Made in the World? Vorsicht!

Die OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) hat sich mit der Welt(frei)handelsorganisation WTO zusammengetan, um die klassischen Außenhandelsbilanzen der Staaten transparenter zu machen. An sich ein löbliches Ziel: Zur Wertschöpfung vieler (technischer) Produkte tragen mehrere Volkswirtschaften bei. Nach außen hin tritt aber meist nur ein Land aus der Kette in Erscheinung – entweder das, in dem das Unternehmen sitzt, oder das, in dem die Endmontage stattfindet. Die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit herauszustellen, könnte also die im Schatten stehenden Länder ins gebührende Licht rücken und der Völkerverständigung dienen.

Das Motto „Made in the World“ ist sicherlich gut gemeint, aber es ist gefährlich. Das lehrt das Beispiel von „Made in the EU“: Das Label diente der Industrie nur dazu, zu kaschieren, dass sie die Produktion in Niedriglohnländer im Osten ausgelagert hatte. Der Verbraucher hat dann nicht mehr, sondern weniger Transparenz. Seine Entscheidungsfreiheit wird eingeschränkt, ohne dass die Arbeiter in den bisher benachteiligten Volkswirtschaften davon etwas hätten (und sei es nur Aufmerksamkeit).

Wenn wir ein Bewusstsein dafür entwickeln wollen, dass alle Nationen sich eine Welt teilen und dass gemeinschaftliches Handeln besser ist als nationalistisches, darf „Made in the World“ nicht als pseudo-politischkorrektes Herkunftsetikett missbraucht werden. Auf die Ware gehören klare Angaben – auch wenn die Labels dadurch länger werden. Die Käufer sollen sehen, wie wenig Reisbauern, Kaffeepflücker, pakistanische Näherinnen oder chinesische Fabrikarbeiterinnen an der Gesamtwertschöpfung partizipieren und in welchen Ländern das Gros des Kaufpreises landet.

Akkordcontent

Werden Studentenjobs auch heute noch in Papierform ans Schwarze Brett gepinnt? Scheint so. Und der Stundenlohn ist kaufkraftbereinigt auch bestenfalls frühe Achtziger: 8 Euro.

Moment mal: Stundenlohn? Stimmt gar nicht. Es ist ja ein Stücklohn für Leute, die es schaffen, Stunde für Stunde 300 Wörter rauszuwürgen. Mit Cut&Paste geht deutlich mehr, ohne Cut&Paste ist das unmöglich, jedenfalls wenn man selbst recherchieren und diesen Ausstoß kontinuierlich erbringen muss, um auf das avisierte studentische Zubrot von 400 Euro zu kommen.

Natürlich geht es nicht um Journalismus, nur um Content-Massenproduktion im Akkord. Leider verstopft der Infomüll, der bei so prekären Produktionsbedingungen zwangsläufig entsteht, die Suchmaschinen, und er verführt die Dumpfnasen, die auf solche Jobangebote hereinfallen, dazu, sich das Zeug im Web zusammenzuklauen, vielleicht bei Bloggern, womöglich auch bei Profi-Journalistinnen.

Das Gute ist: Man braucht den Jungunternehmer, der sich mit so einer antisozialen Geschäftsidee unter dem poststalinistischen Namen „Kombinat für digitale Medien UG“ selbständig gemacht hat… „Akkordcontent“ weiterlesen

Schwesterle sucht IHN

Schwesterle

Nicht nett, diese Blogware

Gemein: Das WordPress-Template des neuen impulse-Inhabers Nikolaus Förster hält mich für gedankenlos.

Nein, ich mag keine künstliche Intelligenz! 😉gedankenlos

Wehe, wenn die Kommentatoren losgelassen

„So mancher Leserkommentar lässt eher einen Rückschritt weit vor das Zeitalter der Aufklärung befürchten, und erste Blogger schließen aus diesem Grund sogar die Kommentarfunktion.“

Christoph Kappes in seinem Blog-Essay „Blogkultur als Antwort auf die Komplexität der Gesellschaft und die Krise ihrer Institutionen“ 

Weit vor das Zeitalter der Aufklärung… Jawohl, sehr weit. Bei manchem, was man als Urheber heute in Foren (etwa bei Heise) von Kim Schmitz.com-Fans um die Ohren bekommt, fühlt man sich in vorzivilisatorische Epochen zurückversetzt. Die Leute glauben einen moralischen Anspruch darauf zu haben, alles umsonst zu bekommen, und wenn sie es nicht kriegen, ein Recht auf Selbstjustiz. Lauter verbale Egoshooter. Ich würde die gern mal heimlich im Berufsleben beobachten…