja, mit wem er es zu tun hat, geht den zahlenden Deppen ja auch nichts an.

Viele Worte braucht man da nicht zu verlieren. Also lassen wir Bilder sprechen! (Die Wiedergabe der in den Screenshots enthaltenen Stockphotos dient allein der Dokumentation des Beschisses und unterfällt insofern dem Zitatrecht.)

MustermanCustomers
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Internet der Wunderdinge

„Wissen“ nennt sich die Rubrik der Süddeutschen Zeitung, in der es um Forschung und Innovation geht. An diesem Donnerstag widmet sich der Seitenaufmacher dem „digitalen Dorf“, also einem Widerspruch in sich. In Deutschland ist das Dorf der Ort, an dem Digitalisierung am aufwendigsten und damit am unwahrscheinlichsten ist. In dörflich strukturierten Regionen lohnt sich der Ausbau der Infrastruktur oft weder für Festnetz- noch für Mobilfunkbetreiber. Der Autor der Wissensseite lässt erkennen, dass er das eigentlich auch weiß. Dennoch schreibt er ausführlich über die nette Utopie des digitalisierten Dorfs – über Wunschdenken von Wissenschaftlern und Technokraten. Dieses kulminiert im letzten Absatz:

„Heute nutzen weltweit drei Milliarden Menschen das Internet. Für das Internet der Dinge rechnen Experten aber mit 50 Milliarden Gegenständen, die Daten ins Netz schicken werden“, sagt Trapp. Auch in der smarten Stadt könnte die Internet-Bandbreite dann knapp werden.

Das ist leider grober Unfug, und das nicht nur, weil für viele meiner Kollegen jeder als Experte durchgeht, der solche steilen Prognosen nach der Formel Pi mal Kristallkugel abgibt. (Selbst wenn eines Tages 50 Milliarden Gegenstände online sein sollten: Die allermeisten werden nur innerhalb des Hauses kommunizieren und nicht Daten „ins Netz schicken“, weil es dafür keinen sinnvollen Business Case gibt und es kein Normalverbraucher will.) „Internet der Wunderdinge“ weiterlesen

Dr. rer. dig. TV

Fernsehen war mal eine simple Sache. Die Digitalisierung macht‘s zur Wissenschaft.

Wir sitzen den ganzen Tag am Computer, und was machen wir abends? Wir wechseln von der „Lean-Forward-“ in die „Lean-Back“-Position, hocken uns also etwas gemütlicher vor einen anderen Bildschirm. Dank Breitbandanschluss könnten wir gleich am Schreibtisch bleiben und die Nachrichten, die Show oder den Spielfilm auf dem Monitor oder Laptop-Display anschauen. Wir müssten auch nichts dann sehen, wenn es läuft. In der Mediathek läuft es, wann wir wollen – die eine oder andere „Sendung“ sogar schon vor ihrer Ausstrahlung. Warten bis zur Sendezeit? Eigentlich eine Zumutung in einer Zeit, in der niemand mehr die Aussage paradox findet, etwa 15 Prozent der Fernsehzuschauer hätten schon keinen Fernsehapparat mehr. „Dr. rer. dig. TV“ weiterlesen