Impfgegner-Framing: „Freiwillig“ ist das neue Nein

Heute (25.1.2020) tun wieder orangegekleidete Menschen das Ihre dafür, Landsberg unsicher zu machen. Genauer gesagt: Sie würden die schöne alte Kreisstadt gerne „impffrei“ machen. Unter diesem Slogan schüren sie auf Facebook und eigenen Websites Angst vor Impfungen aller Art – wobei sie vordergründig so tun, als gehe es ihnen um die Freiwilligkeit bei Impfentscheidungen und „impffrei“ sei nur die Abkürzung dafür. 

Dabei handelt es sich freilich um durchsichtiges Framing, also um Verbalkosmetik aus dem Handwerkskasten der Agitprop (Agitation und Propaganda). Den Personen aus dem Umfeld des Kauferinger Homöopathen und „Wassertankstellen“-Vermarkters Rolf Kron geht es keineswegs darum, dass Eltern im Individualfall zwischen Pro und Contra abwägen, was ja hieße, dass sie sich unabhängig aus seriösen Quellen informieren und höchstwahrscheinlich FÜR das Impfen entscheiden würden. Dass das Pendel zum Pro ausschlägt, wäre jedoch das Letzte, was einer wie Kron erreichen will. Schließlich hat er sich in den vergangenen Jahren den zweifelhaften Ruf einer Leitfigur der deutschen Impfgegner-Szene erarbeitet – einer Szene, in der gezielte Desinformation, substanzlose Panikmache und Diffamierung von Ärzten, die impfen, alltäglich sind.

Nochmal ganz klar: Die Wortschöpfung „impffrei“ ist bei Kron und seinen Helfern absolut wörtlich zu nehmen. Ihr Ziel ist, dass niemand mehr zum Impfen geht. Bei ihrem rücksichtslosen Feldzug gegen Vernunft, Gemeinwohl und Gesundheit schrecken sie nicht vor der Verbreitung von erwiesenermaßen falschen Behauptungen zurück. Hierzu verweise ich auf meinen Blogbeitrag vom 22. Oktober 2019, in dem ich unter anderem darauf eingehe, dass es sich bei der angeblichen Elterninitiative „Levana Landsberg“ um Etikettenschwindel handelt. Es gibt keinen Verein, der so heißt, niemand außer Kron wird namentlich genannt. Er ist der Alleinverantwortliche. Wer ihm dabei hilft, hat kein Recht, mitzubestimmen oder ihm reinzureden, niemand kann ihn abwählen. 

„Impfgegner-Framing: „Freiwillig“ ist das neue Nein“ weiterlesen

Was war noch mal Wissenschaft, liebe Politiker?

Anlässlich der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen habe ich mir wieder einmal ein paar Gedanken darüber gemacht, warum so viele Menschen Verständnisprobleme mit den Naturwissenschaften haben oder warum sie Wissenschaftlern weniger trauen als ihrer trügerischen Intuition. Auslöser war ein Tweet des guten Lars Fischer, dem eigentlich jeder „folgen“ sollte, der sich für Fakten interessiert, für welche die Wissenschaft im weitesten Sinne zuständig ist. Weil ich Twitter-Threads mit Dutzenden von Häppchen hasse, schreibe ich das hier auf und setze auf Twitter nur den Link.

Unlängst berichtete die SZ über einen Beschluss des Bayerischen Landtags, der mit schwarzen und grünen Stimmen gefasst wurde, aber geeignet ist, Zweifel an der Rationalität der Mandatsträger zu wecken, welche mit Ja gestimmt haben:

„Mit einer medizinischen Studie soll die Staatsregierung klären, ob durch homöopathische Mittel der Einsatz von Antibiotika reduziert werden kann.“

Bei der Einführung der Masern-Impfpflicht konnten sich die Bundestags-Grünen nicht durchringen, Jens Spahn zuzustimmen, und vor ihrem Parteitag am Wochenende hat die Parteispitze der Grünen nun auch noch einen Antrag gegen die Kostenerstattung für homöopathische Behandlungen durch die Krankenkassen ausgebremst. Interne Kritiker beklagen sich schon länger über Parteifreunde, die bei der Wissenschaft Rosinenpickerei betrieben: Sind nur Erkenntnisse willkommen, die mit den eigenen Glaubenssätzen kompatibel sind? Eine Kommission soll sich nun damit befassen, was Wissenschaft eigentlich ist und soll.

Eines vorab: Es gibt keinen Grund zum Grünen-Bashing, weil jede Partei in diesem Land befürchten muss, nicht wenige Wähler zu verlieren, wenn sie sich offensiv für eine evidenzbasierte Gesundheitspolitik einsetzt. Die SPD-Fraktion im Maximilianeum hatte tapfer geschlossen gegen den Antrag votiert, „Was war noch mal Wissenschaft, liebe Politiker?“ weiterlesen

„Impformation“ mit alternativen „Fakten“

Junge Eltern sind verunsichert. Wer kleine Kinder hat, kann den Warnungen gar nicht entgehen – nicht etwa Warnungen vor gefährlichen, als „Kinderkrankheiten“ verharmlosten Seuchen wie Masern, sondern Warnungen vor Impfungen. Die selbsternannten Vorkämpfer einer Volksgesundheit ohne Impfstoff schüren Ängste unter dem Deckmäntelchen angeblicher Aufklärung, in ihrem Jargon auch Impformation genannt. Dabei schrecken sie nicht vor nachweislich falschen Behauptungen zurück. Zu den Schlüsselfiguren in der Szene, die zur Verbreitung gefährlichen Unsinns beitragen, gehört der Kauferinger Homöopath Rolf Kron.

Wer am vorletzten Samstag um die Mittagszeit durch die Landsberger Altstadt lief, sah überall orangefarbene Luftballons. Keine Familie konnte den Georg-Hellmair-Platz passieren, ohne dass Aktivisten (m/w/d) in orangefarbenen T-Shirts oder Warnwesten den Kindern einen Ballon schenkten. Offiziell handelte es sich um eine Kundgebung gegen die Impfpflicht, mit der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Masern ausrotten will. Angeblich ging es den Organisatoren um die Entscheidungsfreiheit der Eltern und gegen einen „Zwang“ zum Impfen. Und gegen Wahlfreiheit ist ja eigentlich nichts zu sagen – wenn denn seriös und aufrichtig über Pro und Contra aufgeklärt wird. Aber …

3500 Teilnehmer wollte Rolf Kron auf den Landsberger Georg-Hellmair-Platz locken. Es waren ein paar weniger. Das Landsberger Tagblatt schätzte die Menschenmenge auf 200 Personen, er selbst auf über 300. Die Zahl der verteilten Luftballons dürfte aber deutlich höher gewesen sein.

„„Impformation“ mit alternativen „Fakten““ weiterlesen