Einkaufen in covidiotischen Zeiten

Es gibt Menschen, die so satt und selbstgefällig in ihrer gemeingefährlichen Dummheit ruhen, dass sie eine Lektion brauchen, die sie nicht so schnell vergessen. Solche Mitbürger findet man derzeit besonders unter den Maskenhypochondern. Zuerst finden sie es schick, so zu tun, als würden sie einen Mund-Nasen-Schutz nicht vertragen, und dann wickeln sie sich in ihre Opferrolle so straff ein, dass sie vor lauter geistiger Enge selbst glauben, was sie sagen.

Halloween bei Netto in Kaufering: Diesem Iglinger war es ein gepfeffertes Bußgeld wert, die Nerven des Angestellten des Supermarkts zu strapazieren.

Die Maultäschle-Phobiker erinnern mich an jene Typen, die sich mit einer gefühlten Gluten-Angst in Szene setzen und einem Zöliakie-Patienten das letzte weizenklebereiweißfreie Spezialbrot vor der Nase wegkaufen. Sie beginnen schon zu hyperventilieren, wenn sie nur daran denken, sich einen „Maulkorb“ umbinden zu sollen. (Man würde sie gerne bitten, mal einen Hund zu fragen, wie sich ein echter Maulkorb anfühlt, aber leider ist nie ein Dr. Doolittle zur Stelle, wenn man ihn als Dolmetscher braucht.)

Deshalb pilgern sie gerne zu Kundgebungen von Quackdenkern und Quersalbern, auf denen ihnen ein möglichst „praktizierender Arzt“ (wenn er sich als „Arzt für Aufklärung“ vorstellt, darf er aber gerne auch Serienunternehmer mit Liquidationshintergrund sein) einen halben Pschyrembel voller Gesundheitsschäden herunterbetet, die ein Maskenträger riskiert. Der bei solchen Events rezitierte Krankheitskatalog unterscheidet sich nur unmaßgeblich von jenem, mit dem vergleichbare medizinische Koniferen* auf dem Höhepunkt der Mobilfunkmastenpanik vor 20 Jahren Elektrosmog-Panik schürten.

Barnäsige Cyberchonder 

Besonders gerne lassen sich diese armen Leute kirre machen mit Gefahren, denen maskierte Schulkinder angeblich ausgeliefert sind. Die von Demo zu Demo tingelnden Vortragskünstler, um so hässliche Wörter wie „Berufsdemonstranten“ oder gar „Rattenfänger“ zu vermeiden, sind sehr routiniert darin, Horrormärchen von toten und beinahe gestorbenen Kindern zu erzählen. „Einkaufen in covidiotischen Zeiten“ weiterlesen

Bhakdi bei Kopp, Schwarze Listen und das Impfchippen 1.0 von 2009

Wer dachte, der Irrsinn müsse so langsam mal seinen Zenith überschritten haben, dürfte sich getäuscht haben. Deshalb heute zwar nur drei kurze Kapitelchen, aber die haben es in sich:

1. Der frühere Journalist und heutige Fulltime-Truther – also Multiplikator abstrusester Gerüchte – Gerhard Wisnewski weist seine viel zu vielen Telegram-Follower auf einen „Kongress“ des Weltuntergangs-Fachverlags Kopp hin. Als „Experten“ bieten die Veranstalter zwei Mitglieder des Vereins MWGFD auf, und zwar den Vorsitzenden Sucharit Bhakdi und den Consultingunternehmer Stefan Hockertz (erwähnte ich schon, liebe Impfgegner, dass die Klientel seiner Unternehmensberaterei die böse Pharma-Mafia ist?). Mit von der Partie sind auch der „bürgerliche Revolutionär“ Markus Krall, seines Zeichen leitend angestellter Edelmetallverkäufer (Degussa) und AfD-naher Sympathisant der Idee, Beziehern von Sozialleistungen das Wahlrecht abzuerkennen, das börsianische Fernsehgesicht Dirk Müller sowie die Konspiratologen und früheren Politiker Andreas von Bülow und Willy Wimmer.

