Schwergewichtiger Kolibri

Der Frankfurter Investor, Wirtschaftsberater und Lobbyist Helmuth von Grolman, bei der Berliner Akkufirma Kolibri Power Systems AG derzeit mal wieder persönlich in der häufig wechselnden Rolle des Vorstandsvorsitzenden, gab dem Branchendienst Electrive kürzlich ein Interview, in dem er auf die Frage, ob Kolibri-Akkus demnächst doch noch in Autos auftauchen werden, antwortet, dies könne er nicht ausschließen.

Bevor jetzt wieder jemand auf die Idee kommt, das als Zeichen auszulegen, diese Firma verfüge über eine für die Elektromobilität interessante Technik, empfehle ich einen Blick auf die widersprüchlichen Angaben auf deren Website. Unter Technologie behauptet Grolmans Firma, die Energiedichte liege bei „ca. 200 Wh/kg“ und der Energiegehalt bei „ca. 250 Wh/Liter“. Schaut man aber die Daten der Traktionsbatterie an, die bisher in Gabelstaplern und neuerdings angeblich in Rollfeldfahrzeugen bei Qatar Airways eingesetzt wird, sieht es ernüchternd aus. Das Trumm wiegt 375 Kilo, nimmt fast einen halben Kubikmeter ein und speichert doch nur 25,2 Kilowattstunden. Brutto sind es also 67 Wh/kg und 52 Wh/l. Mit anderen Worten: In ihr Gehäuse montiert, beanspruchen die geheimnisvollen Zellen das Vierfache ihres Volumens und das Doppelte ihres Gewichts zusätzlich als Drumherum. Summa summarum sind sie dreimal so schwer und fünfmal so groß, wie es auf beim flüchtigen Lesen der Marketingaussage erscheint.

Wer das relativieren möchte, bedenke bitte, dass man für die knapp 100 Kilowattstunden, die der in meiner brandeins-Story „Kurzschluss“ beschriebene umgebaute Audi A2 intus gehabt haben soll, vier Exemplare dieser Traktionsbatterie gebraucht hätte. Sie hätten fast zwei Kubikmeter gefüllt (kennen Sie einen Kombi mit 1952 Liter Gepäckraum?) und 4×375 Kilo gewogen, also 1,5 Tonnen. Das war in etwa das zulässige Gesamtgewicht des Kleinwagens.

So viel dazu.

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