Telekom, Netzneutralität und DAUs

Voriges Jahr habe ich einige Prügel eingesteckt, weil ich in der brand eins die „Gute Frage“ zu beantworten versucht hatte, warum das Netz eigentlich neutral sein soll.

Jetzt bekommt die seinerzeit eher theoretisch geführte Debatte einen konkreten aktuellen Aufhänger: Die Deutsche Telekom will das Datenvolumen auch im Festnetz deckeln. Ich hatte das Stichwort „Verursacherprinzip“ angeführt: Wer viel konsumiert, sollte vielleicht auch mehr zahlen als der, der wenig konsumiert.

Leider ist die Telekom nicht wirklich konsequent. Sie deckelt das Volumen abhängig vom gewählten Bandbreitentarif. Dem Inhaber eines 16.000-DSL-Anschlusses stehen demnach weniger Gigabytes pro Monat zu als einem 50.000er-Kunden, der  einen höheren Tarif bezahlt. Das lässt außer acht, dass in vielen Gegenden die höhere Bandbreite gar nicht angeboten wird, weil sie technisch nicht verfügbar ist. Deshalb ist der Kunde an einem schlechter versorgten Standort doppelt benachteiligt – weniger Durchsatz und weniger Datenkontingent. Statt einer Tempodrosselung (mit der die Telekom ein vorhersehbares Marketing-Eigentor geschossen hat) wäre es sinnvoller gewesen, in jeder Geschwindigkeitsklasse mehrere Inklusiv-Volumina anzubieten und den Kunden die Wahl zu lassen, bei Überschreitung des gebuchten Volumens gegen Zuzahlung weiterhin die am Ort mögliche Geschwindigkeit bereitzustellen. Damit gäbe es auch einen direkten finanziellen Anreiz für die Telekom, den Netzausbau wirklich flächendeckend voranzutreiben. So geht sie den bequemeren (und falschen) Weg.

Wenn deshalb jetzt aber populistisch-chavistische Forderungen wie eine Enteignung – also Rückverstaatlichung – der Telekom im Netz umlaufen, zeigt dies, dass auch so mancher oberschlaue Digital Native der Kategorie „Dümmster Anzunehmender User“ angehört. Die Zerschlagung der Behördenpost in den Neunzigern hat die heutigen günstigen Preise erst möglich gemacht. Der Wettbewerb funktioniert hier besser als im oligopolistischen US-Markt.

Der Druck auf die Telekom wird allerdings leider nicht von der Seite von überregionalen DSL-Vermarktern wie 1&1 kommen, denn sie überlassen die Investitionen in die Letzte Meile  der DTAG und jammern dann der Bundesnetzagentur einen vor. Wenn Kabel Deutschland & Co. schlau sind, nutzen sie jetzt die offene Flanke, die die Telekom ihnen bietet, für attraktivere Triple-Play-Pakete.

Sie tun sich schon deshalb leichter, da niemand ihre TV-Signale in Verbindung mit dem Thema Netzneutralität bringt. Weil die Telekom Fernsehen auf einer Internet- alias Telefon-Infrastruktur anliefert, wird sie kritischer behandelt als jene, die Internet und Telefon über ihre TV-Infrastruktur anbieten. Das eine ist nicht neutraler oder verwerflicher als das andere. Das ist Markt, das ist Wettbewerb. Der Staat könnte es nicht besser.

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