Kein Elektroschock für Daimler

Das Managermagazin berichtet über einen in China montierten Elektro-Linienbus, der in Uetersen bei Pinneberg als Prototyp getestet wird – und macht das reißerisch auf: „Elektroschock für Daimler“

So leicht dürfte Daimler nicht zu schocken sein. Zwar wäre der Bus nach Berechnungen des Ulmer Batterie- und Brennstoffzellenexperten Jürgen Garche prinzipiell konkurrenzfähig, falls er mit winterlichen Bedingungen klarkäme, doch die Reichweite sei in der Praxis so gering, dass der Bus für einen großstädtischen Mehrschichtbetrieb nicht in Frage komme.

Mit realistisch betrachtet etwa 150 Kilometern pro Ladung (die drei Stunden dauert) wäre er demnach nur ein Nischenprodukt, einsetzbar lediglich auf Verstärkerlinien in der Stoßzeit sowie als Schulbus. Der eigentliche Grund dafür, dass sich Daimler und MAN so schnell nicht ängstigen müssen, ist aber, dass der Anbieter Euracom ein kleiner Mittelständler aus dem Sonderfahrzeugbau ist. Das Unternehmen ist schlichtweg zu klein, um den Import größerer Stückzahlen und vor allem den Support zu stemmen. Solange kein finanzkräftiger Partner mit professioneller Wartungslogistik hinter dem Anbieter steht, wird kaum jemand es wagen, solche Busse zu kaufen, zumal sie in der Gesamtkostenbetrachtung offenbar noch nicht wirtschaftlicher sind als Diesel. Sie reduzieren den Dieselmief in Innenstädten, nicht mehr und nicht weniger.

Es wäre also schön, wenn die Schlagzeilentexter vom Managermagazin nicht ganz so übertreiben würden.

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