Der gemeine Wähler ist ein Sado-Masochist

Die Wahl ist gelaufen, und das Ergebnis ist nah dran am Worst Case Scenario, das sich kundige Pessimisten vorgestellt haben. Die Kauferinger haben sich mehrheitlich gegen frischen Wind und gegen ein konstruktives Miteinander entschieden – also für einen Gemeinderat, in dem die Fetzen fliegen werden. Wie zu erwarten war, hat die Kauferinger Mitte (KM) der UBV kräftig Stimmen abgejagt. Beide Gruppierungen sind mit je vier Mandaten gleich stark, wenn auch jeweils schwächer als CSU (sechs) und Grüne (fünf). Die SPD hat drei Leute durchgebracht, die Freien Wähler zwei.

Erststimme

 

Obwohl die Kauferinger Mitte durchaus Persönlichkeiten auf der Liste stehen hatte, mit denen man gut in der Sache diskutieren kann, haben die Gewohnheitstiere unter den Wählern (darunter insbesondere unsere Senioren*) für Polarisierung gesorgt. So sind die beiden alten Herren Bühler und Sepp gewählt, wenn auch mit vergleichsweise bescheidenen 1662 und 1373 Stimmen. Nur relativ wenige Bürger haben die Liste der Kauferinger Mitte unverändert angekreuzt (128 Stimmzettel); es wurde also tatsächlich fleißig gehäufelt. Demnach hat Bühler senior mehr als 500 Personen gefunden, die explizit ihn im Rat sehen wollen (und eine drei vor seinen Namen geschrieben haben, denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine nennenswerte Zahl von Kumulatoren und Panacheuren so halbherzig war, ihm nur eine oder zwei Stimmen zu geben, ist minimal).

Da 3999 Bürger sich beteiligt haben (fast der Hälfte der Wahlberechtigten ist Lokalpolitik leider egal), ist das allerdings auch nur etwas mehr als jeder Achte. Anders gesagt: Es kann als sicher gelten, dass mehr als eine Dreiviertelmehrheit ihn nicht will. Was Bühler besonders wurmen dürfte: Seine Intimfeindin, die streitbare Grüne Gabi Triebel, ist erheblich beliebter, ja sie ist sogar die mit Abstand beliebteste Kommunalpolitikerin im Ort – vor Josef Mayrock von den Freien Wählern, der als Bediensteter der Gemeinde erst nach seiner Pensionierung in vier Jahren das Amt antreten darf, also quasi auf Vorrat gewählt ist.

Was auf den Gemeinderat zukommt, ist absehbar: Die Kauferinger Mitte kann mit 4 von 24 Köpfen nichts durchsetzen, sie wird jede Abstimmung verlieren, aber die Runde mit aussichtslosen Anträgen in Atem halten. Eine Zusammenarbeit mit der KM kann sich keine der anderen Parteien oder Gruppen erlauben, wenn sie glaubwürdig bleiben will. Klaus Bühler bleibt also – mit Unterstützung seines Sohnes Tobi, seines Kumpels Sepp sowie seines Treuen Ekkehard Manfred Huber – kaum mehr als die Rolle des alten Waldorf vom Balkon der Muppet-Show. Vom in der bayerischen Gemeindeordnung festgeschriebenen Ideal eines Kollegialorgans wird dieser Rat weit entfernt sein, denn es liegen viel zu viele Animositäten in der Luft.

* Wer darauf gewettet hat, dass es eine Hendl-Dividende gibt, darf sich freuen: Die Hochburg der Kauferinger Mitte war erwartungsgemäß das Wahllokal im Seniorenstift.

Hier ist das Ranking der erfolgreichsten Kandidaten (in fetten Typen die künftigen Ratsmitglieder, durchgestrichen in Normalschrift die Kandidaten, die aufgrund der Wahlarithmetik oder dienstrechtlicher Vorschriften trotz respektabler Stimmenzahl nicht drin sind):

1. Gabriele Triebel GAL 3014

Josef Mayrock FW 2086

2. Thomas Salzberger SPD 1993

3. Johann Drexl CSU 1944

4. Claudia Dahme UBV 1869

5. Meinrad Mayrock CSU 1835

6. Klaus Bühler KM 1662

7. Gabriele Hunger CSU 1637

8. Thomas Wiesmann SPD 1497

9. Rosina Heinle CSU 1465

10. Norbert Sepp KM 1373

11. Thomas Harbich CSU 1346

12. Bernhard Mödl UBV 1331

13. Andreas Keller GAL 1288

14. Manfred Nieß CSU 1252

15. Alex Glaser GAL 1220

Anton Widmann CSU 1213

16. Sascha Kenzler UBV 1193

Stephan Nitsche CSU 1089

Armin Klingensteiner CSU 1054

17. Hans-Jörg Pilz GAL 1034

18. Patrick Heißler GAL 1030

19. Tobias Bühler KM 1026

Robert Widmann CSU 992

20. Gerhard Forster oder Frank Schweikart UBV je 942 (das Los entscheidet)

Johannes Drexl CSU 931

Stefan Ehle UBV 927

Stefan Kukla GAL 922

21. Flora Kurz SPD 904

Melanie Widmann CSU 872

Stefan Puchmayr CSU 814

Johannes Keller CSU 805

Max Boerakker GAL 798

Oliver Hetzke UBV 790

22. Manfred Huber KM 747

23. Moritz Lau FW 739

Kornelia Enthart CSU 735 

24. Eva Nitsche FW 732

 

Sie sind der oder die 2851. Leser/in dieses Beitrags.

2 Gedanken zu „Der gemeine Wähler ist ein Sado-Masochist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.