2. Auf Twitter treibt ein Mensch sein Unwesen, der sich „Rational Authority“ nennt, die Handle „kinderpsych“ verwendet und sich als Ärztin ausgibt, die Mitglied im CHD sei, dem amerikanischen Verein des auf Abwege geratenen Präsidentenneffen und demagogischen Impfhassers Robert F. Kennedy jr. „Bhakdi bei Kopp, Schwarze Listen und das Impfchippen 1.0 von 2009“ weiterlesen

Professor Seltsams Impfgegner und Quanten-Geistheiler

Teil 2

Sucharit Bhakdi ist eine der prominentesten Stimmen aus dem Lager derer, die den Corona-Virus CoV-SARS 2 herunterspielen. Während er mit seiner Frau Karina Reiß den Bestseller „Corona: Fehlalarm?“ schrieb, ließ er sich zum Vorsitzenden des MWGFD e.V. wählen, der ein wahres Sammelbecken von Persönlichkeiten bildet, die ein verantwortungsloses und riskantes Spiel mit dem Vertrauen der Bürger in Titel wie Professor und Doktor spielen. Im zweiten Teil schauen wir uns an, wer außer den Haupt-Protagonisten noch so alles auf der Mitgliederliste steht.

Weckt der Vereinsname „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie“ falsche Erwartungen? Gehen wir die weiteren Namen auf der Mitgliederliste einfach mal der alphabetischen Reihe nach durch:

Aris Christidis …

… ist weder Mediziner noch Wissenschaftler, sondern Elektroingenieur, Fachhochschulprofessor sowie Gesellschafter einer obskuren Minifirma, die laut ihrer mit einem Homepage-Baukasten zusammengefrickelten Website irgendetwas mit Gutachten zu tun hat, aber auch mit IT-Services wie Datenvernichtung.

Die Klitsche nennt sich hochprätentiös „Gießener Akademische Gesellschaft“ und benutzt die irreführende Web-Domain gagmbh.eu, als sei sie eine GmbH; dabei ist sie eine GA UG (Firmierung laut Handelsregister: Gießener Akademische Unternehmergesellschaft).  Wie nicht wenige Menschen, die Covid-19 nicht wahrhaben wollen, pflegt Christidis ein gestörtes Verhältnis zum deutschen Staat, das er sich in allen ermüdenden Einzelheiten von der Seele schreibt. Er outet sich unter anderem als Kunde („Mitglied“) des „Deutschen Verbandes der Presse-Journalisten“ (DVPJ), was auf eine etwas schräge Selbstwahrnehmung und ein leicht unterentwickeltes Urteilsvermögen hindeutet: Erstens ist Christidis kein Presse-Journalist; zweitens ist der DVPJ kein Verband, sondern eine Aktiengesellschaft, die von naiven Menschen lebt, die unbedingt ein wertloses Plastikkärtchen haben wollen, auf dem „Presseausweis“ steht. Wer sich für die tragikomische Geschichte dieses leidgeplagten Unglücksraben interessiert, deren Haupt-Erzählstrang mit der unbeabsichtigten Zeugung eines Sohns seinen Lauf nahm, findet das zumindest für Viktimologen spannende Epos auf 166 DIN-A4-Seiten von ihm selbst hier ausgebreitet. Wem das nicht reicht, der kann gerne mal nach seiner Frau Andrea (früherer Familienname: Jacob) googlen und interessante Dinge über akademische Titel indischer Provenienz lernen.

Andreas Diemer …

… hat Medizin und Physik studiert, aber was er daraus gemacht hat, ist – um es freundlich auszudrücken – ziemlich befremdlich. Der frühere Hausarzt (Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren) will irgendwann irgendwelche geheimnisvollen „Zusammenhänge zwischen Heilprozess und Quantenphysik“ entdeckt haben, jedenfalls wandte er sich gemeinsam mit seiner Frau Christina, einer Künstlerin mit Diplom in Sozialpädagogik, dem Thema „Quantenheilung“ zu. Die beiden betreiben im Schwarzwaldstädtchen Gernsbach eine so genannte „Akademie Lebenskunst und Gesundheit“ alias akaleku, und nach ihrer Selbstdarstellung im Web ist sie die Heilerin, während er den Hokuspokus „wissenschaftlich“ begleitet, also sich pseudowissenschaftliche Erklärungsfragmente für Geistheilerei, Handauflegen, Schamanismus und derlei Übersinnliches aus den Fingern saugt.

Akaleku oder der Beleg, dass man gleichzeitig mit Quanten schwurbeln und völlig abschreckende Websites bauen kann.

