BJV 2014: „BJFrau“ und das eigentliche Problem dahinter

Der Bayerische Journalisten-Verband hat bereits einen sehr großen Landesvorstand. Der wird jetzt – trotz kräftig sinkender Mitgliederzahl – noch größer. Statt 26 sitzen künftig 27 Menschen im Konferenzsaal in der St.-Martin-Straße in Giesing beieinander. Damit haben wir nun drei Entscheider mehr als der DJV-Gesamtvorstand mit seinen 24 Stimmberechtigten und vier mehr als der Verwaltungsrat der VG Wort, der nicht über ein Budget von 2,4 Millionen Euro, sondern eines von mehr als 100 Millionen Euro wacht. Immerhin sind wir von Düsseldorfer Verhältnissen weit entfernt: In den vierteljährlichen Gesamtvorstandssitzungen unserer Kollegen in NRW haben 39 Funktionäre volle und weitere 22 beratende Stimme.

Gelegenheiten, aneinander vorbeizureden und sich über echte oder vermeintliche Partikularinteressen in die Wolle zu kriegen, gab es in München jedenfalls schon bisher mehr, als dem Verband gut tat. Was Unternehmen längst begriffen haben, ignorieren wir geflissentlich: Je mehr Interessenvertreter mit unterschiedlichen Agenden in einer Runde sitzen, desto mehr leidet die Produktivität der Vorstandsarbeit. Wir haben dennoch am Samstag die Erweiterung beschlossen – mit überwältigender Mehrheit, um des lieben Friedens willen. Wir schaffen aber nur deshalb neue Pöstchen, weil wir keinen echten Umbau hinkriegen. Man kann das für absurd halten, für masochistisch oder nachgerade schizophren… tja, so sind wir wohl.

Immerhin haben wir auch für einen trostpflaströsen Versuch gestimmt, wenn schon nicht die Effizienz, so doch wenigstens den Output der Gremienarbeit zu steigern. Ab nächstem Jahr muss der Vorstand uns Mitgliedern jeweils im Mai ein Arbeitsprogramm vorlegen, dessen Umsetzung wir dank unserer Eigenschaft als Oberster Souverän dann wiederum ebendiesen Vorstandsmitgliedern (als Vertreter der von ihnen geleiteten Untergremien) aufs Auge drücken dürfen. „BJV 2014: „BJFrau“ und das eigentliche Problem dahinter“ weiterlesen

Handyphobie als Geschäftsmodell

Beim Ausmisten meines Computers stieß ich auf Login-Daten einer Website, die ich bei Recherchen zu „Elektrosmog“-Storys wie „Wellen des Wahns“ besucht hatte. Interessant (und löblich), dass die Domain noch existiert – als zeitgeschichtliches Dokument und Lehrstück über die Grenzen der Manipulierbarkeit von Menschen.

„IZgMF“ (ursprünglich als Gegenstück zum Informationszentrum Mobilfunk alias IZMF angelegt) ist nämlich schon lange keine Gegen-Seite mehr. Die Kehrtwende hing eng mit der viel zu selten gestellten Frage „cui bono“ zusammen:

 

„Wir wähnten uns als Teil einer Bürgerbewegung, tatsächlich waren wir nur “nützliche Idioten” in einer Inszenierung gewesen. Im Laufe der Zeit fanden wir zahllose Hinweise, die den Verdacht einer Inszenierung durch materielle und immaterielle Profiteure zur Gewissheit werden ließen. Wer Angst vor Funkwellen sät, kann alsbald ernten. Und mit künstlich geschürter Angst vor Sendemasten lässt sich weitaus mehr Profit erwirtschaften als mit Angst vor Handys. Das Spektrum der Nutznießer ist breit und weitgehend unerforscht. Doch es gibt Konzentrationen unter Baubiologen, Anbietern von Esoterikprodukten, Umweltmedizinern, “unabhängigen” Standortplanern, Anbietern von Low-cost-Messtechnik sowie unter Rechtsanwälten und Politikern. Außer Konkurrenz sind Profilneurotiker und Fanatiker, doch auch die tummeln sich dort. Sie alle profitieren von einem möglichst endlosen Fortgang der Mobilfunkdebatte.“

In der Liste der Profiteure fehlen nur noch die Immobilienspekulanten, die günstig Häuser kaufen konnten, wenn Mobilfunkmastophobiker in heller Panik auszogen. Das Schüren von Angst vor der Basisstation als Beitrag zur taktischen Wohnwertminderung war ein Konzept, das eine ganze Weile aufging. Jetzt wohl nicht mehr.

 

SZ vergurkt Mindestlohn-Aufmacher

„Mindestlohn treibt die Preise“, konstatierte die Süddeutsche in ihrem gestrigen Aufmacher. Taxifahren könnte im Bundesdurchschnitt um 25 Prozent teurer werden, in manchen Regionen auch um mehr als die Hälfte, schreibt das Blatt unter Berufung auf den Taxler-Präsidenten Michael Müller.

Dann rechnen wir doch mal nach, ob das plausibel ist. Die Fahrer werden derzeit nicht pro Stunde bezahlt, sondern nach Umsatz. Umgerechnet soll der Stundenlohn bei 6 bis 6,50 Euro liegen. Nehmen wir die Mitte, also 6,25 Euro, so steht eine Erhöhung der Lohnkosten um 36 Prozent an. Damit 36 Prozent mehr Lohn die Dienstleistung um 25 Prozent verteuern, müsste der Lohnkostenanteil bei etwa 70 Prozent liegen. Aber ist das so?

Schauen wir mal in einem Taxi-Branchenportal nach den Laufleistungen der Fahrzeuge. „SZ vergurkt Mindestlohn-Aufmacher“ weiterlesen

dm Drogeriemarkt spielt mit falschen Karten

dm-GewinnspielBisher habe ich dem dm-Drogeriemarkt immer vertraut. Seit heute tue ich das nicht mehr.

Heute lag nämlich ein Flyer für ein Werbe-Preisausschreiben im Briefkasten, der zum Himmel stinkt. Zwar steht unter „Datenschutz“ folgende Behauptung:

„Für die Teilnahme am Gewinnspiel ist die vollständige Angabe von Namen und Adresse erforderlich. Diese Daten werden von dm (sic!) ausschließlich zur Durchführung des Gewinnspiels genutzt, insbesondere (sic!) zum Versand der Gewinne. Nach Abschluss des Gewinnspiels werden sämtliche Teilnehmer-Daten vollständig gelöscht.“

Glaubwürdig ist das leider überhaupt nicht. Verräterisch ist schon mal die Einschränkung „insbesondere“. Wenn etwas „insbesondere“ auf eine Weise genutzt wird, dann wird es gerade nicht ausschließlich so genutzt. Der Satz ist also ein Widerspruch in sich. „dm Drogeriemarkt spielt mit falschen Karten“ weiterlesen

Bei ebay liegt Hongkong in Deutschland

Heute habe ich bei ebay Speicherchips gesucht. Die erste Ergebnisseite füllte sich mit Angeboten eines und desselben Anbieters, der auf einer britischen Kanalinsel sitzt – nicht unbedingt eine Standortwahl, die mein Vertrauen weckt. Also schränkte ich die Auswahl auf „Deutschland“ ein, fand gute Ware am Standort Moers am Niederrhein und klickte angesichts von 99,und Prozent positiven Bewertungen, einem Text in gutem Deutsch und einem denglischen Namen auf „Kaufen“.

Ich war zu schnell. Wie sich herausstellte, sitzt der Anbieter in Hongkong, „Bei ebay liegt Hongkong in Deutschland“ weiterlesen