Ver-Störer-Anzeige

Kennen Sie Störer? Nein, nicht die Leute, die Veranstaltungen sabotieren und Redner niederbrüllen. Störer sind vergleichsweise billige Kleinanzeigen, mit denen ein Inserent die gleiche Aufmerksamkeit erhascht wie mit einer teuren Großfläche. Der Trick: Man drängt sich in den redaktionellen Text. Wenn man als Störer ein Foto verwendet, denkt der Leser im ersten Moment, es handle sich um das Bild zum Text. Bis im Verstand die Meldung angekommen ist, dass statt einer redaktionellen Bildunterschrift nur die typografisch minimalistische Dachzeile „ANZEIGE“ zu finden ist, hat das Foto die vom Werbetreibenden angepeilten Zielsynapsen längst erreicht.

Der Trick kann aber haarscharf daneben gehen – wie der Schuss eines baskischen Terroristen. Was suggerieren die Reizworte „Eta“, „Waffen…“, „Gewalt“ über diesem Foto? Richtig: Für 500 Millisekunden denkt man, die iberischen Übeltäter hätten einen deutschen Heimwerkermarkt attackiert.

Ich weiß nicht, ob die Platzierung Absicht war. Falls nicht, sollte man der SZ-Redaktion zumindest danken für die unfreiwillige Anregung, wie man die Störer verjagen und die Kundschaft zum Buchen teurerer Anzeigen motivieren könnte.

Bei der nächsten AKW-Panne in Weitweggistan böte sich an, als Störer ein Werbefoto von Vattenfall, RWE oder EnBW einzuklinken, bei einem Bericht über Verbraucherschutz das einer Mobilfunkfirma; und die BASF ist sicher begeistert, wenn ihr Inserätchen eine Story über Gefahren der Genmanipulation illustriert. 😉

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