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Professor Seltsam oder wie ich lernte, das Virus zu lieben

Teil 1

Den pensionierten Medizinprofessor Sucharit Bhakdi kannte bis vor einem halben Jahr kaum jemand außerhalb seiner Fachdisziplin. Dann schrieb er mit seiner jungen Ehefrau einen Bestseller, der in Impfgegner-Kreisen Kultstatus erlangt hat. Parallel dazu gründete er mit anderen Protagonisten der deutschen Covid-19-Verharmloser-Szene einen obskuren Verein in Bayern: Die vermeintlichen Einzelgänger, die den Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen einen akademischen Touch zu geben versuchen, sind in Wirklichkeit ein Team.

Screenshot von der Website des Passauer Vereins MWGFD: Der Vorsitzende gibt ein Interview.

Wer sich mit „Corona“ befasst oder allgemein mit Viren und Impfungen, sollte das Kürzel MWGFD kennen. Nicht, weil der Passauer Verein, der sich so abkürzt, irgendetwas Sinnvolles oder Nützliches zum Thema beizutragen hätte, sondern weil die Mitgliederliste der Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie e.V. sehr verräterisch ist. Ja, sie ist ein regelrechtes Who is Who der Youtube-Stars, denen vermeintliche Querdenker, selbsternannte Corona-Rebellen und Jünger des rechtsesoterischen Q-Anon-Kults huldigen. Gründungsvorsitzender dieser „Initiative“ mit dem skurrilen Bandwurmnamen – welcher Mediziner wäre wohl gegen Gesundheit, welcher Wissenschaftler gegen Freiheit? – ist Sucharit Bhakdi. Der 1946 in Washington geborene Sohn eines thailändischen Diplomaten ist Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie; bis zu seiner Pensionierung 2012 leitete er ein Institut der Mainzer Uniklinik. Sein Renommee als Wissenschaftler war untadelig, bis er im März mit steilen Thesen zu Covid-19 an die Öffentlichkeit ging und später gemeinsam mit einer Coautorin namens Karina Reiß ein 118 Seiten dünnes Büchlein mit dem sensationsheischenden Titel „Corona – Fehlalarm?“ verfasste.

Ein Ehepaar schießt schnell

Zur Einordnung der Vorgänge muss man wissen, dass diese Frau Professor Reiß nicht einfach irgendeine Kollegin von ihm ist, die ebenfalls den MWGFD angehört. Bei der Dame handelt sich um seine 28 Jahre jüngere Ehefrau, die noch mitten im Berufsleben steht. Sie befasst sich als Biochemikerin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) mit Entzündungserkrankungen. Dort hinterließ das Buch, das am 20. Juni erschien, viele FachkollegInnen rat-, sprach- und fassungslos. Ein literarischer Schnellschuss zu einem Thema, das längst nicht hinreichend beforscht ist, verstößt schließlich gegen alle guten Sitten des akademischen Betriebs. „Professor Seltsam oder wie ich lernte, das Virus zu lieben“ weiterlesen

Kron löscht nach Rabenvater-Shitstorm Hunderte Facebook-Kommentare

Sein ideologischer Kampf gegen Impfungen führt den Kauferinger Homöopathen Rolf Kron immer tiefer ins Milieu der Reichsflaggen schwenkenden Sektierer und Verschwörungsmystiker. Bei der jüngsten Demo in Berlin provozierte er vor laufender Kamera des russischen Staatsfernsehens RT mehrfach einen Polizisten – und trug dabei seinen kleinen Sohn auf den Schultern. Dass das verängstigte Kind in Tränen ausbrach, störte die Inszenierung, aber nicht den Vater.

Gelöschter Post: Ein Wort, 887 Kommentare.

„Siegessäule.“ Nur ein einziges Wort stand in dem Eintrag auf Rolf Krons Facebook-Seite. Darunter 887 Kommentare. Das Verhältnis zwischen dem vermeintlichen Gegenstand der Kommentare und deren Umfang hätte die Kriterien für einen Eintrag ins Guinness Book of Records erfüllt. Auch der Anteil der Kommentatoren, die sich empörten, war rekordverdächtig. Zuerst sperrte Kron die Kommentarfunktion – und ging mit keinem Wort auf die Kritik ein. Dann löschte er den Beitrag mitsamt den Kommentaren und ersetzte ihn durch den Link zu einem Video, in dem er seine Sicht der Dinge vorträgt.

Worum ging es? Vordergründig um „Corona“ und die unantastbare Freiheit, seine Mitmenschen mit Covid-19 anstecken zu dürfen. „Kron löscht nach Rabenvater-Shitstorm Hunderte Facebook-Kommentare“ weiterlesen