BJV: Geheimnisse vor den Mitgliedern

Der Bayerische Journalisten-Verband (dem ich seit 30 Jahren angehöre) hat seit Jahren ein Maulwurfsproblem: Immer wieder lanciert irgendwer, der dem Landesvorstand angehört oder einem Vorstandsmitglied nahesteht, Interna an Personen, von denen man nicht genau weiß, ob man sie im französisch-schweizerisch-deutschen Dreiländereck oder in der Berliner/Potsdamer Ecke verorten soll. Es handelt sich jedenfalls um Personen, die ständig nach Informationen suchen, mit denen sie – am liebsten auf dem Klageweg – dem BJV oder dem Bundesverband DJV schaden können.

Solche Intriganten und Plaudertaschen unter sich zu wissen, ist ärgerlich, keine Frage, und ich wäre der Erste, der applaudiert, wenn sie enttarnt und achtkantig rausgeworfen werden. Es gibt auch ganz gewiss Themen, bei denen der Landesvorstand einer Gewerkschaft sogar gegenüber den eigenen Mitgliedern Vertraulichkeit braucht – zum Beispiel, wenn es um Personalia oder Arbeitskampfpläne geht.

Eine Überreaktion ist aber, sich komplett hinter einer Festungsmauer zu verschanzen. Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfuhr, sollten die Mitglieder des Landesvorstands kürzlich eine Verschwiegenheitsverpflichtung unterschreiben. Leider weiß ich nicht, mit was für Sanktionen sie bewehrt war, jedenfalls muss die Empörung über das Misstrauen der Vorstände 1. Klasse gegenüber den Vorständen 2. Klasse in der Runde so groß gewesen sein, dass die Aktion zum Reinfall wurde.

Es ist nun nicht so, dass niemand eine Ahnung hätte, wem vorsätzliche und wem fahrlässige Maulwurfstätigkeit zuzutrauen wäre. Einigermaßen seriös lässt sich der Personenkreis auf drei Schwadroneure eingrenzen. Statt ihnen eine handelsübliche Falle zu stellen (einfach mal Arbeitnehmervertreter eines beliebigen Aufsichtsrats um Rat fragen), versucht man es lieber mit der Methode „Maulkörbe für alle“, auch wenn das bedeutet, dass sich der Vorstand vor den eigenen Mitgliedern abschottet. Ein Berufsverband von Journalisten muss aber so transparent wie möglich agieren. Sonst verrät er seine eigenen Ideale.

Das Hauptproblem des BJV ist aber ein anderes: Er hat zu viele Funktionäre (25!), und von denen sind zu viele zu lange im Amt. Nicht wenige saßen schon da, als ich Ende der Neunziger die bayerischen Freien im Vorstand vertrat. Dieser Verband braucht unverbrauchte junge Talente, die ihn neu erfinden und nach vorn blicken statt in den Rückspiegel. Wäre ich noch im Vorstand, läge ich mit meinen 53 1/2 Jahren ziemlich genau im Altersdurchschnitt der Funktionäre. Mit Anfang 40 gehört man da noch zu den Nesthäkchen. (Der Studentenvertreter, Mitte 20, läuft außer Konkurrenz.)

Es kann nicht wahr sein, dass die Jungen von heute sich das bieten lassen und nicht gegen die alte Garde kandidieren. Je mehr Neue gewählt werden, desto wahrscheinlicher erledigt sich auch das Maulwurfsproblem. Nächstes Jahr wäre Gelegenheit dazu. Wenn Ihr die Chance nicht nutzt, ist Euch nicht zu helfen.

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4 Antworten auf „BJV: Geheimnisse vor den Mitgliedern“

  1. Es ging bei der Vertraulichkeitserklärung schlicht und einfach um zwei Problemfelder. Erstens Vertraulichkeit der Rechtsschutzfälle und zweitens der Vertraulichkeit von Protokollen der Vorstandssitzungen. Also um Selbstverständlichkeiten.
    Aber wenn mir in Deggendorf auf der MV von einem „normalen“ Mitglied das Protokoll der Klausurtagung unter die Nase gehalten wird, dann war da kein Maulwurf, sondern ein Idiot am Werk!

    1. Traurig, wenn im Vorstand Leute sitzen, denen man sagen muss, dass Rechtsschutzfälle vertraulich zu behandeln sind. Protokolle von Vorstandssitzungen sollten sich natürlich auf das beschränken, was man beschließt und wer ggf. eine Gegenmeinung vertritt. Ich meine mich zu entsinnen, dass es früher so war, dass die Anwesenden Gelegenheit hatten (aber seltenst nutzten), dem Protokoll zu widersprechen. Kam kein Widerspruch, stand im Protokoll nichts, das man nicht jedem Mitglied hätte zeigen können (bis auf die RS-Fälle).

  2. Ist nicht auch der Vertraulichkeitserklärungsinformant ein „Maulwurf“?
    Wegen des Alters wollte ich ja schon lange aufhören und in Aschaffenburg ist nun Ende der Fahnenstange. Was vor Deggendorf mit anonymen Anrufen, Massenmails, Virusmassenmails usw. ablief, war eines Journalistenverbands nicht würdig. Fremdgesteuertes Mobbing ist, schlicht gesagt, kriminell!

    1. Die Frage ist jetzt kabarettistisch gemeint, hoffe ich. Meine Buschtrommler erzählen das mir, aber gewiss nicht den Reißnägeln im Gesäß des DJV. Was das Mobbing angeht, das zu allem Übel auch noch den Falschen trifft: Ich weiß natürlich davon, und es schockiert mich in der Tat; ich habe es aber für mich behalten. Ich hoffe, dass das nicht abschreckend wirkt auf junge Kolleginnen und Kollegen, die ich ja eigentlich motivieren möchte, ab 2013 Schwung in den Laden zu bringen.

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