Leibeigene bei Hermes

Erstaunlich, was es in Deutschland so alles gibt. Beim Hermes. Laut Handelsblatt.

In der Praxis verlassen sich die meisten Dienstleister für den Transport eines Pakets zum Empfänger weitgehend auf Subunternehmer. Die besitzen in der Regel 20 bis 50 Mitarbeiter, die meist als Einzelfahrer rechtlich selbstständig sind.

Immerhin kriegen die Sklaven Lohn:

Bei realistischen 100 bis 120 Paketen am Tag käme ein Zusteller so auf 60 bis 72 Euro. An sechs Auslieferungstagen macht das zwischen 1440 Euro und 1728 Euro…

An sechs Tagen komme ich da auf 360 bis 432 Euro Wochenlohn. Wenn der Monatslohn gemeint ist, gilt er in einem Februar, der nicht in ein Schaltjahr fällt, es sei denn, der 29.2. fiele auf einen Sonntag.

Rechnen wir mal richtig: Ottos Götterbote Der Hermes-Mann arbeitet im Jahr 365 Tage brutto abzüglich 52 Sonn- und elf Feiertage, schuftet sechs Tage die Woche, nimmt sich vier Wochen (24 Tage) Urlaub und ist vier Tage krank. Bleiben also 274 Arbeitstage per annum, 20 mehr als bei einem nicht leibeigenen Arbeiter. Pro Durchschnittsmonat sind das 22,83 Tage netto, an denen der Tagelöhner unterwegs ist – für insgesamt 1370 bis 1644 Euro.

Nach Eurer Rechnung, liebe Kollegen, hätte er 288 Arbeitstage und somit nur 14 Tage Urlaub und wäre niemals krank. Andererseits: Vielleicht habt Ihr recht. Ist ja nur ein Sklave.

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3 Antworten auf „Leibeigene bei Hermes“

  1. Das nenn ich mal Lohn! Ich kenne jemanden, der ganz andere Erfahrung gemacht hat. Bei einem Sub-Unternehmer für Hermes angestellt, mit dem Versprechen Nachmittags wieder zu Hause zu sein, ging er einen sogenannten 399 Euro-Job ein. Der Transporter wurde gestellt(eher selten), mit dem Vermerk – dann können Sie auch mal Privat einkaufen fahren, wenn Sie etwas dazu tanken. Klingt ganz gut, die ersten 2 Tage traf es auch zu. Am dritten Tag hatte er bereits 124 Pakete im Wagen und wurde sogleich in ein anderes, ihm fremdes Gebiet geschickt. Als er am Abend gegen 21 Uhr immer noch nicht fertig war, entschloss er sich, am nächsten Morgen ab 7.30 Uhr den Rest zu fahren. Das ging dann plötzlich täglich so weiter – 6 Tage die Woche ( 399 Euro!)! mitlerweile leidet er am Burn-out-Syndrom und ist krank! Das ist Hermes!!!

    1. Das ist der Subunternehmer, für den sich Hermes ansehen lassen muss. Leider schreiben Sie nicht, ob dieser Unternehmer noch immer für Hermes tätig ist und ob Ihr Bekannter sich bei Hermes über den Mann beschwert hat.

  2. Leider fehlt da noch was:
    Der „Selbständige“ (hahahahaha) Fahrer bezahlt von seinen 1400EUR noch
    15% Krankenversicherung (Arbeitnehmer- UND Arbeitgeberanteil),
    2% Pflegeversicherung
    19% Rentenversicherung (jawohl, weil „Selbständige mit einem Auftraggeber (sic!)“ rentenversicherungspflichtig sind)
    – oder er macht sich halt strafbar.
    Achso, natürlich sorgt er vom Rest noch vor, fürs Alter oder falls er mal länger als zwei Tage krank wird.
    Und das Auto bekommt er gestellt, oder ist es sein eigenes? Und zahlt er den Sprit womöglich auch noch selbst?

    Ich meine, als römischer Sklave wär’s ihm vielleicht besser gegangen. Zumindest hätte sein Sklavenhalter dafür gesorgt, daß er genügend zu essen hat. Aber dafür gibts ja das Aufstockergeld vom Sozialamt (war da nicht was mit spätrömischer Dekadenz…?). Ich kann schon wieder gar nicht so viel k*tzen…usw.

    Danke für den Hinweis. Ich werde Hermes in Zukunft nicht mehr beauftragen. Die Frage ist nur, ob’s bei den anderen Paketdiensten anders ist. Ich frag mal den Fahrer beim nächsten Mal…

    BTW: „Erstaunlich, was es in Deutschland so alles gibt.“? Mich erstaunt das nicht. Ich kann Ihnen spontan noch ganz andere Fälle, auch für Hochqualifizierte, nennen.

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