Grins, Rübe!


Auch gekünsteltes Lächeln hebt die Stimmung. Also vorwärts: Fixieren wir unsere Mundwinkel!

Sind Sie mies drauf heute? Spaziert gerade irgendeine Laus über Ihre Leber? Will der Chef Sie dringend sehen, und Sie wissen nur zu genau, warum? Dann ist es höchste Zeit, dass Sie Ihren Browser öffnen und „Tara Kraft University Kansas“ in Googles Bildsuche eintippen. Sie erblicken nämlich nicht nur das lächelnde Gesicht der Doktorandin Tara Kraft, sondern eine ganze Fotogalerie voller strahlender junger Frauen, freundlicher Münder mit zahnpastareklametauglichen Zähnchen und lustiger Smileys. Auch Ihre Mundwinkel werden sich spontan nach oben biegen. Dass dies Ihnen gut tun wird, ist jetzt wissenschaftlich erwiesen. (Achten Sie lieber nicht auf die einzelnen Herren, die sich unter die Suchergebnisse verirrt haben: Die üben noch, nett auszusehen.)

Ich hatte noch nicht das Vergnügen, Miss Kraft persönlich zu treffen. Aber ich stelle mir sie vor als eine Wissenschaftlerin von der Sorte, mit der jeder gern zusammenarbeitet, weil das Forschen Spaß macht. Auf der Suche nach einem Thema, mit dem man in die Medien kommt, berühmt wird und vielleicht eines Tages den noch zu erfindenden Nobelpreis in Psychologie abräumt, kam die junge Dame auf eine geniale Idee, für deren Umsetzung nicht einmal Drittmittelmillionen nötig waren: Sie drückte Probanden Essstäbchen in die Hand, auf dass sie sich diese quer zwischen die Zähne klemmen und unter Zeitstress schwierige Aufgaben lösen.

Damit nicht genug. Sie mussten dabei auch noch lächeln. Eine zweite Gruppe sollte hingegen versuchen, trotz dieser lachhaften Versuchsanordnung die ganze Zeit todernst dreinzuschauen. Wenn Sie meinen, Letzteres sei kein Problem, dann gehen Sie heute Abend einfach mal zum Chinesen und probieren es vor dem Spiegel selbst. Sobald Ihnen die Enden der Stäbchen links und rechts zwischen den Zähnen herausstehen, werden Sie sehen, dass es gar keine Rolle spielt, ob Sie grinsen wollen oder nicht. Ihre Mundwinkel gehen automatisch nach oben – und ziehen dabei Ihre Laune mit.

Die Forscherin aus Kansas hat das nämlich gründlich gecheckt: Sowohl die Zwangslächler als auch die Ernstgucker hatten weniger Stress als eine Kontrollgruppe, die keine Chopsticks nehmen durfte. Wie es scheint, hat der „Kraft-Effekt“, vor dem die Wellness-Industrie jetzt schon zittert, nichts mit dem asiatischen Esswerkzeug zu tun, sondern nur mit dem aufgenötigten Anspannen der Lachmuskulatur.

Wenn es Ihnen zu blöd ist, sich selbst lächerlich zu machen, lassen Sie Ihre Frau respektive Ihren Mann aufs Holz beißen. Bei dem Anblick haben Sie dann ja auch etwas zu lachen, ergo geht es Ihnen beiden gut. Sollte auch ihr/ihm die Übung zu dumm sein, testen Sie folgende Patentrezepte für ansteckendes Grinsen: Einer schminkt sich wie der Joker aus Batman, der andere leiht sich bei einem befreundeten Anonymous-Hacker oder Piraten dessen Guy-Fawkes-Maske aus. Alternativ können Sie für unterwegs ein Foto von Tara Kraft oder einen dicken gelben Smiley als Bildschirmschoner aufs Handy laden.

Für Menschen mit ausgeprägter Vorstellungskraft gibt es sogar einen Trick, der ganz ohne technische Hilfsmittel in allen Lebenslagen funktioniert: Stellen Sie sich die Bundeskanzlerin vor, wie sie mit Stäbchen im Mund zwischen François Hollande und José Manuel Barroso hockt und versucht, mit staatstragender Miene aus dem Hosenanzug zu schauen.

ULF J. FROITZHEIM, der hier in den vergangenen
75 Monaten über Forscher gefrotzelt hat, räumt diesen
Platz für eine neue Rubrik – mit einem Lächeln. Stäbchen braucht er keine dafür. 🙂

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